Thomas Hoyer zum Brexit „Wir Unternehmen schaffen Europa – nicht die Bürokraten in Brüssel“

Kein Weg zurück? Großbritannien hat sich für den Brexit, den Austritt aus der EU, entschieden. Thomas  Hoyer glaubt: "Es wird weiter verhandelt und vieles wird bleiben, wie es ist."

Kein Weg zurück? Großbritannien hat sich für den Brexit, den Austritt aus der EU, entschieden. Thomas Hoyer glaubt: "Es wird weiter verhandelt und vieles wird bleiben, wie es ist."© picture alliance / AP Photo

Großbritannien verlässt die EU - eine Katastrophe für die deutsche Wirtschaft? Ganz und gar nicht, sagt der Unternehmer Thomas Hoyer: "Der Brexit ist für mich der Schlüssel zu einem freieren und wohlhabenderen Europa".

impulse: Herr Hoyer, können Sie die Briten verstehen?

Thomas Hoyer: Voll und ganz. Die EU ist ein staatsinterventionistisches, zentralistisches Gebilde, in dem Märkte reguliert und Steuer und Rechtsbereiche standardisiert werden. Ich glaube an den Nationalstaat und den produktiven Wettbewerb der Nationalstaaten und der Regionen. Ein Brexit ist für mich erst einmal eine rote Karte für diese schrecklichen Figuren in Brüssel, für Jean-Claude Juncker und Martin Schulz.

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Die rote Karte hat sich die britische Bevölkerung doch selbst gezeigt. Die sind jetzt draußen.

Ach Quatsch, das geht alles wunderbar weiter. Jetzt zieht vielleicht eine Bank von London nach Frankfurt um. Aber ich frage mich auch: Warum eigentlich? Mir hat bislang noch niemand erklärt, was sich eigentlich ändern wird.

Freihandel, Freizügigkeit – das steht jetzt alles zur Disposition. Das trifft vor allem Großbritannien selbst.

Natürlich braucht England gute Produkte. Die haben sich zu sehr auf den Dienstleistungssektor konzentriert, sich Rolls-Royce, Bentley, alles nehmen lassen. Das Land ist fast deindustrialisiert. Aber: Es muss weiter einen Freihandelsraum mit Großbritannien geben. Und das wird auch so kommen. Man wird doch nicht England mit Zöllen belegen.

Wolfgang Schäuble sagt: Raus ist raus.

Schäuble, der sagt heute dies und morgen das. Das ist Drohkulisse. Die Europäer wären doch vom Teufel geritten, wenn sie jetzt die Schranken runterlassen würden. Es wird weiter verhandelt und vieles wird bleiben, wie es ist.

Dann ist aber auch nichts gewonnen.

Doch, das ist ein Warnschuss. Der Brexit ist für mich der Schlüssel zu einem freieren und wohlhabenderen Europa.

Ein Brexit für mehr Wachstum – glauben Sie daran wirklich?

Man darf nicht vergessen, dass Europa seinen Aufstieg nicht einer zentralistischen Zentralgewalt zu verdanken hat, sondern seinen unterschiedlichen Kulturen. Der Brexit ist doch nur ein Teil, das ist der erste Schritt. Und ich hoffe, dass dieses Monstrum in Brüssel dann endgültig kollabiert.

Sie wünschen sich, dass Europa scheitert?

Das Monstrum in Brüssel wird scheitern. Natürlich. Europa über die Köpfe und Kulturen der Menschen hinweg wird nicht funktionieren. Husum und Palermo sind so weit auseinander. Das kann gar nicht funktionieren, weil es zutiefst gegen die Kulturen der Nationen verstößt. Wissen Sie, wer Europa schafft? Ryanair. Air Berlin. Wir Unternehmen schaffen Europa, die handeln und reisen. Nicht die Bürokraten in Brüssel.

Woher kommt genau Ihre Wut? Leidet Ihr Unternehmen unter der Bürokratie, über die Sie sich so aufregen?

Nur indirekt. Es betrifft eher die Unternehmen, mit denen wir zusammenarbeiten.

Wie erklären Sie sich, dass sich fast alle anderen deutschen Unternehmer gegen einen Brexit ausgesprochen haben?

Opportunismus und Populismus, Nichtkenntnis der Zusammenhänge. Die sind der politischen Propaganda zu Opfer gefallen. Das ist wie beim Euro. Wenn Sie heute gegen den Euro sind, sind sie ein „Friedensstörer“.

Was erhoffen Sie sich nun?

Ich hoffe, dass man anfängt zu verstehen: Wir brauchen weniger Europa, um Europa zu schaffen. Die europäische Bürokratie ist viel zu groß geworden. Das sind 50.000 Beamte.

Was für ein Europa wünschen Sie sich denn?

Ein Europa der Nationen. Die große Vision von Charles de Gaulle. Ein Europa der Vaterländer – mit Freihandelszonen, selbstverständlich. Wir, unser Unternehmen, haben doch auch Geschäfte im EWS (Europäisches Währungssystem, die Redaktion) gemacht, vor dem Euro. Das ganze EU-Modell ist für mich ein sozialistisches Schuldenumverteilungsprogramm. Daher bin ich für die kleineren Einheiten. Ich gehe sogar über den Nationalstaat noch hinaus: Ich wünsche mir ein Europa der Regionen.

4 Kommentare
  • T. Beiten 26. Juni 2016 00:01

    tomybeit@yahoo.de
    Herr Hoyer spricht mir aus dem Herzen! Endlich hat jemand mal den Mut die Sache beim Namen zu nennen. Die Umverteilung von Schulden, die Regulierungswut der EU und die Gleichmacherei kann so nicht weitergehen. Großbritannien hat viele Missstände angesprochen, leider wurden sie nicht erhört. Derjenige der Europa in diese Lage gebracht hat und mal wieder keine Verantwortung übernimmt ist Herr Juncker. Natürlich bin ich nicht froh über den Brexit, aber es ist an der Zeit, dass die EU Länder wachgerüttelt werden. Ich befürchte nur, dass es jetzt erstrecht ein „weiter so“ gibt. Ein Merkelsches „wir schaffen das schon “ wäre das völlig falsche Signal! Richtig wäre sich zusammen zu setzen und zu analysieren warum es dazu kommen konnte, um daraus Lehren zu ziehen. Allein mir fehlt der Glaube.

  • Hannes T. 25. Juni 2016 18:03

    Grosser Applaus für Herrn Hoyer. Genialer Mann. Große Klasse. Genau das ist es was den „mündigen“ Bürger stört. Es reicht, mehr Zentralismus verträgt nur der dumme und niveaulose Mensch. So ist das!!!
    Herzliche Grüße
    Hannes T.

  • Alexander Kleerebezem 25. Juni 2016 11:13

    Vielen Dank für diese auf den Punkt gebrachte Zusammenfassung, dem ist wenig hinzu zu fügen.

  • Ute Grundig 24. Juni 2016 14:57

    Sehr geehrte Frau Basel,

    leider besitze ich nicht die Wirtschaftskompetenz um beurteilen zu können, was der BREXIT letztendlich für unser Land und die europäischen Mitgliedstaaten bedeutet. Aber wer kann das schon? Meine Enttäuschung war zunächst sehr groß, als ich heute Morgen vom Ergebnis des Referendums ( das aus reinem politischen Machtkalkül überhaupt erst in´s Leben gerufen wurde) erfuhr. Nach dem Lesen des sehr interessanten Interviews mit Herrn Hoyer habe ich wieder mehr Verständnis für die Entscheidung der Briten. Es sind vor allem zwei Punkte, die Herr Hoyer anspricht, die eine Erklärung für die Verdrossenheit geben: „50.000 (überbesoldete = Anm. d. U.) Beamte“ und „sozialistisches Schuldenumverteilungsprogramm“. Das sind wesentliche Eindrücke, die beim Bürger von der Brüsseler Eurokratie ankommen, die er gar nicht mehr für alternativlos hält und ihn daher nicht zu einem freudigen „Ja“ zum Verbleib in diesem „Monstrum“ animieren.

    Mit freundlichen Grüßen,
    eine zunehmend besorgte Europäerin
    U. Grundig

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