Unternehmen Wie ein Mittelständler der Telekom auf die Sprünge half

Mit einem bunten Willkommensgruß für den sehnlichst erwarteten Telefon-Techniker sorgte ein Dresdner Mittelständler in sozialen Netzwerken für viel Heiterkeit und zahlreiche Solidaritätsbekundungen. impulse hat recherchiert, wie es zu der Aktion kam. Die Geschichte hinter dem Bild.

Bunte Luftballons und ein herzliches Willkommen – auf den ersten Blick sieht es aus, als feierte man in der Maria-Reiche-Straße 8 in Dresden den Tag der offenen Tür. Doch das große Plakat auf dem Firmengelände galt nicht den Gästen einer Firmenfeier, sondern dem sehnlichst erwarteten Techniker der Telekom. Aufgehängt hat es Axel Wulke, Geschäftsführer der iwg-plan GmbH & Co.KG und der GSA-CAD GmbH & Co. KG. Sein Sohn Markus postete das Willkommens-Plakat bei Facebook, wo es sich rasch verbreitete, auch bei Twitter machte es die Runde. Der Grund für die ungewöhnliche Maßnahme: Der Telekomtechniker hatte angeblich die beiden Firmen nicht gefunden, bei denen er je eine Datenleitung für das Telefon und die Internetverbindung legen sollte. Das wunderte Geschäftsführer Wulke, denn immerhin sitzen die Unternehmen zusammen in der Maria-Reiche-Straße auf 1000 Quadratmetern – „man sollte meinen, das ist nicht zu übersehen“, sagt Wulke.

Die iwg-plan, die Wulke 1991 gegründet hat, ist ein Planungsbüro, in dem am PC technische Gebäudeausstattungen konstruiert werden. Die GSA-CAD, gegründet 1995, ergänzt das Angebot als Personaldienstleister, der Konstrukteure und Techniker an andere Ingenieursbüros verleiht. Insgesamt arbeiten 55 Mitarbeiter für die zwei Firmen. In diesem Jahr mussten die Firmen umziehen, weil der alte Vermieter Eigenbedarf für einen Teil der Räumlichkeiten angemeldet hatte und Wulke eher mehr Platz brauchte als weniger, denn seine Mitarbeiterzahl war gestiegen. Auch eine dritte Firma Wulkes, eine Oldtimer-Vermietung, zog mit in das neue Gebäude. Für die brauchte Wulke aber keinen eigenen Anschluss. „Das ist eher eine Art Hobby von mir“, so der Unternehmer.

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Die Ereignisse, die am Ende zu dem kreativen Wegweiser an seinem Zaun geführt haben, schildert Wulke gegenüber impulse mit einigem Frust in der Stimme: Am 21. Februar habe er über seinen Telefonanbieter QSC den Antrag auf zwei Internet- und zwei Telefonanschlüsse losgeschickt. Doch dann ging es erst einmal darum, ob das Gebäude denn überhaupt mit den nötigen Kabeln versorgt war oder nicht. Das zu prüfen dauerte, schließlich mussten neue Kabel gelegt werden. „Wir hatten dafür eine Firma hier, die von der Telekom beauftragt worden war“, sagt Wulke, „auch deshalb wundert es mich, dass nachher angeblich unsere Adresse nicht auffindbar war. Diese Firma hatte uns doch auch gefunden.“

Fehlender Internetanschluss schadete dem Geschäft

Zum 1. Mai zog Wulke mit den beiden Unternehmen in das Gebäude ein, in der Hoffnung, innerhalb weniger Tage Telefon und Internet zu haben: Der Techniker der Telekom war für den 5. Mai angekündigt. Doch er kam nicht, Info an Wulke: Adresse nicht gefunden. Auch der nächste Termin platzte, mit derselben Begründung. Am 9. Mai machten sich die Wulkes daran, über Facebook für Aufmerksamkeit zu sorgen. Am 14. Mai kam der Techniker schließlich, fand das Gebäude auch, legte aber nur einen der Anschlüsse. Am 15. Mai kam der nächste Techniker und legte die anderen Anschlüsse. „Unser Administrator muss nun alles noch einrichten, aber im Grunde sollte es funktionieren und insofern sind wir jetzt glücklich“, sagt Wulke am Donnerstagabend.

Die Zeit ohne Telefon und Internet sei besonders für das Planungsbüro geschäftsschädigend gewesen: „Wir sind auf das Internet angewiesen, um Daten auszutauschen“, so der Firmenchef. Mit den UMTS-Karten in ihren Laptops hätten die Mitarbeiter zumindest ihre E-Mails abrufen können, doch die Datenmenge etwa einer am PC in 3D entwickelten Lüftung ließe sich damit eben nicht übermitteln. „Das fanden unsere Auftraggeber teilweise gar nicht gut“, sagt Wulke. Die fehlenden Telefonverbindungen versuchte er durch eine Umleitung der Festnetznummer aufs Handy zu ersetzen. „Das hatte aber den Nachteil, dass uns immer nur ein Kunde zur selben Zeit anrufen konnte und dann war der Anschluss blockiert“, erzählt er. Die Kosten, die die fehlenden Verbindungen verursacht haben, seien „nicht zu beziffern“.

Umso mehr ärgerte ihn die Auskunft, die er von einem der Techniker bekam, der schließlich den ersten Anschluss legte: „Der sagte mir, wenn auf dem Auftragsformular nur die Adresse steht, aber kein Ansprechpartner mit Telefonnummer, denn fährt er direkt weiter, ohne überhaupt erst ins Gebäude zu gehen“, so Wulke. Nach dieser Auskunft machte sein Sohn Markus Wulke am Mittwoch über die Facebook-Seite der Telekom dem nächsten Techniker das Angebot, sich auf Kosten der Firma mit einem Rolls Royce von 1968 „bis vor die Eingangstüre chauffieren zu lassen“. Die Telekom lehnte dankend ab.

Telekom und QSC vermuten menschliches Versagen

Bei der Telekom ist man über die Auskunft des Technikers verwundert. Es sei keinesfalls gängige Praxis, dass der Mitarbeiter wieder fahre, nur weil kein Ansprechpartner mit Telefonnummer auf dem Auftrag vermerkt sei, sagte ein Sprecher zu impulse. Es sei nicht im Interesse des Unternehmens, wenn der Techniker mehrmals den Kunden aufsuchen müsse – natürlich seien die Mitarbeiter deshalb dazu angehalten, auch aus dem Wagen zu steigen und im Gebäude einen Ansprechpartner zu suchen.

Bei Wulkes Telefonanbieter QSC ist man sich jedenfalls sicher, alles richtig gemacht zu haben. „Wir haben die Wunschtermine des Kunden an die Telekom weitergegeben und bekamen die Rückmeldung: ‚KF‘, das bedeutet ‚Kundendaten falsch‘“, sagt ein Pressesprecher. Und das, obwohl die Telekom die Adresse doch schon kannte, immerhin hatte sie dort die Kabel für den späteren Anschluss verlegen lassen. Fälle, in denen Telekom-Techniker die Kunden nicht fanden und mehrfach neue Termine vereinbart werden mussten, habe es schon häufiger gegeben, sagt der QSC-Sprecher. Um die Terminvereinbarung zu vereinfachen, gebe es zwar eine automatisierte Schnittstelle zwischen Drittanbietern und der Telekom, die grundsätzlich gut funktioniere. „Aber am Ende ist da ein Mensch, der die Tür finden muss“, so der QSC-Sprecher, „und wenn er die nicht findet, ist das schlecht.“

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