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28.09.2011

Nachfolge: Eine Frage der Freiheit

Von: Christian Salewski, Protokolle: Nikolaus Förster
Johannes Bahlsen, 23
Zoom Johannes Bahlsen, 23
© Cira Moro für Impulse
Viele Familienunternehmer setzen darauf, dass der eigene Nachwuchs die Firma übernimmt. Doch der denkt gar nicht daran. Dazu ist den Unternehmerkindern die Kontrolle über das eigene Leben viel zu wichtig.

Termine, Meetings, Unterschriften, Entscheidungen im Minutentakt. Durchatmen? Vergiss es! In Ruhe nachdenken? Keine Chance! Termine, Meetings, Unterschriften. Flugzeug, Taxi, Hotel. 16 Stunden täglich. Der Blutdruck steigt, der Kalender regiert. Da! Das Handy klingelt! Schon wieder!

Kommt Ihnen bekannt vor? Dann haben Sie ein Problem, zumindest wenn Sie Familienunternehmer sind und der eigene Nachwuchs den Laden irgendwann übernehmen soll. Denn bevor sich Ihre Kinder diese Mühle antun, machen sie lieber ihr eigenes Ding, einfach so. Sie lassen sich fest anstellen oder gründen selbst, aber auf Ihren Sessel werden sie sich nicht setzen. Warum? Gute Frage. Die überraschende Antwort kommt von einem Forscherteam der Universität St. Gallen.

Für Familienunternehmen war es noch nie einfach, die Nachfolge zu regeln. Doch in den kommenden Jahren droht aus einem altbekannten Problem ein Schreckensszenario zu werden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz steht bei 23 Prozent aller Familienunternehmen, die PricewaterhouseCoopers (PwC) für die Studie "Familienunternehmen 2010/2011" befragt hat, ein Eigentümerwechsel bevor. Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn schätzt, dass zwischen 2010 und 2014 rund 110.000 Familienunternehmen einen Nachfolger finden müssen, rund 70.000 haben dabei teils massive Probleme, rund 30.000 müssen ihren Betrieb ganz einstellen, schätzt PwC.

Es gerät etwas ins Rutschen, aber wie ticken diejenigen, die diese Lawine aufhalten könnten, die potenziellen Nachfolger? Welche Pläne haben die Kinder von Unternehmern? Und vor allem: Nach welchen Kriterien bestimmen sich ihre Karriereabsichten?

Lange gab es dazu mehr Vermutungen als gesicherte Erkenntnisse. Doch jetzt stellt erstmals eine groß angelegte empirische Studie einen Zusammenhang zwischen den Intentionen von Unternehmerkindern und ihrer Karrierewahl her. "Wir versuchen, diese Lücke zu füllen, indem wir die Determinanten der Karriereabsichten von Studenten aus Unternehmerfamilien untersuchen", leiten Thomas Zellweger, Philipp Sieger und Frank Halter von der Universität St. Gallen ihre Studie ein. Auf den folgenden 16 Seiten präsentieren die drei Forscher die Ergebnisse eines Mammutprojekts.

Seit 2003 untersucht ein internationaler Forschungsverbund unter Federführung der Schweizer die unternehmerischen Absichten von Studierenden, alle zwei bis drei Jahre aufs Neue. Bei der letzten abgeschlossenen Onlinebefragung 2008 antworteten 65.000 Studierende aus 19 Ländern. Seit dem Frühjahr 2011 läuft die neue Befragungsrunde. Das Langzeitprojekt trägt den Titel "Global University Entrepreneurial Spirit Students' Survey", kurz Guesss. Die Forscher können auf einen Datenschatz zurückgreifen, der eine aussagekräftige, empirische Untersuchung überhaupt erst möglich macht.

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