Diverses 40 Prozent sparen

Festnetztelefonate, Grundgebühren, Mobilfunk - bei vielen Firmen explodieren die Kommunikationskosten. Dabei könnten Unternehmen dort sparen wie noch nie. impulse zeigt, wo Sie ansetzen müssen.

Ohne großen Aufwand reduzierte Günther Kehl, Geschäftsführer der Mainzer Orga Soft GmbH, seine Kosten. Der Chef des mittelständischen Software-Hauses mit 90 Mitarbeitern hat dazu weder Personal gekündigt noch die Firmenwagenflotte verkleinert. Sein Trick: Kehl senkte die Telefonkosten. Um stramme 40 Prozent. „Dabei dachte ich immer, dass da keine Luft mehr drinsteckt“, bekennt der Mainzer.

Ein Irrglaube, dem mancher Unternehmer anhängt. Egal ob Soft­ware-Schmiede oder Goldschmied, Freiberufler oder Filialist – kaum ein Unternehmen nutzt Branchenkennern zufolge die umfangreichen Sparchancen beim Telefonieren voll aus.

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Dabei bietet der knallharte Wettbewerb der Telekommunikationsanbieter gerade jetzt eine gute Gelegenheit, die Rechnung ordentlich zu drücken: Telefonfirmen locken mit supergünstigen Vorwahlen, Flatrates und billigen Zweitmarken. „Wer da geschickt agiert, kann im Durchschnitt zwischen 25 und 30 Prozent sparen“, weiß Bernd Grossmann, Telefonkostenexperte und Chef der Wiesbadener Unternehmensberatung Consult 55.

Allerdings ist Initiative gefragt, denn einfache Bestandskunden der Telefonanbieter profitieren nicht von den Kampfpreisen – es sei denn, sie verhandeln regelmäßig nach. „Spätestens alle eineinhalb, zwei Jahre gehören die Konditionen auf den Prüfstand“, rät Grossmann.

Denn in diesem Zeitraum ändert sich meist auch innerhalb der Firma vieles: Wenn beispielsweise der Außendienst aufgestockt wird, das Filialnetz wächst oder neue Geschäftsbeziehungen zu Kunden und Lieferanten im Ausland entstehen, passen Telefontarif und Nutzungsverhalten oft nicht mehr zusammen. „Nur wenige Firmenchefs kontrollieren gewissenhaft, wie oft, wie lange und wohin ihre Mitarbeiter tatsächlich telefonieren“, beobachtet der Unternehmensberater.

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Schon mit vermeintlich kleinen Stellschrauben lassen sich ordent­liche Effekte in der Telefonrechnung erzielen. Beispiel Taktung: Ein Cent pro Minute ins Festnetz klingt unschlagbar. Fallen jedoch wie bei Orga Soft sehr viele sehr kurze Gespräche an, rechnet sich ein höherer Minutenpreis – allerdings bei sekundengenauer Abrechnung.

Oder Telefonate ins Ausland: Wer nur in ein bis zwei Länder Geschäftsbeziehungen unterhält, kann unter Umständen hohe Rabatte speziell für diese Ziele heraushandeln – selbst wenn Telefonate in den Rest der Welt woanders günstiger zu haben sind. „Für Gespräche mit unserem Büro in Polen zahlen wir jetzt statt 19 nur noch vier Cent“, bestätigt Orga-Soft-Chef Kehl, „und zwar bei der gleichen Telefongesellschaft wie zuvor.“

Jeder kann sparen

Abschreckendes Moment ist allerdings regelmäßig die schiere Fülle an Tarifvarianten im deutschen Telefonmarkt. Allein im Festnetz tummeln sich mehr als 200 Anbieter mit annähernd 2000 oft kurzfristig wechselnden Tarifofferten. Um preislich attraktive Alternativen zur Deutschen Telekom zu nutzen, muss häufig weder der Anschluss gekündigt noch mit zwei Dutzend Sparvorwahlen (Call-by-Call) jongliert werden.

Meist reicht es schon, durch eine Voreinstellung am Telefon, die so genannte Pre-Selection, alle Anrufe auf den Netzbetreiber der Wahl umzuleiten. Seit zwei Jahren funktioniert das nicht nur bei Ferngesprächen, sondern auch im Ortsnetz. Mit diesem Kunstgriff können selbst Kleinbetriebe kurzfristig vierstellige Summen einsparen.

„Dank Pre-Selection fällt unsere Telefonrechnung gut ein Drittel niedriger aus“, bestätigt Inge Bröhl-Groth. Gemeinsam mit ihrem Vater Dr. Jürgen Bröhl leitet die Kölnerin einen technischen Großhandel. Für die Festnetzgespräche der zehn Mitarbeiter zahlen die Unternehmer jetzt pro Jahr rund 1.400 Euro weniger.

Noch mehr Luft steckt im Mobilfunk. Nach Angaben der Europäischen Kommission lag die durchschnittliche Handy-Rechnung eines deutschen Vieltelefonierers mit 94 Euro im Monat bisher weit über dem EU-Durchschnitt von knapp 63 Euro, obwohl Mobilfunkkunden schon lange die Qual der Wahl zwischen unzähligen Vertragsvarianten haben.

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Doch erst die neuen Discount-Angebote von Netzbetreibern wie
E-Plus (Simyo) oder Serviceprovidern ohne eigenes Netz wie Debitel, The Phone House oder Drillisch (Simply) lassen seit einigen Monaten die Gesprächsgebühren drastisch purzeln. Minutenpreise von 18 Cent rund um die Uhr sind mittlerweile schon ohne Grundgebühr und monatlichen Mindestumsatz machbar.

Selbst wenn die neuen Discount-Tarife nicht für jeden Business-Anwender in Frage kommen, sollten Geschäftskunden die aktuelle Preisschlacht zum Anlass für Vergleiche und Nachverhandlungen nutzen. Großhändler Bröhl spart beispielsweise ein Anbieterwechsel künftig weitere knapp 1-000 Euro pro Jahr – und halbiert so die bisherige Mobilfunkrechnung.

„Die Handy-Nutzung ist bei uns von Monat zu Monat sehr unterschiedlich“, sagt Firmenchefin Bröhl-Groth, „deshalb haben wir uns jetzt für einen Vertrag mit automatischer Tarifoptimierung entschieden.“ Das heißt: Der Anbieter rechnet nachträglich jeweils in der für den Kunden günstigsten Variante ab. Wenn etwa in Messezeiten das Handy im Dauereinsatz ist, kommt ein Tarif mit niedrigen Minuten­preisen und hohen Grundgebühren zum Tragen. Wird wenig telefoniert, dann wird die Variante mit niedrigen Grund- und höheren Gesprächsgebühren gewählt.

Mobilfunk bündeln

In größeren Firmen mit vielen Kartenverträgen ist ein Wechsel des Mobilfunk-Providers organisatorisch oft aufwendig. Doch die Mühe lohnt: Schon die bloße Konsolidierung spart viele Kosten. Meist historisch gewachsen telefonieren die Mitarbeiter oft in verschiedenen Netzen, weil Außendienst oder bestimmte Standorte sonst früher keinen Empfang gehabt hätten, weil Kartenverträge nicht zentral beschafft werden oder als Folge von Akquisitionen.

Das geht ins Geld: Wer den gesamten Mobilfunk bei einem Anbieter bündelt, erhält nämlich nicht nur Mengenrabatt, sondern spart auch bei netzinternen Gesprächen, wenn die Kollegen via Handy miteinander telefonieren. Manchmal winken dafür nochmals Sonderkonditionen.

Häufig zeigen sich Telefon­anbieter verhandlungsbereit, wenn alle internen Gespräche aus dem Festnetz ins gleiche Mobilfunknetz führen. Bei Wechsel des Providers stellt die Mitnahme der gewohnten Handy-Nummer kein Hindernis mehr dar. Die Gebühren dafür, bei Einzelverträgen zwischen 25 und 30 Euro, sind reine Verhandlungssache.

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Um in den Genuss attraktiver Großkundenrabatte zu kommen, schließen sich viele Mittelständler auch so genannten Rahmenverträgen an. Dabei handelt eine Dachorganisation, zum Beispiel die IHK, zentral ermäßigte Tarife für ihre Mitglieder aus.

„Für unsere 100 Kartenverträge zahlen wir ähnliche Konditionen wie ein Unternehmen mit 1000“, sagt Martin Brennecke, EDV-Leiter beim Elektronikhänder TTI in München. Die deutsche Tochter eines US-Unternehmens mit ihren rund 130 Mitarbeitern nutzt den Rahmenvertrag, den der Deutsche Verband für Post und Telekommunikation (DVPT) für seine Mitglieder ausgehandelt hat.

„Wir sind eine Art Verbraucherschutz-Organisation für Unternehmen“, sagt Hans-Joachim Wolff, Leiter der Unternehmensberatung beim DVPT. Der Verband vertritt neutral und unabhängig die Interessen von mehr als 1.000 Geschäftskunden und berät sie in allen Fragen rund um Post- und Telefonverkehr. „Die Konditionen unseres Rahmenvertrags werden regelmäßig überprüft und aktualisiert“, verspricht Wolff. Fallen also die Preise, sind DVPT-Mitglieder automatisch up to date.

Das ist allerdings nicht bei allen derartigen Gruppenverträgen selbstverständlich. In einigen Fällen bieten Rahmenverträge, wie sie beispielsweise Berufsverbände, Kammern oder Einkaufsgemeinschaften gelegentlich offerieren, veraltete Kondi­tionen
und einseitige Ausrichtung auf die Tarife der Telekom. „Vorher exakt nachrechnen“, empfiehlt daher Tarifexperte Holger Lüttgen, Chef des Beratungsunternehmens Orca Consulting mit Sitz in Burscheid bei Köln: „Ab einer monatlichen Telefonrechnung von 1.000 Euro ist es meist günstiger, individuell zu verhandeln.“

Beratung lohnt

Wer nicht die eigenen Mitarbeiter in den zähen Kampf mit Telefondaten und Preisverzeichnissen schicken will, sollte die Hilfe qualifizierter Berater in Anspruch nehmen. Beratungsgesellschaften wie Consult 55 oder Orca analysieren per Computerprogramm das Sparpotenzial anhand von Original-Rechnungsdaten des Kunden und gleichen sie mit aktuellen Tarifdatenbanken ab. In gezielten Nachverhandlungen kommt das Branchen-Know-how der Tarifexperten zum Einsatz.

Preis für den Service: erfolgsabhängig zwischen 40 und 50 Prozent der erwirtschafteten Kosten­ersparnis im ersten Jahr. Die Berater des Branchenverbands DVPT berechnen Tagessätze (ab rund 1.100 Euro), Mitglieder können ihre Telefonrechnung kostenlos durchchecken lassen. Der Jahresbeitrag für den DVPT beträgt 639 Euro.
Nicht nur bei Tarifen, sondern auch bei größeren Investitionen in Telefontechnik helfen die Berater weiter.

So sparte die ostwestfälische Textilkaufhauskette Klingenthal beim Leasing ihrer neuen Telefonanlage für die fünf Standorte rund 160.000 Euro. Und reduzierte gleichzeitig die Telefonrechnung um 25 Prozent.

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