Unternehmen Wirtschaftskriminelle verursachen 3,8 Milliarden Euro Schaden

Ein Fingerabdruckblatt des BKA.

Ein Fingerabdruckblatt des BKA.© dpa/picturealliance

Anlagebetrug, Abzocke übers Internet und Abrechnungsschwindel: Obwohl die Zahl der Einzelfälle 2013 zurückgegangen ist, stieg der Gesamtschaden durch Wirtschaftskriminalität auf 3,8 Milliarden Euro. Die Ermittler gehen von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus.

Trotz weniger Fälle haben Wirtschaftskriminelle 2013 einen höheren Schaden angerichtet als im Jahr zuvor. Die Summe lag mit 3,82 Milliarden Euro knapp 2 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Lagebild des Bundeskriminalamtes (BKA) zur Wirtschaftskriminalität hervor. Behördenchef Jörg Ziercke verwies auf eine hohe Dunkelziffer und beklagte, dass solche Delikte zu selten angezeigt würden.

Unterm Strich ging die Zahl der registrierten Schäden durch Wirtschaftskriminelle im vergangenen Jahr um 12 Prozent auf 71.663 zurück. Dabei konnten die Ermittler 31.459 Tatverdächtige identifizieren. Das waren rund 10 Prozent weniger als 2012. Insgesamt machten Delikte der Wirtschaftskriminalität jedoch nur 1,2 Prozent (2012: 1,4 Prozent) der insgesamt polizeilich bekanntgewordenen Straftaten aus.

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Anstieg bei Anlage- und Finanzierungsdelikten

Auffallend war nach Angaben des BKA zwar ein deutlicher Rückgang der Fälle von Wirtschaftskriminalität bei Betrug (minus 20 Prozent). Zugleich wiesen die Ermittler aber einen gravierenden Anstieg von 27 Prozent bei Betrug und Untreue im Zusammenhang mit Anlage- und Finanzierungsdelikten aus. Erneut gestiegen sind auch die Fälle bei Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen (plus 7 Prozent). 2012 hatte dieses Plus noch bei 52 Prozent gegenüber dem Vorjahr gelegen.

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Der ausgemachte Schaden der Wirtschaftsdelikte stellt nahezu die Hälfte des gesamten Schadens von rund 8 Milliarden Euro dar, den Kriminelle in Deutschland verursacht haben. Doch viele finanzielle Folgen bleiben laut BKA im Dunkeln, weil zum Beispiel Wettbewerbsverzerrungen oder Ansehensverluste von Unternehmen nicht beziffert werden können.

Die Zahl der Fälle, bei denen das Internet genutzt wurde, ging im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent zurück. Dies unterstreiche den rückläufigen Trend der vergangenen fünf Jahre, hieß es.

Eingeschränktes Lagebild

BKA-Präsident Ziercke sagte, die Lage bei der Wirtschaftskriminalität sei geprägt von einer hohen Dunkelziffer, enormen Schäden und langjährigen Großverfahren der Ermittlungsbehörden. Noch immer würde Wirtschaftsdelikte zu selten zur Anzeige gebracht. „Gleiches gilt für die Korruption – sie ist ein enger Begleiter der Wirtschaftskriminalität.“

Ziercke forderte dazu auf, Korruptionsfälle konsequent anzuzeigen. „Es muss in unser aller Interesse liegen, das Vertrauen in die Funktionsfähigkeit unserer Wirtschaftsordnung aufrechtzuerhalten“, betonte der Behördenchef.

Das BKA weist in seinem Lagebild aber darauf hin, dass die polizeilichen Daten das tatsächliche Ausmaß der Wirtschaftskriminalität nur eingeschränkt wiedergeben. Denn solche Straftaten, die von Staatsanwaltschaften oder Finanzbehörden direkt und ohne Polizeibeteiligung verfolgt werden, sind in den polizeilichen Statistiken den Angaben zufolge nicht erfasst.

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