Diverses „2010 bleibt für alle ein schwieriges Jahr“

Im Gespräch mit impulse erläutert Markus Beumer, für Mittelstands-Kunden zuständiger Vorstand der Commerzbank, die Ergebnisse der Studie "Unternehmer-Perspektiven".

impulse: Herr Beumer, laut Ihrer neuen „Unternehmer Perspektiven“-Studie glaubt jedes fünfte Unternehmen, deutlich gestärkt aus der Krise zu kommen. Haben wir das Schlimmste schon hinter uns?

Beumer: 2010 bleibt für alle ein schwieriges Jahr. Es ist das dritte Jahr der Krise, nicht das erste Jahr danach – denn die Mehrheit der Unternehmer erwartet erst 2011 einen spürbaren Aufschwung. Es rechnet aber kaum ein Firmenchef damit, dass die Wachstumskurve schon bald wieder steil ansteigen wird.

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Nur rund jeder dritte Unternehmer hat die Wirtschaftskrise zum Anlass genommen, die eigene Strategie zu überdenken und anzupassen. Warum so wenige?

Beumer: Viele Firmenchefs glauben offenbar, dass es sich nur um eine Konjunkturkrise handelt – Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass daraus aber sehr schnell eine Strukturkrise werden kann.

Bei dem Ausmaß der weltweiten Krise eine auffallend lockere Sichtweise der Firmenchefs.

Beumer: Ja, das hat mich auch überrascht. In einigen Branchen und Unternehmen stellen sich krisenunabhängig strategische Herausforderungen, offensichtlich erkennen viele Unternehmer diese in der momentanen wirtschaftlichen Ausnahmesituation aber nicht.

Was machen die Mittelständler, die aus der Krise gelernt haben, mittlerweile anders?

Beumer: Sie legen größeren Wert auf Profitabilität: Wachstum um jeden Preis ist nicht mehr der zentrale Fokus. Das hat auch damit zu tun, dass die Mehrzahl der Unternehmen davon ausgeht, dass die Kunden künftig verstärkt auf den Preis achten.

Es wird zu harten Preiskämpfen in den Branchen kommen?

Beumer: So ist es. Zusätzlich verschärft wird das Ganze durch das ebenfalls gestiegene Qualitätsbewusstsein der Kunden. Sie fordern heute nachhaltige und umweltfreundliche Produkte. Für die Unternehmer heißt das, dass sie mit noch spitzerem Bleistift kalkulieren müssen.

Von den Banken, die teilweise für die Krise mitverantwortlich gemacht werden, fordern die Unternehmer günstige Konditionen, strategische Beratung wollen sie nicht.

Beumer: Ein ernüchterndes Ergebnis für alle Banken, die sich mit dem Mittelstand beschäftigen. Allerdings sehen wir auch, dass diejenigen Unternehmen, die einen Strategiewechsel angehen, eine Bank als Partner suchen, die sie auch beratend begleitet. Dann geht es nicht mehr nur um die Frage, wer die günstigsten Konditionen bei der Finanzierung bietet.

Und der Rest der Mittelständler fürchtet sich derweil vor der drohenden Kreditklemme?

Beumer: Davon kann kaum die Rede sein. Vielmehr ist es so, dass Unternehmen auch ihre liquiden Mittel effektiver nutzen. Mit der Verbesserung ihres Working Capital Management ist es ihnen zusehends gelungen, ihre Krisenresistenz zu steigern.

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