Auto ADAC-Zahlen für Autopreis „Gelber Engel“ seit Jahren frisiert

ADAC-Präsident Peter Meyer bei der Preisvergabe des "Gelben Engels" am vergangenen Donnerstag. Dort hatte der Autoclub noch von "Unterstellungen und Unwahrheiten" gesprochen.

ADAC-Präsident Peter Meyer bei der Preisvergabe des "Gelben Engels" am vergangenen Donnerstag. Dort hatte der Autoclub noch von "Unterstellungen und Unwahrheiten" gesprochen.© ADAC

Nicht nur in diesem Jahr - auch bei früheren Verleihungen hat Ex-ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter die Zahlen für den "Gelben Engel" nach eigener Aussage geschönt. Das Image des Automobilclubs ist ramponiert. Laut Experte Ferdinand Dudenhöffer wirft der Skandal auch ein Schlaglicht auf andere Tests und Statistiken des ADAC.

Der Skandal um gefälschte Zahlen beim ADAC-Autopreis „Gelber Engel“ hat größere Dimensionen als bislang angenommen. Ex-Kommunikationschef Michael Ramstetter schönte nach eigener Aussage nicht nur 2014, sondern auch die Jahre zuvor bei der Umfrage zum Lieblingsauto der Deutschen die Zahlen. Das sagte ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair am Montag in München. Er kündigte eine umfassende Aufklärung an. Der Automobilclub will zudem seine Strukturen reformieren und für mehr Transparenz sorgen. Weitere personelle Konsequenzen soll es zunächst nicht geben.

„Wir werden das lückenlos nach innen und nach außen aufarbeiten“, sagte Obermair. Dafür sollten auch externe Prüfer dazu geholt werden. Obermair bat die ADAC-Mitglieder um Entschuldigung. „Wir sind jetzt in der Bringschuld, die Reputation wieder herzustellen.“ Dazu gehöre auch, dass man eine Studie zur Pkw-Maut erneut bei einem Meinungsforschungsinstitut in Auftrag gegeben habe.

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ADAC-Präsident lehnt Rücktritt ab

Auch Ramstetter selbst zeigte sich einsichtig: „Ich habe Scheiße gebaut und die Zahlen geschönt“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. „Daraus ziehe ich die Konsequenzen und übernehme die Verantwortung.“ Ramstetter hatte nach Angaben Obermairs bereits am Freitag, einen Tag nach der Preisverleihung „Gelber Engel“, ein Geständnis abgelegt, die alleinige Verantwortung übernommen und seine Posten geräumt. Der 60-Jährige war auch Chefredakteur der Zeitschrift „Motorwelt“.

ADAC-Präsident Peter Meyer lehnt trotz der Manipulationen einen Rücktritt ab. Der „Bild“-Zeitung sagte er auf die Frage, ob er schon an Rücktritt gedacht habe: „Nein. Wenn der Wind von vorne kommt, muss man das auch mal aushalten können. In diesem Fall bin ich auch der Garant für die Aufklärung in der Sache.“

Seehofer von Manipulationen nicht überrascht

Dem ADAC droht nun eine massive Vertrauenskrise. Der Automobilclub bemühte sich deshalb um Schadensbegrenzung. Bei der diesjährigen Wahl des Lieblingsautos sei nur die Zahl der abgegebenen Stimmen geschönt worden, aber nicht die Rangfolge der Ergebnisse, hieß es. Der ADAC ist mit rund 19 Millionen Mitgliedern größter Autoclub in Europa und der größte Verein in Deutschland.

Die Bundesregierung rief den ADAC zu einer umfassenden Aufklärung auf. „Es ist jetzt Aufgabe des ADAC, hier alle Karten auf den Tisch zu legen, möglichst transparent die Vorgänge aufzuarbeiten, auch rückblickend für die Jahre zuvor“, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer forderte eine unabhängige Prüfung. „Am besten ist jetzt: alles auf den Tisch, Transparenz, und nach Möglichkeit eine unabhängige, objektive Prüfung“, sagte er vor einer CSU-Vorstandssitzung. Die Manipulationen hätten ihn nicht überrascht, denn er habe sich auch über andere Zahlen in der Vergangenheit gewundert. „Im Zusammenhang mit der Maut habe ich mich immer gefragt, wie man zu solchen Schlussfolgerungen kommen kann“, sagte Seehofer. Die CSU habe immer andere Zahlen etwa zu Einnahmen aus der Maut gehabt.

Auto-Experte: “Auch die Pannen- und Tunnelstatistik müsste man jetzt untersuchen”

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen hält den ADAC mit seiner derzeitigen Struktur für gescheitert. Er sprach von Arroganz und Selbstherrlichkeit. „Man schottet sich ab“, sagte er im Bayerischen Rundfunk. Offensichtlich aufgrund des Systems entwickelten sich Dinge, „die sich in Unternehmen nicht entwickeln dürfen“.

Der Skandal wirft nach Ansicht von Dudenhöffer auch ein Schlaglicht auf andere Tests und Statistiken des ADAC. “Auch die Pannen- und Tunnelstatistik müsste man jetzt untersuchen”, sagte Dudenhöffer am Sonntag. Wenn beim Gelben Engel gelogen worden sei, könne man das für andere Bereiche nicht ausschließen.

Der ADAC-Präsident schloss dagegen aus, dass bei den Ergebnissen anderer Tests, beispielsweise von Autobahnraststätten oder Kindersitzen, geschummelt wurde. „Unsere Technik- und Verbraucherschutztests werden nach festgelegten, stets nachprüfbaren Kriterien durchgeführt. Teilweise sind Zertifizierungsunternehmen an diesen Tests beteiligt; insofern ist eine Manipulation dort ausgeschlossen“, erklärte Meyer.

Politikberater: Verhalten der ADAC-Spitze war katastrophal

Politikberater Michael Spreng nannte das Verhalten der ADAC-Spitze katastrophal. Die Verantwortlichen hätten bereits vor der Preisverleihung des „Gelben Engels“ am Donnerstag die Notbremse ziehen müssen.

Geschäftsführer Obermair hatte vor einigen Tagen die Manipulationsvorwürfe bei der Autowahl noch als Unterstellungen zurückgewiesen. Der Betrug soll unentdeckt geblieben sein, weil – so zitiert die „Süddeutsche Zeitung“ den Geschäftsführer – nur Ramstetter Zugang zu allen Abstimmungsauszählungen gehabt habe.

Nach Informationen der „Bild“ sollen neben Ramstetter aber auch leitende Mitarbeiter der „ADAC Motorwelt“ in den Betrug eingeweiht gewesen sein. „Wir haben hier ganz klar einen Hauptverantwortlichen“, sagte Obermair, alles andere müsse die Prüfung zeigen.

34.299 Stimmen statt 3409

Die “Süddeutsche Zeitung” hatte am vergangenen Dienstag als erstes Blatt über Mauscheleien beim Preis “Gelber Engel” berichtet. Nach ihren Informationen soll es nur 3409 Stimmen für das Siegerauto VW Golf gegeben haben, ein ADAC-Papier vom Dezember 2013 habe dagegen als offizielles Ergebnis 34.299 Stimmen genannt.

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