Drittes deutsches Wirtschaftswunder So wollen Familienunternehmen 1 Million Jobs für Flüchtlinge schaffen

Flüchtlinge aus Afghanistan, Eritrea und Syrien vorm Arbeitsamt: "Ein drittes deutsches Wirtschaftswunder ist nötig - und möglich", schreibt der Verband "Die Familienunternehmer".

Flüchtlinge aus Afghanistan, Eritrea und Syrien vorm Arbeitsamt: "Ein drittes deutsches Wirtschaftswunder ist nötig - und möglich", schreibt der Verband "Die Familienunternehmer".© picture alliance / dpa

In kurzer Zeit eine Million Jobs für Flüchtlinge schaffen? Das ist machbar, glaubt der Verband "Die Familienunternehmer" - wenn die Politik die Rahmenbedingungen schafft. Was die Unternehmer fordern.

Mit einem neuen „Wirtschaftswunder“ können nach Ansicht der Familienunternehmen in Deutschland eine Million Arbeitsplätze für Flüchtlinge geschaffen werden. Der Verband „Die Familienunternehmer“ fordert ein Reformpaket, das weit über die „Agenda 2010“ von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD) hinausgehen müsse. „Ein drittes deutsches Wirtschaftswunder (nach dem nach 1949 und dem nach 2009) ist nötig – und möglich“, heißt es in einem Papier des Verbandes.

Die Vorschläge und Forderungen der Familienunternehmer im Detail:

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Deutsch lernen als dritte Säule der Ausbildung
Die Familienunternehmer schlagen vor, die duale Ausbildung um eine dritte Säule zu erweitern. Teil dieser trialen Ausbildung wäre neben der Praxis im Betrieb und der Berufsschule der Erwerb der deutschen Sprache. Dies könne dazu führen, dass sich die Ausbildungszeit auf vier Jahre verlängere. Bei der „trialen Ausbildung“ sollte der Kündigungsschutz gelockert oder ganz ausgesetzt werden.

Zuschüsse für Ausbildung von Azubis ohne Sprachkenntnisse
Firmen, die  Auszubildende ohne ausreichende Sprachkenntnisse beschäftigen, sollten Zuschüsse von 1000 Euro pro Monat und Migrant für zwei Jahre erhalten – nicht als Subvention, sondern als Dienstleistungsvertrag mit dem Staat.

Sozialversicherungsbeiträge halbieren
Für alle zusätzlichen Stellen, die in Deutschland zunächst bis 2020 geschaffen werden – ob für Migranten oder einheimische Arbeitslose -, sollten die Sozialversicherungsbeiträge halbiert werden.

Mindestlohn aussetzen
 Der Mindestlohn von 8,50 Euro die Stunde sei für die große Zahl der wenig- bis unqualifizierten Flüchtlinge eine echte Barriere für den Einstieg in den Arbeitsmarkt. „Um möglichst vielen längere Zeiten des Nichts-Tun-Dürfens zu ersparen, ist eine komplette Abschaffung des Mindestlohns erforderlich“, heißt es. Das könne zeitlich befristet und auf zusätzliche Stellen begrenzt werden.

Kündigungsschutz in Abfindungsmodell umwandeln
Damit Unternehmen trotz der schlechten Qualifikationen vieler Flüchtlinge risikobereiter bei Einstellungen werden, sollte der Kündigungsschutz schrittweise in ein Abfindungsmodell umgewandelt werden.

Schneller in Zeitarbeit
Asylberechtigte sollten sofort in Zeitarbeitsfirmen arbeiten dürfen, fordert der Verband.

Aufenthaltsstatus verlängern nach Punktesystem
Anerkannte Asylbewerber sollen sich aus Sicht des Verbandes einen dauerhaften Aufenthaltsstatus „erarbeiten“ beziehungsweise ihn aktiv verlängern können: Bei Abschluss einer Ausbildung – die erst bei geklärtem Status aufgenommen werden dürfe – und bei Nachweis eines neuen Sprachniveaus würden Punkte vergeben, die zu einer Verlängerung des Aufenthaltsrechts führen: „Man könnte auch die Berechtigung zum Familiennachzug an solche Punkte-Erarbeitungen knüpfen: Wer eine bestimmte Kopfzahl potenziell ernähren kann, darf nach diesem Prinzip beginnen, seine Familie nachzuholen.“

Steuerbefreiung für Familien – unter bestimmten Bedingungen
Um die Ausbildungsanstrengungen bei Migranten und Einheimischen zu erhöhen, sei eine komplette Steuerbefreiung für Familien denkbar. Die sollte aber nicht an die bloße Zahl der Kinder anknüpfen, sondern zum Beispiel an Kinder mit Schulabschluss: „Dadurch wird verhindert, dass sich mehrere Generationen mit dem Bezug von Sozialhilfen abfinden“, argumentiert der Verband.

2 Kommentare
  • Kim Sophie Ohlsen 27. Dezember 2015 18:09

    Was sind das nur für Träumer 🙁 Glauben die das wirklich? Ich kann mir das fast nicht vorstellen. Vielleicht irre ich mich, die Zeit wird es zeigen. Bis jetzt haben meine Prognosen aber eigentlich immer gestimmt.
    Über 80 % aller Flüchtlinge in unserem Land werden auf Dauer von unserem Sozialsystem leben. Folgen werden Kürzungen sein, um es noch bezahlbar zu machen. Da bin ich noch sehr vorsichtig mit meiner Schätzung. Armutswelle vorprogrammiert. Dazu werden die Löhne gesenkt, was sie ja schon angekündigt haben. So wird der Billiglohnsektor angeheizt und auch dadurch wird eine Armutswelle entstehen, ganz zu schweigen von der kommenden Altersarmut.
    Auf gut Deutsch: Ob mit Absicht oder durch Dummheit, unser Land wird zerstört. Ein Bürgerkrieg wird uns wohl bevorstehen 🙁

  • W. Petzoldt 15. Dezember 2015 11:17

    Ja, so könnte es funktionieren und auch der soziale Frieden gesichert werden. Nur wird die heilige Kuh Mindestlohn 8.50 € nicht geschlachtet werden, die Sozialversicherungsbeiträge nicht halbiert und genauso wenig wird es Steuererleichterung für Familien geben. Dann müsste man sich eingestehen, dass ein Großteil der Flüchtlinge, jedenfalls vorerst, genau in den Bereich der prekären Beschäftigungsverhältnisse hineinstößt, in dem jetzt schon, gerade in Ostdeutschland, viele Menschen beschäftigt sind bzw. waren. Es wäre eine Chance für Einheimische und für Flüchtlinge einschließlich Integration, Förderung und Forderung.

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