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03.08.2011

Teure Produktpannen: Wie Unternehmen Rückrufaktionen standhalten

Von: Sarah Sommer und Olaf Wittrock, Illustrationen: Sabrina Tibourtine
Rückruf-Stop
Zoom Rückruf-Stop
© Sabrina Tibourtine
Fehlerhafte Produkte sind schlecht fürs Image und verursachen immense Kosten. Doch nur wenige Unternehmen sind gegen solche Schäden versichert.

Nein, über den Rückruf der verschimmelten Nudelpackungen im April möchten sie lieber nicht sprechen. Nein, auch nicht über die Glasstücke in der Rindfleischbolognese im Februar. "Sie werden verstehen, dass dies ein unangenehmes Thema für unser Unternehmen ist", heißt es aus der Pressestelle des Biolebensmittelproduzenten Alnatura im hessischen Bickenbach.

Ähnlich ablehnend reagiert Franz Kaldewei, Geschäftsführer des gleichnamigen Bade­wannenherstellers aus Ahlen. Er spricht nicht gern darüber, dass bei einigen teuren Designbadewannen die Griffe brechen könnten. Auch bei der Drogeriekette Rossmann will man die Rückrufe eines Wasserkochers und einer Weihnachtspyramide, die Wohnungsbrände hätten auslösen können, "in der Öffentlichkeit nicht unnötig breittreten, da das Thema Rückrufe tendenziell negativ behaftet ist".

Es ist nicht allein der Imageschaden, der den Unternehmen zu schaffen macht. Es sind vor allem die immensen Kosten, die mit einem ­fehlerhaften Produkt verbunden sind. Schon ein kleinerer Rückruf verschlingt nach Einschätzung von Experten häufig Hundert-­tausende Euro, ein Großschaden kann in die Millionen gehen. Und außerhalb der Auto­branche sind hierzulande nur wenige Unternehmer dagegen ausreichend versichert.

Treffen kann es nahezu jeden, Rückrufe sind nicht etwa seltene Einzelfälle, sondern nehmen zu: Die Zahl der jährlichen Einträge in der ­Rapex-Datenbank, in der die EU offiziell Rückrufe von Elektronikartikeln, Textilien, Kinderspielzeug und anderen Konsumartikeln erfasst, hat sich seit 2004 mehr als vervierfacht. Fast 2000 Meldungen gingen im vergangenen Jahr über diesen Rückrufticker. Dazu kamen EU-weit mehr als 3000 Rückrufe von Lebens­mitteln, die ebenfalls meldepflichtig sind. Und ungezählte Fehler bei Industriegütern, die ­bisher kein System erfasst.

Haftpflicht reicht nicht

Der finanzielle Schaden ist nicht selten enorm. Transport und Vernichtung der Ware schlagen empfindlich zu Buche, die Benachrichtigung von Kunden und Geschäftspartnern, Produkttests und Kontrollen ebenso. Hinzu kommen der entgangene Gewinn, der Umsatzeinbruch infolge der schlechten Publicity und die Ausgaben für Werbekampagnen, die den angeschlagenen Ruf wiederherstellen sollen. Was viele Unternehmer nicht wissen: Wer keine Rück-rufkosten­versicherung hat, bleibt auf den meisten Kosten sitzen. "Die Betriebs- und Produkthaftpflichtversicherung kommt nur für Personen-, Sach- und Vermögensschäden Dritter auf", sagt Reinhard Riehl, Leiter der Haftpflichtsparte des Versicherungsmaklers Südvers in Freiburg.

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