Unternehmen Börsengang: Zalando wagt den ersten Schritt

Ein Päckchen von Zalando

Ein Päckchen von Zalando© dpa

Weltweit gehen Unternehmen wieder verstärkt an die Börse, um sich frisches Geld zu besorgen. In Deutschland allerdings traute sich zuletzt kaum ein Unternehmen aufs Parkett. Das könnte sich mit dem Zalando-Börsengang ändern, meinen Experten.

Der Internet-Händler Zalando hat sich eine günstige Zeit für seinen Börsengang in Frankfurt ausgesucht. Getragen vom Wirbel, den in den USA regelmäßig Parkett-Neulinge aus der Internetwelt wie Facebook und Twitter oder der Börsenkandidat Alibaba auslösen, wächst auch hierzulande wieder das Interesse der Investoren an Technologieunternehmen. Experten zufolge ist das Marktumfeld für den Berliner Internetversender Zalando positiv – genauso wie für die mit ihm verwandte Startup-Fabrik Rocket Internet. Sie könnten zu „Leuchttürmen“ werden und weitere Technologiefirmen aufs Parkett locken.

Zalando will noch in diesem Jahr an die Börse gehen. „Abhängig vom Börsenumfeld“ solle die Aktienplatzierung im zweiten Halbjahr 2014 über die Bühne gehen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Einen genauen Termin nannte das Unternehmen allerdings noch nicht. Die Haupteigentümer von Zalando sind nach aktuellen Angaben die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik mit rund 36 Prozent und die Internetinvestoren Oliver, Marc und Alexander Samwer mit 17 Prozent. Den Samwer-Brüdern gehört die Startup-Schmiede Rocket Internet.

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Nach Einschätzung von Konrad Bösl, Börsengangsexperte der Beratungsgesellschaft Blättchen & Partner, ist die Zeit für ein Debüt von Zalando gerade richtig. „Facebook und Twitter sind Eisbrecher für Unternehmen, bei denen die Internettechnologie die Geschäftsbasis darstellt“, sagt er. Da es hierzulande in jüngster Zeit kaum Börsengänge gab, warteten Investoren geradezu auf Anlagemöglichkeiten. Da helfe es, dass Zalando zuletzt einen operativen Gewinn vermeldet habe.

Startschuss für weitere Börsengänge?

Ein gutes Abschneiden des Mode-Händlers beim Börsenstart dürfte nach Einschätzung Bösls auch Rocket Internet einen Schub für das erwartete Debüt geben. Unter dem Dach der auf Internetunternehmen spezialisierten Beteiligungsgesellschaft war Zalando einst groß geworden. Gründer von Rocket sind die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer. Die Start-up-Schmiede hat laut Bösl noch mehr im Köcher: „Wenn es gut läuft, könnte Westwing gleich der nächste Börsenkandidat sein.“ Westwing ist ein auf Wohnaccessoires spezialisierter Shopping-Club.

Martin Steinbach, bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zuständig für Börsengänge, sieht noch viel mehr Potenzial im deutschen Markt. „Technologie-Unternehmen, speziell aus dem Bereich E-Commerce, sind hoch im Kommen derzeit. Das war in den USA schon im vergangenen Jahr so, und in Europa spüren wir das jetzt auch.“ Investoren sind laut Steinbach wieder risikofreudiger geworden und suchen wieder stärker Wachstumswerte. Davor seien Unternehmen in Mode gewesen, die eine sichere Dividende zahlten, jedoch nicht so hohe Wachstumsaussichten böten.

Somit könnten auch Unternehmen an der Börse erfolgreich starten, die noch keine oder kaum Gewinne schreiben. „Wichtig ist, dass es Leuchttürme gibt – Beispiele, die funktionieren“, sagt Steinbach, „Diese zeigen anderen Technologieunternehmen, dass ihnen auch die Börse als Finanzierungskanal offensteht.“ Allgemein schätzt Steinbach das Klima für Börsengänge derzeit gut ein. Als Gründe dafür nennt er unter anderem eine stabile Entwicklung des Aktienmarktes, das Abflauen der europäischen Finanzkrise und die andauernde Niedrigzinspolitik.

Experte erwartet in diesem Jahr bis zu 15 Börsengange

„Wir werden eine rege zweite Jahreshälfte sehen, sofern nicht irgendwelche unvorhersehbaren externen Schocks oder Krisen dazwischen kommen“, sagt Steinbach. Das Jahr 2014 könne insgesamt 10 bis 15 Neuemissionen bringen, bisher waren es fünf mit einem Emissionsvolumen von insgesamt gut 900 Millionen Euro. Mit einem Hype wie zu den Zeiten des Neuen Marktes um das Jahr 2000 herum rechnet der Experte hingegen nicht. „Der Markt ist erwachsener geworden.“

Wer bei Zalando an Bord bleibt

Die großen Zalando-Aktionäre wollen an Bord bleiben und bei dem Börsengang keine Aktien verkaufen. „Geplant ist die Ausgabe von neuen Aktien aus einer Kapitalerhöhung“, hieß es. Im Juli besorgte sich Zalando zudem eine Kreditlinie über 200 Millionen Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren. „Der Gang an die Börse ist der nächste logische Schritt in der Entwicklung von Zalando“, erklärte Zalando-Vorstandsmitglied Rubin Ritter in der Mitteilung.

Zalando hatte mit kostenlosen Retouren und einer einprägsamen Werbekampagne („Schrei vor Glück!“) schnell Marktanteile gewonnen. Zuletzt gab es 13,7 Millionen Kunden. Nach Anlaufverlusten schaffte es das Unternehmen zuletzt in die schwarzen Zahlen. Im zweiten Quartal verbuchte Zalando vor Zinsen, Steuern und Ausgaben für Mitarbeiteraktien einen Gewinn von 35 Millionen Euro. Unterm Strich kam ein Gewinn von 29 Millionen Euro heraus. Im Vorjahresquartal hatte Zalando noch 33,5 Millionen Euro Verlust gemacht.

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