Diverses 2006 – Jetzt investieren!

Der Aufruf klingt hoch riskant - aber er verspricht Erfolg. Auf den ersten Blick ist es keine Verheißung, wenn eine ungeübte Große Koalition, ein zaghafter Reformvertrag, Steuererhöhungen und das Ende des billigen Geldes zusammentreffen. Und dennoch: So schlecht kann die Politik gar nicht agieren, als dass sie Deutschlands beginnenden Aufschwung verpatzt.

Tiefer Frust über den mangelnden Reformeifer der Großkoalitionäre in Berlin? Trübe Aussichten für das Jahr 2006, das es mit Ach und Krach zu überstehen gilt? Kein Thema für Antje von Dewitz. Die Juniorchefin des Bergsport-Ausrüsters Vaude hat ehrgeizige Ziele: „Im Jahr 2006 werden wir um etwa zehn Prozent wachsen“, sagt die Unternehmerin aus dem oberschwäbischen Tettnang, deren Branche insgesamt drei Prozent Plus anpeilt. 3,5 Millionen Euro will der Outdoor-Textilhersteller in diesem Jahr in Deutschland ­investieren. Das sind ebenfalls zehn Prozent mehr als im Vorjahr. „Wenn die Lohnzusatzkosten sinken, geht das gesparte Geld in neue Stellen“, verspricht von Dewitz.

Ganz anders blickt Klaus-Michael Kühne auf das Ergebnis nach sechs Monaten Regierungspause in Berlin. Der Chef des Logistikkonzerns Kühne + Nagel ist bitter enttäuscht von der „desolaten Regierungsbildung“ und dem mutlosen Koalitionsvertrag. Er hatte auf die Senkung von So­zialkosten gehofft – und auf drastischeren Subventionsabbau.

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Dennoch: Kühne bleibt auf Wachstumskurs. „Wir sind weltweit vertreten, wachsen dynamisch und investieren entsprechend, auch in Deutschland.“

Sicher, viele Unternehmer hätten sich ein beherz­te­res Reformprogramm gewünscht und mehr konjunkturellen Rückenwind statt höherer Umsatzsteuer. Doch statt in das Wehklagen prominenter Verbandsfunktionäre einzustimmen, kümmern sich Firmenchefs wie Kühne und von Dewitz um Kunden und Märkte, wägen Chancen und Risiken ab – und entscheiden am Ende vielfach: Ich investiere. Nach der jüngsten Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) möchte ein Drittel aller befragten Unternehmen seine Investi­tio­nen 2006 ausdehnen. „Das beste Ergebnis seit Jahren“, kommentiert IW-Direktor Michael Hüther.

Doch es bleiben bange Fragen: Wie steht es unter dem Strich tatsächlich um die politischen und wirtschaftlichen Perspektiven für Unternehmer am Standort Deutschland im Jahr eins nach Schröder? Hat die Große Koalition auf 191 Seiten Reformvertrag nur Enttäuschungen und Allgemeinplätze produziert – oder womöglich doch mehr? Drohen wir nicht nach kurzem Strohfeuer in die Agonie zurückzufallen, und zwar spätestens, wenn Anfang 2007 die Preise um drei Prozent steigen? Steht nach der Zinswende der europäischen Zentralbank nicht zu befürchten, dass die Kreditkosten in Trippelschritten Schwindel erregende Höhen erreichen?

Den vollständigen Artikel können Sie in der impulse-Ausgabe 01/2007, Seite 16, nachlesen.

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