Unternehmen Zehn neue Geschäftsideen

Schlemmen im Gourmetbus, eine E-Book-Ausleihe, ein neuer Veranstaltungsführer oder der Schlüsselbringdienst: zehn Startups mit Potenzial.

 

Orientierung in der Fremde

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Vielreisende kennen das Problem: Kaum in einer Stadt angekommen, ist man auf der Suche nach einem guten Restaurant oder dem nächstgelegenen Kino. Andere wiederum zieht es zu Sportveranstaltungen. „Die neue Internetplattform Ogoout erleichtert es den Nutzern, interessante Locations in der Umgebung zu finden“, sagt Gründer Eugen Wolf. Bilder, kleine Videoclips und Empfehlungen anderer Teilnehmer helfen, die Qualität einer Veranstaltung oder eines Lokals einzuschätzen. Ogoout ist im Dezember 2011 gestartet, die Datenbank enthält bereits jetzt mehr als vier Millionen Adressen. „Für jede größere Stadt legen wir zudem eine eigene Facebook-Seite an“, sagt Wolf. Um das Expansionstempo zu halten, ist der 29-Jährige aus Zweibrücken nun auf der Suche nach Venture-Capital.

Vorlaufzeit: 8 Monate

Startkapital: 25.000 Euro

www.ogoout.de

Die ganze Wolke in einer App

Cloud-Anwendungen boomen, Apps auch. Warum also nicht beides verbinden? Das Chemnitzer Startup Hojoki bietet seit Ende 2011 eine App an, die alle Aktivitäten auf Plattformen wie Dropbox, Google Docs, Delicious, Tda-Da-Lost oder Twitter zusammenbringt. „Diese App ist ideal für alle Teams, deren Mitglieder sich zwar nicht am gleichen Ort befinden, die aber trotzdem jederzeit wissen müssen, wer gerade welche Aufgaben bearbeitet“, sagt Lutz Gerlach, der Hojoki zusammen mit Martin Böhringer startete. Innerhalb von nur acht Wochen fand die App Zehntausende Nutzer. Nun wollen die Gründer möglichst schnell die Millionengrenze knacken. So viel Elan beeindruckt auch die Geldgeber: Kizoo Technology Capital investierte eine sechsstellige Summe. Derzeit ist die App noch gratis, doch schon bald soll ein erweitertes Premiumangebot gegen eine Gebühr von rund 5 Dollar eingeführt werden.

Vorlaufzeit: 1 Jahr

Startkapital: 500.000 Euro

www.hojoki.com

Kochen mit Sti(e)l

Ein neues Kochsystem hat der Kölner Steve Müller entwickelt: Der Dewok ist eine Kombination aus Wok und Pfanne, die Speisen werden wie beim Raclette direkt am Tisch zubereitet. „Gebrauchsmuster und Design habe ich mir gleich zu Beginn gesichert“, sagt der 32-Jährige. Seit Dezember 2011 baut er in einer Doppelgarage sein Produkt zusammen: Der Edelstahl für die Pfanne kommt aus der Türkei, die Granitplatte für die Halterung aus Asien, die edle Bambusverpackung aus China. Das Kochgerät gibt es für ein oder zwei Personen. Der Preis: 159 und 219 Euro. „Bis zum Jahresende möchte ich 900 bis 1000 Stück verkaufen“, so der Gründer des Einzelunternehmens. Schwarze Zahlen schreibt er voraussichtlich schon im Mai 2012. Derzeit vertreibt Müller den Dewok nur über seine Internetseite, doch sehr bald soll er auch in ausgewählten Küchenstudios oder Designkatalogen zu kaufen sein.

Vorlaufzeit: 2 Jahre

Startkapital: 30.000 Euro

www.dewok.de

Essen auf ganz großen Rädern

Ein außergewöhnliches Dinner: Die Vorspeise wird am Brandenburger Tor serviert, der Hauptgang am Gendarmenmarkt und am Alexanderplatz das Dessert. Möglich macht es der Gourmet Liner von Benjamin Thompson. Der Berliner hat einen Luxusbus zu einem rollenden Spitzenrestaurant umgebaut. „Das hat rund 300.000 Euro gekostet“, sagt der 30-Jährige, der den zinsgünstigen „Berlin Kredit“ der Investitionsbank Berlin in Anspruch nahm. Eine Live-Show-Küche unterhält die Gäste auf der Fahrt von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten. Zwei Bars und Loungemöbel sorgen für ein stilvolles Ambiente. Vor allem Unternehmen buchen den Gourmet Liner, aber auch Hochzeitspaare. Die Kosten: je nach Speisekarte 110 bis 170 Euro pro Person. „Wir hatten schon Anfragen aus anderen Städten wie Hamburg oder Bremen“, sagt Thompson, der seine Aktivitäten nun auch auf andere Regionen ausweiten und einen zweiten Bus herrichten will. 2013 möchte er dann auch die Gewinnzone erreichen.

Vorlaufzeit: 2 Jahre

Startkapital: 500.000 Euro

www.gourmet-liner.de

Individueller Kaffeegenuss

Das Kaffeegeschäft liegt bei Jonas Braun in der Familie. Schon sein Vater gründete vor mehr als 25 Jahren die Kaffeerösterei Braun in Mainaschaff. Er selbst verdiente lange als Messe-Barista Geld dazu. Vor gut einem Jahr startete der 23-Jährige seine eigene Firma in der Branche: Unter dem Namen Label My Coffee stellt Braun Kaffeemischungen nach Wunsch zusammen und verpackt sie individuell. Seine Kunden – vorwiegend Unternehmen wie die Rewe-Tochter Glockenbrot Bäckerei oder auch Vereine wie der Handball-Bundesligist TV Großwallstadt – haben die Wahl unter mehr als 40 Kaffee- und Espressosorten. Bei der Verpackung passt sich Braun dem Corporate Design des Auftraggebers an. Der Preis: Wer zwischen 80 bis 100 Kilo bestellt, zahlt circa 11 Euro pro Kilo. Ab Sommer will Braun voll durchstarten: „Dann habe ich meinen Bachelor in der Tasche und kann mich rund um die Uhr um meine Firma kümmern.“

Vorlaufzeit: 6 Monate

Startkapital: 12.000 Euro

www.labelmycoffee.de

Es gibt Reis, Baby

Klebrige Reisklumpen sind Sohrab Mohammad und Torben Buttjer ein Graus und erinnern sie an das Mensaessen an der Uni. Auf den Duft kommt es den beiden an, auf das Aroma und die Optik. „Wir verkaufen nur sortenreinen Reis, der in seinem Ursprungsland angebaut wurde“, so Mohammad. Risotto aus Italien, Basmati aus dem Himalaja oder Paellareis aus Spanien. In ihrer 400 Quadratmeter großen Halle lagern mehrere Tonnen davon. Im April 2011 gestartet, verkaufte ihre Firma Reishunger bis zum Jahresende mehr als 50 Tonnen und schreibt bereits schwarze Zahlen. Ihre Preise: zwischen 3 Euro für Jasmin- und 10 Euro für Wildreis aus Kanada je 600-Gramm-Packung. In diesem Jahr wollen die Bremer ihr Angebot auf 20 Sorten ausweiten, Zubehör rund um die Zubereitung von Reisgerichten anbieten und eine neue Produktlinie einführen: „Über den Einzelhandel verkaufen wir künftig Risotto-Fertigmischungen in sechs verschiedenen Varianten und selbstverständlich aus biologischem Anbau“, so Mohammad.

Vorlaufzeit: 6 Monate

Startkapital: 25.000 Euro

www.reishunger.de

Mit Leder und Liebe zum Detail

Fünf Jahre arbeitete Maren Dessel für eine Täschnerin in Köln, dann war ihr klar: „Um mehr von meinen eigenen Ideen realisieren zu können, muss ich mich selbstständig machen.“ Im Sommer 2011 eröffnete sie ihr Geschäft „Ross und Rind“. Hier bietet sie handgefertigte Taschen, Portemonnaies und Gürtel an. Ihre Kunden sind Menschen, die „auf Qualität Wert legen und bereit sind, dafür zu zahlen“. So kostet eine DIN-A4-Aktentasche rund 400 Euro, eine Herrengeldbörse knapp 200 Euro. Mit ihren Verkaufszahlen liegt die 32-Jährige voll im Plan, „eher sogar etwas drüber“. Künftig will sie durch Aktionen wie Kunstausstellungen im Laden noch bekannter werden. „Die beste Werbung sind allerdings meine Kunden, die ihr neues Lederaccessoire stolz im Bekanntenkreis herumzeigen“, sagt sie.

Vorlaufzeit: 6 Monate

Startkapital: unter 15.000 Euro

www.rossundrind.de

Elektronischer Buchtausch

Seit Jahresanfang können Amazon-Kunden ihre E-Books für den Kindle-Reader einmalig zwei Wochen an einen anderen Leser verleihen. Diesen Service nutzt Catherine MacDonald für ihr Unternehmen Booklending.com. Auf ihrer Internetseite können registrierte Nutzer die E-Books posten, die sie verleihen wollen, und gleichzeitig nach bestimmten Titeln suchen, die sie gern lesen würden. Die Nutzung ist kostenlos. Werden die Leser in den zur Verfügung stehenden 14 Tagen mit der Lektüre nicht fertig, offeriert ihnen Booklending.com den Kauf des E-Books über einen Affiliated-Link – für jeden Download erhält MacDonald eine Provision. Die Kanadierin hatte ihre Firma zunächst „Kindle Lending Club“ genannt – wogegen Amazon als Inhaber der Marke „Kindle“ protestierte. Die Umbenennung in Booklending.com tat dem Erfolg keinen Abbruch: In wenigen Wochen zählte das US-Startup mehr als 12.000 registrierte Nutzer.

Vorlaufzeit: 2 Monate

Startkapital: keine Angabe

www.booklending.com

Pimp my Regal

Kaum ein junger Haushalt, in dem nicht Produkte des schwedischen Möbelhauses Ikea stehen. Oliver Möhring sorgt mit seinem Unternehmen Swedful seit Februar 2011 dafür, dass nicht jeder sofort sieht, wo der Hausherr eingekauft hat. Der Braunschweiger entwickelt und verkauft Ergänzungen etwa für das Regalsystem „Expedit“: Zwischenböden für die Postablage, Vitrinenelemente, Türen mit Tafelfolien, Rückwände mit indirekter LED-Beleuchtung inklusive Fernbedienung oder das iPult, eine Ablage für iPad und Buch. Derzeit lässt Möhring seine Produkte von mittelständischen Betrieben fertigen. „Um die Preise weiter stabil halten zu können, bin ich nun auf der Suche nach Kooperationspartnern aus der Möbelindustrie, die günstiger produzieren“, sagt er. Zudem will er sein Sortiment erweitern. Ende 2012 soll die Gewinnzone erreicht sein.

Vorlaufzeit: 5 Monate

Startkapital: 15.000 Euro

www.swedful.de

Bei Anruf Ersatzschlüssel

Ein Windstoß, und die Haustür schlägt zu. Der Schlüssel liegt drinnen, der Nachbar, der den Ersatz hütet, ist im Urlaub. Der Anruf beim Schlüsseldienst kann teuer werden, das weiß Kai Teute aus Erfahrung. Die brachte ihm immerhin eine Geschäftsidee ein: den Schlüsselpaten. Gegen eine monatliche Gebühr von 2,99 Euro können Kunden beim Kooperationspartner Securitas einen Ersatzschlüssel hinterlegen. Den bringen die Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts im Ernstfall in 30 bis 60 Minuten, egal zu welcher Tageszeit. „Derzeit bieten wir unseren Service schon in 600 deutschen Städten an“, erzählt der Hamburger Unternehmer, der mit Banken oder Versicherungen zusammenarbeitet. So ist der Dienst eine ideale Ergänzung zu Bausparverträgen oder Hausratpolicen. In den kommenden Monaten will Teute weitere Vertriebspartner gewinnen.

Vorlaufzeit: 1,5 Jahre

Startkapital: 100.000 Euro

www.schluesselpate.de

Hinweis

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 05/2012.

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1 Kommentar
  • David 22. August 2016 16:10

    Schade, dass sich davon in den letzten 4 Jahren so wenig durchsetzt haben. Waren ein paar interessante Ansätze dabei

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