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09.01.2012

Warenströme: Wie die Dinge denken lernen

Von: Christian Salewski
Seit August 2011 durchlaufen ganze besondere Europaletten die Lieferkette zwischen Mars und Rewe
Zoom Seit August 2011 durchlaufen ganze besondere Europaletten die Lieferkette zwischen Mars und Rewe
© Niko Wilkesmann für Impulse
impulse Wissen
Die Welt der Warenströme wird immer komplexer. Längst stößt die klassische Logistik an ihre Grenzen. Forscher des Fraunhofer-Instituts entwickeln jetzt mit Unternehmen einen Ausweg: Der Materialfluss der Zukunft muss sich selbst steuern, durch ein Internet der Dinge.

Montagmorgen, 8 Uhr. Jörg Sandlöhken fährt seinen Rechner hoch, um nach Hundefutter zu suchen. Mit ein paar Klicks verschafft er sich Überblick über die Details einer komplexen Lieferkette. Auf seinem Monitor in Köln sieht er: Palette 15, beladen mit Frolic-Hundefutter, wartet just in diesem Augenblick im Distributionszentrum der Handelskette Rewe in Essen darauf, an einen Supermarkt im Ruhrgebiet ausgeliefert zu werden.

Sandlöhken arbeitet im IT-Bereich bei Rewe, als Bereichsleiter für Forschung. In seinem Computer sieht er aber nicht nur, was im eigenen Unternehmen vorgeht. Er registriert auch, dass beim Hersteller des Hundefutters, bei Mars in Verden, weitere 29 Paletten voll beladen bereitstehen, um abgeholt zu werden. Vier leere Paletten warten beim Palettenverleiher Chep in Köln auf ihren nächsten Einsatz. Sie tragen die Nummern 01, 23, 31 und 82.

Die blauen Europaletten, die Sandlöhken so genau beobachtet, sind nicht irgendwelche Ladungsträger. Sie sind intelligent. Sie wissen, was sie geladen haben, wo sie sich befinden und wohin sie sich bewegen müssen. Die Herausforderung: Eine komplette Lieferkette soll sich selbst steuern, ohne dass Menschen eingreifen müssen. Sie überwachen den Materialfluss nur noch, unternehmensübergreifend und in Echtzeit. Selbst für die IT-Profis in den Logistikabteilungen ist das eine absolute Neuheit.

Smart Reusable Transport Items, kurz SmaRTI, heißt das Projekt, für das sich sechs Unternehmen und zwei Forschungseinrichtungen zusammengetan haben. Im August sind die ersten denkenden Paletten gestartet, 20 der 400 aufgerüsteten Ladungsträger haben bereits eine gesamte Runde gedreht: vom Palettenverleih Chep über die Produktion bei Mars, durchs Lager des Logistikdienstleisters VS Heibo und durch die Distribution von Rewe bis in den Supermarkt und zurück zu Chep (siehe Grafik). Außerdem sind noch Lufthansa Cargo, Infineon und DHL dabei. Sie entwickeln gemeinsam mit der TU Dortmund und dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) die Standards für das Supply-Chain-Management von morgen.

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