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31.01.2012

Führung: Warum sich Familienbande für die Firma auszahlt

Von: Felix Wadewitz
Drei für Kabel: Großvater Paul Muckenhaupt (m.),  sein Enkel Christian (r.) und Christians Onkel Hermann Blanke
Zoom Drei für Kabel: Großvater Paul Muckenhaupt (m.), sein Enkel Christian (r.) und Christians Onkel Hermann Blanke
© Thorsten Wingenfelder für Impulse
impulse Wissen
Opa und Enkel, Mutter und Sohn: Sitzen zwei Generationen in der Chefetage, sind ­Familienunternehmen innovativer. Das bestätigt nun erstmals eine empirische Studie.

Ob Mutter und Sohn, Vater und Tochter, Oma und Enkel - an der Spitze deutscher Familienunternehmen stehen häufig mehrere Generationen gleichzeitig. Die unterschiedlichen Perspektiven verändern eine Firma. Die Jungen treiben neue Managementideen voran, digitalisieren, bringen frischen Wind rein. Manchmal sorgt der frische Wind für heftige Turbulenzen in Firma und Familie. Harte Zahlen, wie sich unterschiedliche Generationen auf die Innovationskraft und den Unternehmenserfolg auswirken, gab es bislang kaum.

Diese Lücke schließen Nils Kraiczy, Andreas Hack (WHU - Otto Beisheim School of Management) und Franz Kellermanns (WHU und University of Tennessee). Die drei Wissenschaftler haben 77 Mittelständler - davon 63 Familienunternehmen - nach ihrem sogenannten 3Top-Management-Team (TMT) befragt, das sich meist aus zwei bis drei Führungspersonen zusammensetzt. Sie wollten wissen, wie viele Generationen an der Spitze vertreten sind, wie viele familieninterne und externe Mitglieder dazugehören und wie sich die Produkte der Firmen im Wettbewerb behaupten.

Zwei Dickköpfe

 


Foto: Manuel Krug für Impulse

Wenn sie streiten, dann richtig. Einmal, erinnert sich Brigitte Groß, musste sie sogar auf der Autobahn rechts anhalten. Sie fürchtete, ihr Sohn würde vor Zorn bei Vollgas aussteigen. Es ging um eine kostspielige Software für ihre Firma Alpha-Board, die Leiterplatten für die Auto-, Luft- und Raumfahrtindustrie herstellt. Gregor Groß, 37, war für die Investition, seine Mutter dagegen. Schließlich überzeugte er sie. "Im Nachhinein war das richtig", sagt Brigitte Groß. "Bislang hat sich jeder Streit gelohnt."

Die 62-Jährige hat Alpha-Board in der Nachwendezeit gegründet. Sie startete durch. "Ab einem bestimmten Punkt aber stagnierte der Laden", sagt sie. "Wir waren nicht mehr up to date. Ich fürchtete, sukzessive den Bach runterzugehen." Groß trennte sich von einem angestellten Geschäftsführer, bat ihren Sohn in die Firma. Der Bauingenieur nahm sich noch Zeit für einen Management-Master. Dann kam er - und fragte, fragte, fragte: Wie läuft die Homepage, wer macht die Buchhaltung, wie funktioniert die Technik? Erst nach der Sondierung redete er mit, forderte: "Wir müssen massig investieren." Mutter und Sohn entwickelten dank der neuen Software neue, innovative Leiterplatten. "Heute machen wir mit denen den größten Gewinn", sagt Gregor Groß. Der Junior hat sich auch für den neuen Standort eingesetzt. Sie zogen von einem Randbezirk in die Berliner City, in einen schicken Bürokomplex. "Die Lage macht uns für junge Fachleute attraktiver", sagt Gregor Groß. Die Räume sind lichtdurchflutet, die Decken hoch. Mutter und Sohn arbeiten direkt nebeneinander: Ihre Zimmer sind durch eine Tür miteinander verbunden.

Mit ihrer Studie erweitern die Forscher die an Bedeutung gewinnende Upper-Echelon-Theorie um das Feld der Familienunternehmen. Die Theorie geht davon aus, dass Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens in erster Linie von der Zusammensetzung des Top-Management-Teams abhängt. Dabei spielt nicht nur jede Person eine Rolle, ihr Denken, Fühlen, Handeln und Wissen. "In kleinen und mittleren Familienfirmen wird das Top-Management-Team oft durch Werte, Vorstellungen, Absichten und Ideen der Familie beeinflusst", schreiben die Wissenschaftler. Das Engagement der Inhaber spielt nachweislich eine Rolle. Andere Untersuchungen haben zum Beispiel gezeigt, dass Angestellte in Familienunternehmen besser zusammenarbeiten, wenn diese von Familienmitgliedern gelenkt werden.

Erstes Ergebnis der Studie: Nur jedes zehnte Unternehmen in Familienbesitz kommt ganz ohne Familienmitglied im Führungsteam aus. Bei den übrigen ergibt sich ein buntes Bild: Es gibt Firmen, in denen nur die Familie das Sagen hat, andere, in denen - neben der Familie - unterschiedlich viele Fremde führen.

Den Austausch können externe Berater nicht ersetzen

Bei immerhin einem Drittel der befragten Unternehmen stehen zwei Generationen des Inhaberclans an der Spitze. Diese Konstellation, das zeigt die Auswertung der empirischen Daten, erhöht tatsächlich die Erfolgschancen des Unternehmens. Dies gilt vor allem für innovationsgetriebene Branchen. "Unsere Zahlen zeigen, dass neu entwickelte Produkte besser abschneiden, wenn im TMT mehrere Generationen vertreten sind", erklärt Kraiczy.

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