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13.01.2012

Richtsätze des Finanzamts: Wunsch und Wirklichkeit bei Gewinnvorgaben

Von: Raimund Diefenbach
Was haben Pizzabäcker und Fotografen gemeinsam? Sie machten mehr Umsatz - sagt der Fiskus
Zoom Was haben Pizzabäcker und Fotografen gemeinsam? Sie machten mehr Umsatz - sagt der Fiskus
© Dieter Braun
2010 war ein prima Jahr für Handwerk und Handel - sagt das Finanzamt. Mancher Firmenchef sieht das anders und muss bei miesen Zahlen auch noch mit Betriebsprüfern rechnen.

Was haben Bestatter und Pizza­bäcker gemeinsam? Sie profitierten 2010 vom Aufschwung und verdienten besser als im Vorjahr. Das behauptet jedenfalls das Bundes­finanzministerium. Es hat jetzt neue Gewinnvorgaben für 74 Branchen aus Handel, Handwerk und Gastronomie veröffentlicht. Diese "Richtsatzsammlung" haben die Betriebsprüfer vom Finanzamt unterm Arm, wenn sie bei den Unternehmern auf der Matte stehen. "Für die Prüfer ist das eine klare Richtschnur, wo sie ­genau hinsehen müssen", sagt Marc Löhndorf, Steuerberater bei der Kanzlei VRT in Bonn.

Die neue Richtsatzsammlung malt ein rosiges Bild: In 21 Branchen geht der Fiskus davon aus, dass der Rohgewinn - also die positive Differenz zwischen Wareneinsatz und Umsatzerlösen - gestiegen ist, beim Rest soll er mindestens konstant geblieben sein. Das ­bedeutet: Wer mit seinem Klein- oder Mittel­betrieb 2010 nur einen mageren Gewinn erwirtschaftet hat oder gar mit Verlusten abschließen musste, kann mit einer intensiven und liebevollen Prüfung seiner Jahresabschlüsse rechnen. Denn in den Händen versierter Steuerprüfer sind die jährlich von der Finanzverwaltung herausgegebenen Richtsätze eine scharfe Waffe. Die Zahlen dienen den Beamten, um Gewinne zu verproben und - wenn es hart auf hart kommt - zu schätzen.

Die Logik der Betriebsprüfer: Unternehmer, die keinen Ertrag im vorgegebenen Rahmen schaffen, stehen pauschal unter Verdacht, im Rechnungswesen geschlampt oder Gewinne verschwiegen zu haben. Und dann geht es ans Eingemachte: hochnotpeinliche Prüfungen, Gewinnzurechnungen, Steuernachforderungen. "Nur gut vorbereitete Firmen überstehen eine solche Steuerinquisition ohne größeren Schaden", sagt Steuerberater Löhndorf.

Auf der Sonnenseite der Konjunktur

Vorausschauende Unternehmer warten nicht, bis die Steuerprüfer vor der Tür stehen. Sie nehmen die aktuellen Richtsätze und vergleichen sie mit dem eigenen Jahresabschluss 2010. Im vergangenen Jahr müssten vor allem Betriebe aus dem Handel besser verdient haben, glaubt das Finanzamt. Die Beamten gehen davon aus, dass die Händler im Vergleich zu 2009 ein bis zwei Prozent vom Umsatz mehr als ­Gewinn einstreichen konnten. Zum Beispiel im Lederwareneinzelhandel (Durchschnitts­gewinn 15 Prozent vom Nettoumsatz), im Uhren-/Schmuckfachhandel (18 Prozent) oder im Schuhfachhandel (13 Prozent).

Bei dieser Erkenntnis gehen aber nicht alle mit. "Ich halte die Zahlen für deutlich zu hoch", sagt Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung in Köln. Laut seinem Betriebsvergleich hätten die teilnehmenden Firmen im Durchschnitt allenfalls Gewinne im niedrigen einstelligen Prozentbereich erzielt.

Auf der Sonnenseite der Konjunktur sieht die Finanzverwaltung auch die Autowerkstätten (14 Prozent Durchschnittsgewinn vom Nettoumsatz), Glas- und Gebäudereiniger (14 Prozent) oder Pizzerien (21 Prozent). Amtlich schlechter geht es praktisch keinem Mittelständler: Andere Branchen sollen laut Tabelle ihr Gewinnniveau gehalten haben.

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