Unternehmen Wirtschaftsfaktor Ferienjobber: Flexibel, tüchtig, unverzichtbar?

Die Studentinnen Maj-Britt (l.) und Lisa im Daimler-Motorenwerk in Stuttgart

Die Studentinnen Maj-Britt (l.) und Lisa im Daimler-Motorenwerk in Stuttgart© dpa/picture-alliance

Dass Schüler und Studenten in den Sommerferien von der Arbeit am Fließband oder an der Theke profitieren, steht außer Frage. Doch wie groß ist die wirtschaftliche Bedeutung der Ferienjobber für die Unternehmen?

Unter der Decke hängen Stahlträger, von allen Seiten zischt es aus Maschinen, ein Gabelstapler saust vorbei. In der Werkshalle, in der die Studentinnen Lisa Kollross und Maj-Britt Trauthig sieben Stunden am Tag arbeiten, ist einiges los. Die Handgriffe an den Maschinen bleiben die gleichen – Trauthig montiert die Träger eines Motors, Kollross die Wasserpumpe. „Definitiv brauchen wir Ferienjobber wie sie“, sagt Meister Frank Herzberg.

Denn zwischen Juni und Ende September machen große Teile der Stammbelegschaft im Daimler-Motorenwerk in Stuttgart Bad-Cannstatt Urlaub – das Fehlen der Mitarbeiter muss ausgeglichen werden. Und nicht nur bei Daimler setzt man in der Sommerferienzeit auf Ferienjobber. Auch andere Unternehmen in Branchen wie Maschinenbau und Gastronomie greifen in der Hauptferienzeit auf zusätzliche Arbeitskräfte zurück. Dabei spielen Schüler eine immer weniger wichtige Rolle für die Unternehmen, sagt Daimler-Meister Herzberg. In den meisten Unternehmen werden Aushilfen nur eingestellt, wenn sie über 18 Jahre alt sind. Somit sind vor allem Studenten interessant.

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„Sie bieten erhebliche Flexibilität für Jobs, bei denen man kurzfristig eingestellt werden kann“, sagt Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Doch: Haben Ferienjobber tatsächlich eine Bedeutung für die wirtschaftliche Leistung eines Unternehmens? Was wäre, wenn es sie nicht gäbe?

„Gelernte Mitarbeiter können sie nicht ersetzen“

Für die Post seien Aushilfskräfte unverzichtbar. Auch in Brauereien würden sie gebraucht, sagt Brenke. „Die haben eine fließende Produktion und müssen im Sommer weiterproduzieren.“ Das bestätigt Ralf Krieger von der Rothaus-Brauerei: Der Betrieb unterliege starken saisonalen Schwankungen, gerade während der warmen Sommermonate steige der Ausstoß stark an. Dann werden Aushilfen zur Unterstützung der Stammbelegschaft eingesetzt: Sie reinigen Biergarnituren bei Festen, arbeiten in der Abfüllung oder erledigen Hausmeisterdienste.

Für den Autozulieferer Bosch spielt die Ferienbeschäftigung eine – wirtschaftlich betrachtet – untergeordnete Rolle. Dennoch tun sich auch hier gerade in der Fertigung im Sommer Möglichkeiten auf, dass junge Leute befristet beschäftigt werden können, wie ein Sprecher sagt.

Auch in der Gastronomie sind es vor allem einfache Tätigkeiten, die Ferienjobber übernehmen könnten. „Die Branche hat sowieso einen hohen Personalbedarf“, sagt der Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Baden-Württemberg, Daniel Ohl. „Den allgemeinen Mangel an Fachkräften können wir mit Ferienjobbern aber sicher nicht ausgleichen.“ Die Aushilfskräfte seien meist im Service tätig – dafür reiche auch eine kurze Einarbeitungszeit. „Gelernte Mitarbeiter können sie nicht ersetzen.“

Keine flächendeckenden Daten

Weil zum Thema Ferienjobber keine flächendeckenden Daten vorliegen, sei ihre konkrete wirtschaftliche Bedeutung schwer an Kennzahlen festzumachen, fasst DIW-Sprecher Brenke zusammen. Zur Anzahl der Ferienjobber lägen auch keine Daten vor, heißt es bei der Arbeitsagentur.

Klar ist: Viele Unternehmen profitieren von ihnen, schon allein, weil die Stammbelegschaft in den Sommermonaten leichter Urlaub nehmen kann, wie auch Petra Otte von der IG Metall sagt. Die Gewerkschaft befürworte die Beschäftigung von Schülern und Studenten. „Allerdings legt die IG Metall großen Wert darauf, dass die Ferienjobber ordentlich bezahlt und eingelernt werden“, sagt Otte. „In den meisten Betrieben stimmen die Arbeitsbedingungen.“

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