Unternehmen Wie Teslas „Marketingcoup“ die Konkurrenz irritiert

Mit Batterien für Haushalte will US-Elektroautopionier Tesla die Energieversorgung revolutionieren. Eine Provokation - nicht nur für deutsche Mittelständler: Denn die Konkurrenz stellt die Energiespeicher schon längst her.

Es war eine Batterie-Show in Kalifornien, als Tesla-Chef Elon Musk Anfang Mai vor großem Publikum die hauseigene Speichertechnik als „Revolution in der Energieversorgung“ vorstellte. Die neuen Strom-Batterien für Haushalte und Firmen sammeln überschüssigen Strom aus Solar- und Windkraftanlagen und geben ihn später ab. Verbraucher sollen so unabhängiger von der teuren Elektrizität aus dem Netz werden. Die Konkurrenz, darunter viele deutsche Hersteller, wurde von Musk diskreditiert.

Diese offensive Kritik lassen die Hersteller nicht auf sich beruhen: Im Streit um die Batterietechnik für Privathaushalte hat nun auch der japanische Elektronikkonzern Panasonic den amerikanischen Elektroauto-Hersteller Tesla zu Wort gemeldet. Panasonic spricht nun von einem „Marketingcoup“. Die Technologie von Tesla-Chef Elon Musk sei keineswegs neu, sagte eine Panasonic-Sprecherin der Branchenzeitung „Automobilwoche“. „Seit drei Jahren stellen wir bereits solche Speicherbatterien her und haben damit in Japan großen Erfolg.“ Der Konzern wolle mit dieser Technologie „sehr bald“ in andere Märkte gehen, auch nach Europa.

Anzeige

Tesla provoziert deutschen Mittelstand

Auch deutsche Unternehmen stellen die von Tesla als neu angepriesene Technik bereits her. Zu ihnen zählt der auf Speichersysteme spezialisierte bayerische Mittelständler Sonnenbatterie. „Technisch nicht beeindruckend, kommunikativ eine Glanzleistung“, kommentierte Christoph Ostermann, Chef und Gründer von Sonnenbatterie, die Tesla-Technologie im Manager Magazin. Das Vorgehen von Tesla sei ein Marketing-Lehrstück, sagte Ostermann, der mit seinem 100-Mitarbeiter-Unternehmen derzeit einen Eintritt in den US-Markt plant.

Auch der Speicherspezialist E3/DC aus Osnabrück ist irritiert über Teslas Marketingkampagne. „Tesla muss erst mal die Kompetenz unter Beweis stellen“, kritisierte Chef Andreas Piepenbrink. „Die Erfahrung haben die anderen.“ Erst im Frühjahr wurde das von E3/DC entwickelte Hauskraftwerk mit dem red dot Design Award ausgezeichnet.

Tesla baut neue Batteriefabrik

Die Kritik aus Deutschland beeindruckt den Tesla-Inhaber bisher wenig. Der 43-jährige Elon Musk ist für ambitionierte Pläne bekannt. In Deutschland rechnet er mit einem riesigen Geschäft. Die Batterien sollen an private Haushalte und Unternehmen verkauft werden. Bei der Einbindung der Batterien ins Stromnetz soll Tesla der Hamburger Ökostrom-Anbieter Lichtblick helfen. Um der erhofften Nachfrage gerecht zu werden, wird gerade eine fünf Milliarden Dollar teure Batteriefabrik in Nevada gebaut. Sie soll zum Jahr 2020 eine halbe Million Batteriepakete pro Jahr produzieren können.

Im ersten Quartal allerdings fuhr Tesla erneut hohe Verluste ein. Das Minus lag bei knapp 154,2 Millionen Dollar, wie das Unternehmen vor kurzem mitgeteilt hatte. Im Vorjahresquartal hatte Tesla 49,8 Millionen Dollar verloren. Der Umsatz wuchs im Jahresvergleich um fast 52 Prozent auf 893,3 Millionen Dollar.

Bildergalerie: Die Edel-Elektroflitzer von Tesla

1 Kommentar
  • Hilmar 19. Mai 2015 09:44

    Der Auftritt von Tesla in diesem Markt sollte nicht abgetan werden als „Ach, das können die eh nicht, wir haben viel mehr Erfahrung.“. Tesla hat im Akku-Bereich mittlerweile sehr viel Erfahrung sammeln dürfen und bald ein riesige Akku-Fabrik zu Hause stehen. Sie haben auch das Vermögen, diese Technologie als „cool“ und begehrenswert darzustellen. Wenn man mal die bisherigen Solar/Akku-Systeme gesehen hat und dann die Präsentation von Tesla liegen da Welten zwischen.

    Alleine der Satz „Tesla muss erst mal die Kompetenz unter Beweis stellen“ dürfte bald bewiesen sein. Sobald Tesla die Kompetenz bewiesen hat (was sie meines Erachtens durch die Autos schon hat), werden sie massiv im Markt sein. Nicht zu vergessen ist, dass die komplette Präsentation bereits auf dem Produkt basierte und unabhängig vom Stromnetz lief.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.