Unternehmen Was kann Europa aus dem Beispiel Japans lernen?

Die neue Wirtschaftspolitik "Abenomics" sollte die japanische Wirtschaft zu neuer Blüte führen.

Die neue Wirtschaftspolitik "Abenomics" sollte die japanische Wirtschaft zu neuer Blüte führen.© SeanPavonePhoto - Fotolia.com

Die Regierung in Tokio wollte mit aller Macht eine Rezession verhindern und befindet sich nun doch überraschend im konjunkturellen Abwärtstrend. Aber auch Europa hat wirtschaftliche Probleme. Droht Deutschland eine ähnliche Entwicklung wie in Japan?

Trotz einer aktiven Geldpolitik und zahlreicher Konjunkturprogramme ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt in die Rezession gerutscht. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zügel massiv gelockert und die EU-Kommission plant ein neues, milliardenschweres Investitionspaket. Ist der Euroraum auf dem Weg in „japanische Verhältnisse“ mit wirtschaftlicher Stagnation und fallenden Preisen?

Wo liegen die Ursachen der Probleme in Japan?

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Ausgangspunkt für die japanische Malaise war eine schwere Immobilienkrise, die Japan Anfang der 1990er Jahren heimsuchte. Einen Grund dafür sehen Ökonomen in der zuvor jahrelang lockeren Geldpolitik der Notenbank, die die Vermögens- und Hauspreise aufblähte. Als die Blase platzte, reagierte die Politik zögerlich: Fachleute bemängeln, dass die Geldhäuser ihre Bilanzen lange nicht von faulen Krediten bereinigen mussten. In der Folge blieb die Darlehensvergabe über Jahre schwach, was wiederum den privaten Konsum und die Investitionen der Unternehmen dämpfte. Das Land fiel in eine lange Deflation, von der sich Japan bis heute nicht erholt hat.

Wie ist die Lage im Euroraum?

Im Grunde ähnlich: Auch in Europa hat das Platzen von Immobilienblasen dazu geführt, dass Länder wie Spanien oder Irland in starke und lange Rezessionen fielen. Das Problem notleidender Kredite wurde auch im Euroraum nur zögerlich angegangen. Die Hoffnung liegt nun auf dem kürzlich abgeschlossenen Stresstest der EZB, der Klarheit über den Zustand der Bankbilanzen schaffen sollte. Ob es gelingt, dadurch die schwache Kreditvergabe anzuschieben, ist aber fraglich. Darüber hinaus leidet auch der Euroraum wegen der mauen Konjunktur unter einer schwachen Inflation. Eine möglicherweise konjunkturschädliche Deflation mit auf breiter Front fallenden Preisen – wie in Japan – ist nicht auszuschließen. Großbritanniens Premierminister David Cameron sieht die Eurozone „am Rande einer dritten Rezession“.

Drohen in Europa nun „japanische Verhältnisse“?

Darüber streiten Ökonomen: Einige Volkswirte, vornehmlich aus dem angelsächsischen Raum, warnen genau davor. Andere Experten sind dagegen weniger pessimistisch. Ein Argument, das sie gegen ein japanisches Szenario im Euroraum anführen, lautet: In Europa haben angeschlagene Länder zumindest damit begonnen, wichtige Wirtschaftsreformen anzugehen. In Krisenländern wie Spanien hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Der Lohn: Das Wachstum zieht an, sogar die Arbeitslosigkeit geht wieder leicht zurück, wenngleich von sehr hohem Niveau aus. Wenig hoffnungsvoll stimmt hingegen die Entwicklung in anderen Ländern wie Frankreich oder Italien, wo wichtige Reformen entweder noch gar nicht begonnen wurden oder nur zäh vonstatten gehen.

Was sind die Lehren für Europa?

Das Beispiel Japan zeigt, dass billiges Zentralbankgeld und staatliche Konjunkturprogramme nur Zeit kaufen können. Zwar ist die japanische Wirtschaft auch von einer Steuererhöhung zurückgeworfen worden. Dennoch: Wird die Zeit nicht genutzt, um die angeschlagene Wirtschaft wieder fit zu machen, bleibt von lockerer Geldpolitik und Staatshilfen nur ein Strohfeuer übrig. Genau das droht nun Japan: Wirtschaftsreformen, die ein nachhaltiges Wachstum garantieren können, sind bisher ausgeblieben. Entsprechende Ankündigungen von Premier Shinzo Abe sind aus Sicht von Volkswirten der NordLB ein „Plazebo“ geblieben. Die Folge: Lässt die Wirkung von Geldpolitik und
Staatshilfen nach, geht es mit der Konjunktur bergab.

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