Diverses 50-mal Steuerreform

Auf Steuersenkungen aus Berlin warten? Wohl eher hoffnungslos. Da bleibt Unternehmern nur der Weg, die bestehenden Regeln voll auszunutzen. Eine Gebrauchsanweisung.

Für Herbert Schlieper war dieses Jahr genau der richtige Zeitpunkt, um Geld in seine Firma zu stecken. Der Chef einer Digitaldruckerei in Essen hat seinen Maschinenpark für eine sechsstellige Summe auf den neuesten Stand gebracht. Gerade noch rechtzeitig, bevor es von 2011 an die degressive Abschreibung auf Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge nicht mehr gibt. Die beschert Investoren anfangs hohe und später fallende Steuerersparnisse. Demnächst gibt es nur noch die lineare Abschreibung, also eine in gleichen Jahresraten. „Mit den neuen Druckmaschinen können wir unseren Kunden europaweit Lösungen bieten, die ihren Anforderungen standhalten“, sagt Schlieper. „Und durch die höhere Steuerersparnis rechnen sich die Investitionen auch besser.“

Sein Unternehmen Schliepercolor ist ein Spezialist: Wenn der Borussia-Dortmund-Sponsor Evonik Industries im Stadion des Fußballbundesligisten riesige Banner entrollen lässt oder die US-amerikanische Performance-Gruppe Blue Man Group Flagge zeigt, hat Schlieper die Vorarbeit dafür geleistet. Und mit dem neuen Equipment ist der Betrieb wieder auf der Höhe des technisch Machbaren.

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Auch andere Firmenchefs wollen jetzt handeln, denn zum Jahreswechsel fällt nicht nur die degressive Abschreibung weg, auch andere Sparmöglichkeiten hat die Bundesregierung gestrichen. Wer von den alten Regelungen noch profitieren will, sollte sich beeilen. Nach Silvester ist Schluss. „Ab dem nächsten Jahr wird es teurer“, sagt Doris Zur Mühlen, Steuerberaterin in der Kanzlei RST in Essen.

Einige Steuervorteile bestehen zwar grundsätzlich auch für die kommenden Jahre fort. Das heißt aber nicht, dass Unternehmer und Freiberufler sich deswegen entspannt zurücklehnen können. Wer die Möglichkeiten des aktuellen Jahres nicht nutzt, zahlt mehr Steuern als unbedingt nötig.

Galt früher im betrieblichen Bereich eine gewisse Zurückhaltung beim Steuersparen als durchaus angemessen, ist das jetzt vorbei. Denn für den nächsten Jahresabschluss müssen zwei Bilanzen erstellt werden: eine für die Steuer und eine Handelsbilanz. Dort können Firmeninhaber den tatsächlichen Gewinn und damit ein höheres Eigenkapital vorzeigen. „Günstig, um etwa die Bank oder Anteilseigner zufriedenzustellen“, sagt Georg Schmalhofer, Steuerberater bei der Kanzlei Ecovis BLB im bayerischen Waldkirchen.

Grundsätzlich gilt auch in diesem Jahr: Selbstständige müssen in Sachen Steuern selbst dafür sorgen, dass sie finanziellen Spielraum bekommen, um investieren, Mitarbeiter einstellen und das Firmenwachstum vorantreiben zu können. Denn obwohl die Konjunktur wieder angesprungen ist und die steigenden Steuereinnahmen das rosarote Bild ergänzen, blockt Finanzminister Wolfgang Schäuble alle Forderungen nach Senkungen weiter rigoros ab. Solange sollte jeder die bestehenden Chancen nutzen, um die Zahlungen zu minimieren.

impulse hat die besten 50 Spartipps für Unternehmer, Vermieter, Anleger und die Familie zusammengetragen. Das Sparpotenzial reicht dabei von einigen Hundert Euro bei Kleininvestitionen bis hin zu Millionenbeträgen bei der Übertragung von Vermögen in der Familie. Eine ganz eigene Steuersenkungsrunde. Schäuble zum Trotz.

20 Steuertipps für Unternehmer

1. Einkaufen gehen
Wer das Ergebnis 2010 um ein paar Tausend Euro drücken will, sollte überlegen, den Kauf von „geringwertigen Wirtschaftsgütern“ vorzuziehen. Das sind Bürogeräte, Maschinen oder Werkzeuge, die höchstens 410 Euro netto kosten. Solche Anschaffungen sind auf einen Schlag absetzbar. So steht es in einem frischen Erlass aus dem Schäuble-Ministerium (Az.: IV C 6 – S 2180/09/10001). Geht es um Kleininvestitionen zwischen 150 und 1000 Euro, gibt es ein Wahlrecht: Sie können über fünf Jahre abgeschrieben werden. Das ist beispielsweise günstig für mechanische Zeichengeräte, die sonst über 14 Jahre zu verteilen sind, oder für Kleingeräte wie mobile Hobelmaschinen oder Frankiergeräte mit acht bis 14 Jahren Abschreibungsdauer.

2. Maschinen in Schuss halten
Es kann sich lohnen zu prüfen, ob für Betriebsgebäude oder Maschinen noch Erhaltungsmaßnahmen oder Reparaturen anstehen. Selbst wenn diese Arbeiten bis Ende Dezember nicht mehr abgeschlossen werden können, senkt eine kräftige Zwischenrechnung die Steuerlast. Und sollten vor dem Jahreswechsel keine Handwerker mehr zu bekommen sein: den voraussichtlichen Aufwand großzügig schätzen und in die Bilanz eine gewinnmindernde Rückstellung für unterlassene Reparaturen packen. Die Arbeiten müssen aber bis zum 31. März 2011 erledigt sein.

Ein einfaches Beispiel verdeutlicht, wie viel Geld Unternehmer mithilfe dieses Tipps sparen können. Ein Bauunternehmer lässt seine Lkw und alles schwere Gerät noch vor dem 31. Dezember durchchecken und alle fälligen Reparaturen erledigen. So viel bezahlt das Finanzamt von den Werkstattrechnungen mit:

Gewinn (vorläufig) 200.000 Euro
Steuern (Splittingtarif) 67.656 Euro
Reparaturaufwand 30.000 Euro
Gewinn (endgültig) 170.000 Euro
Steuern (Splittingtarif) 55.056 Euro
Gespart 12.600 Euro

3. Schleunigst investieren
Weil die degressive Abschreibung nach 2010 ausläuft, zahlt es sich vielfach aus, noch in den letzten Wochen des Jahres Maschinen, Kraftfahrzeuge oder Anlagen anzuschaffen. Die jetzt noch mögliche Abschreibung darf das 2,5-Fache des linearen Satzes betragen, maximal jedoch 25 Prozent des jeweiligen Bilanzwerts. Davon profitiert auch Herbert Schlieper. Der Essener Druckereiunternehmer hat in Druckmaschinen investiert – im sechsstelligen Bereich. Die Maschinen kann er zügig abschreiben, also zu einem guten Teil aus ersparten Steuern finanzieren.

4. Arbeit und Urlaub kombinieren
Haben Unternehmer in diesem Jahr aufwendige Geschäftsreisen mit ein paar Tagen Urlaub kombiniert, können sie einen großen Teil der Kosten geltend machen. Absetzbar sind neuerdings die Anreisekosten, etwa für die Bahnfahrkarte oder das Flugticket, und zwar im Verhältnis der geschäftlichen und privaten Reisezeit. Diese Aufteilung haben die Finanzbeamten nach einer Anweisung aus Berlin jetzt zu akzeptieren (Az.: IV C 3 – S 2227/07/10003 :002).

Das Rechenbeispiel: Ein Unternehmer-Ehepaar besucht im Dezember für drei Tage Geschäftsfreunde in Kalifornien. Anschließend geht es für zwei Tage nach New York zum Weihnachtsshopping:

Flugkosten 15.000 Euro
Absetzbar (3/5) 9000 Euro
Steuerersparnis (bei 45 %) 4050 Euro

5. Umsatzsteuer zurückhalten
Firmen mit maximal 500.000 Euro Umsatz (ab 2012 nur noch 250.000 Euro) können die sogenannte Kleinunternehmerregelung nutzen. Das bedeutet, dass sie die ihren Kunden in Rechnung gestellte Umsatzsteuer erst dann ans Finanzamt abführen müssen, wenn sie das Geld tatsächlich auf ihrem Konto haben. So gewinnen sie Liquidität. Dazu reicht ein Antrag an das Finanzamt auf Istbesteuerung. Der lohnt sich auch für Unternehmer, die mehrere kleine selbstständige Zweigbetriebe unterhalten.

6. Firmenfahrten prüfen
Wer private Fahrten mit dem Firmenwagen nach der Ein-Prozent-Regelung versteuert, sollte nachrechnen, ob er nicht zu viel ans Finanzamt zahlt. Besonders bei älteren und abgeschriebenen Fahrzeugen sind die monatlichen Kosten nicht selten niedriger als ein Prozent des Listenpreises. Ist das der Fall, wird auch nur auf den tatsächlichen Betrag Steuer fällig (Kostendeckelung).

Ein Unternehmer fährt seit acht Jahren einen Porsche. Der damalige Listenpreis betrug 70.000 Euro. Das spart er, wenn er die tatsächlichen Kosten privat versteuert:

Privatfahrten
Listenpreis Pkw 70.000 Euro
Privatfahrten (12 %) 8400 Euro
Steuer (bei 45 %) 3780 Euro
Tatsächliche Kosten 4000 Euro
Steuer (bei 45 %) 1800 Euro
Gespart 1980 Euro

7. Preiswerter leasen
Wer jetzt einen neuen Firmenwagen anmietet, kann mit der Leasingfirma eine kräftige Sonderzahlung vereinbaren. Das macht sich bezahlt für Freiberufler und Unternehmer mit Einnahme-Überschuss-Rechnung, ebenso für GmbH-Chefs, die das Auto selbst leasen und an die Firma vermieten. Sie dürfen die Sonderzahlung sofort bei der Steuer absetzen. Freilich nur den Teil, der auf betriebliche Fahrten entfällt. Extratipp: den alten Wagen noch für Privatzwecke nutzen und den neuen für den Rest des Jahres nur für die Firma bewegen (Nachweis per Fahrtenbuch). Dadurch kann der Unternehmer die volle Sonderzahlung abziehen.

8. Geld privat parken
Wenn Inhaber von Einzel- oder Personenfirmen in den nächsten Monaten Guthaben auf dem Geschäftskonto garantiert nicht für den Betrieb brauchen, sollten sie das Geld auf privaten Konten deponieren, etwa als Festgeld. Sie zahlen dann für die Zinserträge pauschal 25 Prozent Abgeltungsteuer. Ansonsten sind für die gleichen Zinsen bis zu 45 Prozent Einkommensteuer fällig.

9. Rechnung splitten
Alle, die in diesem Jahr neu gebaut oder auch umgebaut haben, sollten dem Finanzamt mindestens zwei Rechnungen vorlegen: eine für das Gebäude selbst und eine, die sogenannte Betriebsvorrichtungen betrifft. Dazu gehören etwa Arbeitsbühnen, Ladeneinbauten, Klimaanlagen für die EDV oder Lastenaufzüge. Vorteil dieses Splittings: Die Kosten für Betriebsvorrichtungen sind über zehn bis 15 Jahre abzuschreiben. Gibt es nur eine Gesamtrechnung, sind die Kosten für das komplette Gebäude über 33 Jahre zu verteilen.

10. Jetzt planen, später investieren
Schon in der Planungsphase lässt sich die Anschaffung neuer Maschinen, Anlagen oder Fahrzeuge zum Teil aus ersparten Steuern finanzieren. Thomas Dersch, Glasermeister aus dem bayerischen Waldkirchen, will demnächst expandieren und nutzt dafür bereits in diesem Jahr den sogenannten Investitionsabzugsbetrag. Generell gilt: Inhaber kleiner und mittlerer Firmen können bis zu 40 Prozent der Kosten für in den nächsten drei Jahren anvisierte Investitionen (ohne Immobilien) vorab bei der Steuer geltend machen. Maximal lässt sich so der Gewinn um 200.000 Euro drücken. Tatsächlich investieren müssen sie erst später – wenn der Aufschwung in Fahrt gekommen ist. Davon profitieren Unternehmer, die nicht mehr als 335.000 Euro Eigenkapital in der Bilanz (ab dem nächsten Jahr: 235.000 Euro) stehen haben.

11. Mahnungen rausschicken
Es kann sich auszahlen, sich jetzt von der Buchhaltung die noch offenen Posten vorlegen zu lassen. Und zu prüfen, bei welchen säumigen Kunden Mahnungen rausgeschickt werden sollen. Der Grund: Eine deutliche, steuersparende Abwertung der Forderungen ist nur möglich, wenn die zweite Mahnung bis zum Jahresende ankommt.

12. Vorräte kleinrechnen
Waren, Fertig- oder Ersatzteile im Lager sollten zum Jahresende einer kritischen Bewertung unterzogen werden. Was nicht mehr zu den ursprünglich kalkulierten Preisen abgesetzt werden kann, wird auf den niedrigeren Teilwert abgewertet. Damit das Finanzamt dabei mitspielt, rechtzeitig Argumente sammeln, das können beispielsweise Preisänderungslisten sein oder Prospekte der Lieferanten für Bauteile und Rohstoffe.

13. Gewinne stehen lassen
Unternehmer, die in der Rechtsform einer Personengesellschaft organisiert sind, müssen nicht ihren gesamten Gewinn voll versteuern. Es lohnt sich oft, einen Teil der Erträge in der Bilanz stehen zu lassen. Das kostet sie statt bis zu 45 Prozent nur 28,25 Prozent Einkommensteuer – allerdings nur so lange, wie das Geld in der Firma arbeitet. Spätere Entnahmen der zurückgelegten Summe kosten 25 Prozent Extrasteuer (siehe Beispiel). Faustregel: Je höher der Gewinn ist und je länger das Geld in der Firma verbleibt, desto mehr lohnt sich die Rücklage.

Ein Unternehmer lässt für dieses Jahr 40 Prozent seines Gewinns für Investitionen und zur Stärkung des Eigenkapitals in der Bilanz stehen. Das rechnet sich folgendermaßen:

Ohne Rücklage:
Gewinn 500.000 Euro
Steuer (Splitting) 193.656 Euro
Mit Rücklage:
Rücklage 200.000 Euro
Pauschalsteuer (28,25 %) 56.500 Euro
Restgewinn 300.000 Euro
Steuer (Splitting) 109.656 Euro
Steuer insgesamt 166.156 Euro
Gespart 27.500 Euro

Extratipp: Auch Anwälte, Architekten, Steuerberater und andere Freiberufler können Teile ihres Gewinns zum Spartarif von 28,25 Prozent versteuern. Dazu müssen sie sich allerdings von ihrer gewohnten Einnahmen-Überschuss-Rechnung verabschieden und den Gewinn per Bilanz ermitteln. Das kann sich in der Regel bei größeren Büros lohnen, die mehr Eigenkapital für die Expansion benötigen.

14. Angehörige anpumpen
Weil die Banken für kurzfristige Kredite auf Geschäftskonten oft über zehn Prozent Zinsen verlangen, kann es ratsam sein, sich einen Teil der benötigten Darlehen bei Angehörigen zu besorgen. Das zahlt sich für beide Seiten aus: Der Firmenchef behält seine Finanzierungskosten im Griff, gleichzeitig spart die Familie Steuern. Denn die Kreditzinsen für die Firma sind Betriebsausgaben, die das Finanzamt bis zu 45 Prozent mitzahlt, während die Angehörigen die Zinserträge durchweg niedriger versteuern. Kommt das Geld von den Kindern, dürfen Sohn und Tochter sogar rund 8500 Euro Zinsen kassieren, ohne dass das Finanzamt zugreift – vorausgesetzt allerdings, sie haben keine anderen Einkünfte.

15. Minijobs verteilen
Fürs Weihnachtsgeschäft können Ehegatten oder Kinder einen Minijob im Betrieb übernehmen, etwa als Aushilfen im Verkauf oder in der Buchhaltung, und so im Monat maximal 400 Euro verdienen. Dafür zahlt der Firmenbesitzer 30,67 Prozent pauschal an die Minijobzentrale, selbst dann, wenn die Angehörigen in einer anderen Firma noch einen Hauptjob haben. Weil er Gehalt und pauschale Abgaben komplett absetzen kann, spart er damit bis zu 45 Prozent Steuern.

16. Zinsschranke öffnen
Ein Problem für diejenigen, die Inhaber mehrerer Firmen sind: Im mittelständischen Verbund droht die sogenannte Zinsschranke. Das bedeutet, dass die Zinskosten der einzelnen Tochterfirmen nur bis zu 3 Mio. Euro sofort abzusetzen sind. Höhere Zinsen können sie nur zu 30 Prozent sofort abziehen, den Rest erst in den nächsten Jahren. Darum ist es sinnvoll, dafür zu sorgen, dass sie unter dem Grenzwert bleiben, etwa durch Eigenkapitalspritzen der Hauptfirma. Sind die Zinskosten damit nicht unter die Drei-Millionen-Grenze zu drücken, sollte geprüft werden, ob die Tochterfirmen per Gewinnabführungsvertrag finanziell und wirtschaftlich eingebunden werden können. Damit wird der Unternehmensverbund zu einer Gesamtfirma – und die Zinsschranke öffnet sich.

17. Strafen umgehen
Wer seiner GmbH bereits ein Darlehen gegeben hat oder dies jetzt noch tun will, sollte Zinsen (mindestens ein Prozent) und eine Darlehenslaufzeit vereinbaren. Denn wer das versäumt, muss mit Strafsteuer rechnen – und die liegt oft im fünfstelligen Bereich. Der Grund: Das Finanzamt darf – wenn nichts anderes vereinbart ist – für den Darlehensbetrag einfach 5,5 Prozent Zinsen annehmen, die der GmbH-Chef bekommen müsste. Verzichtet er darauf, hat er sie dennoch zu versteuern. So entschied jüngst der Bundesfinanzhof (Az.: I R 4/08).

18. Sich in aller stille beteiligen
GmbH-Chefs können die Bedingungen von Kapital- und Personengesellschaften zu ihrem Vorteil kombinieren, indem sie zusätzlich eine stille Gesellschaft installieren. Und zwar eine „atypische stille Gesellschaft“: Der stille Gesellschafter ist am Gewinn, an den Verlusten und eventuell an den stillen Reserven beteiligt (bei der „typischen“ Variante nimmt er nur an Gewinn und Verlust teil). Eine GmbH mit atypischer stiller Beteiligung ist gewerbesteuerrechtlich eine Personengesellschaft und profitiert von 24.500 Euro Freibetrag.

Ein Beispiel: Der GmbH-Chef steigt bei seiner Firma als atypischer stiller Gesellschafter ein:

Ohne stille Beteiligung:
Gewinn 100.000 Euro
Gewerbesteuer (bei 15 %) 15.000 Euro
Mit stiller Beteiligung:
Gewinn 100.000 Euro
Freibetrag 24.500 Euro
Zu versteuern 75.500 Euro
Gewerbesteuer (bei 15 %) 11.325 Euro
Gespart 3675 Euro

19. Bilanz säubern
Zeichnen sich für dieses Jahr bescheidene Gewinne oder gar Verluste ab, können Unternehmer die Gelegenheit nutzen, um nicht benötigtes Firmenvermögen in den privaten Bereich zu schaufeln. So kann etwa der Sohn den älteren Firmenwagen bekommen, oder die ausgedienten Büromöbel gehen an die Enkel. Dafür fallen in gewinnarmen Zeiten nur geringe Steuern auf stille Reserven an.

20. Vorteile retten
Das betrifft Einzelunternehmer und Personengesellschafter, die vor zwei Jahren GmbH-Anteile verkauft haben: Wer damals erzielte Gewinne immer noch in einer steuerfreien „6b-Rücklage“ (nach Paragraf 6 des Einkommensteuergesetzes) parkt, hat zwei Möglichkeiten, um die Ersparnis zu sichern. Erstens: Er kauft bis Ende 2010 Maschinen oder Anlagen und zieht von den Anschaffungskosten den Rücklagenbetrag ab. Zweitens: Er hat bis 2012 Zeit, wenn er statt in Maschinen und Anlagen in neue Betriebsgebäude investiert.

10 Tipps für Vermieter

21. Mit Zinsen jonglieren
Mit einem einfachen Dreh werden private Kreditzinsen zu Werbungskosten bei den Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. Damit das klappt, müssen Immobilienbesitzer drei Konten einrichten: eins für alle Mieteinnahmen, ein zweites für sämtliche Ausgaben rund um die Immobilien und ein drittes für Privates. Für größere private Anschaffungen wird das Geld vom Einnahmekonto auf das private umgebucht. Die Aufwendungen laufen weiter über das im Soll geführte Ausgabenkonto. Die fälligen Schuldzinsen sind Werbungskosten.

Im Beispielfall kauft sich ein Vermieter (Jahreseinkommen: 200.000 Euro) einen Sportwagen für 80.000 Euro. Dafür besorgt er sich einen Kontokorrentkredit von der Bank zu zehn Prozent Zinsen:

Ohne Drei-Konten-Modell
Einkommen 200.000
Zinsen 8000
Absetzbar
Steuern (laut Grundtabelle) 79.998*
Mit Drei-Konten-Modell
Einkommen 200.000
Zinsen 8000
Absetzbar 8000
Zu versteuern 192.000
Steuer (laut Grundtabelle) 76.454*
Ersparnis 3544

*.inklusive Soli; Angaben in Euro

22. Mieten überprüfen
Wer Wohnungen an nahe Verwandte vermietet, sollte überprüfen, ob die Verträge noch finanzamtfest sind. Wer mindestens 75 Prozent der ortsüblichen Miete verlangt, kann stets sämtliche Kosten absetzen. Das führt meist zu Verlusten, die der Vermieter mit anderen Einkünften steuersparend verrechnen kann. Ob sich die Vermietung rentiert, darf das Finanzamt in diesem Fall nicht interessieren. Zahlen Eltern oder Kinder dagegen nur zwischen 56 und 75 Prozent der ortsüblichen Miete, darf man zwar ebenfalls sämtliche Kosten absetzen. Aber nur dann, wenn der Apartmentbesitzer der Behörde beweisen kann, dass die Wohnung auf Dauer Gewinne abwerfen wird. Und zwar mithilfe einer detaillierten Prognoserechnung über 30 Jahre. Geht diese Rechnung nicht auf, sollten Vermieter die Einnahmen oder Ausgaben jetzt anpassen. Zum Beispiel durch eine maßvolle Mieterhöhung oder Senkung der Kreditzinsen durch eine private Finanzspritze. Und wer noch weniger Miete verlangt, kann seine Kosten grundsätzlich nur im Verhältnis von verlangter Miete und Marktmiete absetzen.

23. Maler bestellen
Wer noch in den letzten Wochen des Jahres seine Mietshäuser auf Vordermann bringt, der verschafft sich Steuersparpotenzial. Er setzt die anfallenden Kosten entweder sofort als Werbungskosten bei seinen Mieteinkünften ab, oder er verteilt die Ausgaben auf zwei bis fünf Jahre – je nachdem, was ihm die höchste Ersparnis bringt. Diese Wahl haben Vermieter immer dann, wenn sie für Renovierungsarbeiten mindestens 2000 Euro ausgeben.

24. Mieten staffeln
Für alle, die kurz vor dem Ruhestand stehen, kann es sich lohnen, für ihre Immobilien Mietverträge mit anfänglich niedrigen und später steigenden Mieten (Staffelmieten) zu vereinbaren. Davon profitieren sie doppelt: Zum einen wird es einfacher, Wohnungen jetzt zu vermieten, zum anderen verlagert der Hausbesitzer höhere Mieteinnahmen auf seine Rentenjahre. In denen ist nicht nur das Einkommen, auch die Steuersätze sind niedriger.

25. Denkmäler schützen
Der Einsatz für den Denkmalschutz beweist nicht nur Bewusstsein für Historie, sondern spart noch Geld. Auch aus diesem Grund sanierte der Rostocker Hochbauplaner Torsten Matthäus einen Speicherkomplex aus dem Jahre 1730 und baute das Gebäude so um, dass dort Wohnungen entstanden – alles natürlich mit dem Segen der Denkmalschutzbehörde. Sein Vorteil: Er kann die Kosten zügig bei der Steuer absetzen. Und zwar über nur zwölf Jahre statt der sonst üblichen 40. In den ersten acht Jahren zieht der Investor je neun Prozent, in den folgenden vier Jahren je sieben Prozent der Gesamtkosten ab. Die Abschreibung für die Altbausubstanz gibt es noch obendrauf: pro Jahr zwei oder 2,5 Prozent der Anschaffungskosten des Gebäudes, wenn das Baujahr vor 1925 liegt. Auch wer die Immobilie allein privat bewohnt, darf immerhin 90 Prozent der Kosten für Renovierung und Sanierung absetzen, und zwar als Sonderausgaben: zehn Jahre je neun Prozent. Die Altbausubstanz bezahlt das Finanzamt hier jedoch nicht mit.

Ein Beispiel: Ein Fabrikant kauft einen denkmalgeschützten Altbau für 600.000 Euro (ohne Grundstückskosten). Er saniert das Haus für 5 Mio. Euro und vermietet die Wohnungen. So rechnet sich die Investition in den ersten zwölf Jahren – mit und ohne Steuerförderung als Denkmal:

Mit Steuerförderung
Abschreibung
9 % von 5.000.000 (mal 8) 3.600.000
7 % von 5.000.000 (mal 4) 1.400.000
2,5 % von 600.000 (mal 12) 180.000
Absetzbar 5.180.000
Steuerersparnis (bei 45 %) 2.331.000
Angaben in Euro

26. Anzeigen schalten
Wer für eine bislang selbst genutzte Wohnung keinen Mieter findet, darf dennoch sämtliche Kosten bei der Steuer absetzen, sagt der Bundesfinanzhof (Az.: IX R 1/07). Die Voraussetzung: Der Eigentümer bemüht sich ernsthaft, Mieter zu finden, zum Beispiel durch regelmäßige Anzeigen in Zeitungen und Hinweise im Internet. Wer auf Nummer sicher gehen will, schaltet einen Makler ein.

27. Clever sortieren
Bauherren und Käufer von Mehrfamilienhäusern ziehen mehr Darlehenszinsen als Werbungskosten ab – und zwar mit diesem Trick: Sie verwenden ihr Eigenkapital allein zur Finanzierung der eigenen Räume und ordnen das Geld von der Bank komplett den vermieteten Wohnungen zu. Um für eine klare Dokumentation zu sorgen, sollten sie zwei Bankkonten einrichten. Auf dem einen verbuchen sie die Darlehensmittel und bezahlen von hier aus die Rechnungen für die Mietwohnungen. Auf dem zweiten Konto liegt das eigene Geld, mit dem der Immobilienbesitzer die eigene Wohnung bezahlt.

28. Rechtzeitig modernisieren
Will ein Besitzer demnächst in das bislang vermietete Haus oder die Wohnung selbst einziehen, sollte er die Immobilie rechtzeitig in Schuss bringen lassen. Am besten schon zwei bis drei Jahre vorher die Handwerker bestellen, solange dort noch Mieter wohnen, denn dann sind alle Renovierungskosten voll absetzbar. Wer erst nach dem Auszug der Mieter investiert, geht bei der Steuer leer aus.

29. Zinsen vorziehen
Wenn die Zinsfestschreibung für das alte Baudarlehen jetzt ausläuft: für den neuen Kredit mit der Bank einen niedrigen Zinssatz und ein hohes Disagio (bei Kreditauszahlung einbehaltener Vorauszins) vereinbaren. Der Vorteil für den Eigentümer: Bei einer Zinsbindung von mindestens fünf Jahren kann er auf diese Weise bis zu fünf Prozent der Darlehenssumme auf einen Schlag absetzen.

30. Vorsteuer zurückholen
Eigentümer von Wohn- und Geschäftshäusern, die an Gewerbebetriebe mit Umsatzsteuer vermieten, haben für den Vorsteuerabzug aus Handwerkerrechnungen die Wahl: Sie können die Beträge nach Flächen oder nach Mieteinnahmen ansetzen, je nachdem, was für sie günstiger ist. Das hat zuletzt das Niedersächsische Finanzgericht entschieden (Az.: 16 K 271/06). Achtung: Einspruch einlegen, wenn sich das Finanzamt sperrt. Als Begründung reicht ein Hinweis auf das anhängige Verfahren beim Bundesfinanzhof (Az.: V R 19/09).

10 Tipps für Kapitalanleger

31. Verluste verrechnen
Wer mit verschiedenen Kreditinstituten zusammenarbeitet, kann Verluste (etwa mit Aktien, durch Stückzinsen oder am Terminmarkt) bei der einen Bank nicht einfach mit Erträgen bei einer anderen verrechnen. Laufen beispielsweise die verlustreichen Aktien bei einem anderen Geldinstitut als die zinsbringenden Anlagen, müssen beide Konten erst über die Veranlagung beim Finanzamt im Zusammenspiel bereinigt werden. Das funktioniert freilich nur, wenn der Anleger sich von seiner Verlustbank rechtzeitig eine Bescheinigung über die roten Zahlen besorgt. Den letztmöglichen Termin nicht vergessen: Das Papier muss bis zum 15. Dezember beantragt werden.

Der schriftliche Beleg der Verluste spart einiges an Geld, wie dieses Rechenbeispiel zeigt: Ein Anleger erzielt in diesem Jahr mit seinem Wertpapierdepot bei der Bank 40.000 Euro Gewinn, bei der Sparkasse sind es dagegen 30.000 Euro Verlust. Das bringt ihm die Bescheinigung:

Ohne Bescheinigung
Bankeinkünfte 40.000 Euro
Steuer (25 %) 10.000 Euro
Mit Bescheinigung
Bankeinkünfte 40.000 Euro
Sparkassenverluste 30.000 Euro
Zu versteuern 10.000 Euro
Steuer (25 %) 2500 Euro
Sofort gespart 7500 Euro

32. Bankgebühren geltend machen
Bankgebühren und Beratungshonorare für Depots können als Werbungskosten über die Steuererklärung geltend gemacht werden. Und zwar dann, wenn sie über dem Sparerpauschbetrag (801 Euro pro Jahr für Ledige, 1602 Euro pro Jahr für Verheiratete) liegen. Achtung: Das Finanzamt wird die Kosten streichen, weil Berlin den Steuerabzug 2009 abgeschafft hat. Deshalb Einspruch einlegen und beantragen, dass das Finanzamt darüber erst später entscheidet. Als Begründung reicht der Hinweis auf eine entsprechende Musterklage beim Finanzgericht Münster (Az.: 6 K 1847/10 E), die der Bund der Steuerzahler unterstützt.

33. Gewinn vergolden
Diejenigen, die jüngst in Gold investiert haben, verbuchen seit Jahresbeginn gut 25 Prozent Wertzuwachs. Wer jetzt Kasse machen will, sollte überlegen, ob er mit dem Verkauf noch so lange warten kann, bis zwölf Monate Spekulationsfrist vorbei sind. Denn dann kassiert er seinen Gewinn steuerfrei.

34. Verlust versilbern
Anleger, die vor 2009 mit Wertpapier- oder Termingeschäften Verluste erleiden mussten (Kauf und Verkauf der Papiere innerhalb eines Jahres), sollten ihr Depot auf Papiere prüfen, mit denen sie aktuell satte Gewinne erzielt haben. Wer diese Papiere jetzt verkauft, kann die Zuwächse steuerfrei einstreichen, indem er sie mit den alten Spekulationsverlusten verrechnet.

35. Riestern
Nichts verschenken: Um sich die staatliche Zulage für die sogenannte Riester-Rente nicht entgehen zu lassen, können auch Unternehmer eine Police für diese Altersvorsorgeverträge abschließen. Das ist dann möglich, wenn der Ehegatte des Chefs im eigenen oder in einem fremden Unternehmen beschäftigt ist und bereits einen eigenen Riester-Vertrag abgeschlossen hat. Eigene Beiträge einzahlen muss der Firmenchef nicht. Es reicht, wenn die staatliche Zulage in den Vertrag einfließt: Das sind im Jahr 154 Euro.

36. Rürup machen
Vorsorge mit Steuerkick: Wer bis zum Jahresende einen Rürup-Vertrag abschließt, kann bis zu 40.000 Euro (Ledige 20.000 Euro) Beitrag einzahlen und 28.000 Euro (Ledige 14.000 Euro) als Sonderausgaben absetzen. Diese Möglichkeit nutzt auch Steffen Hausmann. Der Rostocker Personaltrainer und Coach für Führungskräfte hat im jetzt auslaufenden Jahr ordentlich verdient und etwas für seine Altersversorgung getan. Und er nutzt dabei einen besonderen Vorteil: Unternehmer können Jahr für Jahr entscheiden, wie viel Beitrag sie einzahlen wollen – je nach Gewinn und Steuerlast.

37. Stückzinsen kaufen
Alle, die in diesem Jahr hohe Aktiengewinne wegdrücken wollen, sollten überlegen, ob sie das mit sogenannten Stückzinsen von Anleihen machen wollen. So funktioniert es: Der Anleger investiert in festverzinsliche Wertpapiere mit Zinsterminen im Januar oder Februar. Denn dann muss er dem Verkäufer die bisher aufgelaufenen, aber noch nicht ausgezahlten Zinsen erstatten (Stückzinsen). Und die kann er als negative Kapitaleinnahme von seinen steuerpflichtigen Aktiengewinnen abziehen.

38. Spezialfirma gründen
Besitzer umfangreichen Kapital- und Grundbesitzes übertragen ihr Vermögen auf eine spezielle GmbH, eine sogenannte Spardosen-GmbH. Deren einziger Geschäftszweck ist es, das Vermögen zu verwalten. Anfallende Gewinne entnehmen die GmbH-Anteilseigner nicht für private Zwecke, sondern lassen sie in der Firma stehen. Die Extra-GmbH kassiert sämtliche Ausschüttungen und Wertzuwächse der Anlagen zu 95 Prozent steuerfrei. Anfallende Kosten (etwa Gebühren, Beraterhonorare, Fachliteratur, Reisen zu Hauptversammlungen) zieht sie indes komplett ab.

Ein Beispiel für die Spardosenkonstruktion: Ein Freiberufler muss insgesamt 300.000 Euro Miet- und Kapitalerträge versteuern. So viel spart er, wenn er die Immobilien und Wertpapiere in eine Extra-GmbH einlegt:

Ohne Extrafirma
Erträge 300.000 Euro
Steuer (bei 35 Prozent) 105.000 Euro
Mit Extrafirma
Erträge 300.000 Euro
Davon steuerpflichtig 15.000 Euro
Steuer (bei 30 Prozent) 4500 Euro
Gespart 100.500 Euro

39. Mal wieder etwas verschenken
Weil jedes Kind bis zu 8841 Euro steuerfrei einstreichen darf, sollten Eltern überlegen, Zinspapiere an Sohn oder Tochter zu übertragen. Voraussetzung dafür ist, dass der Nachwuchs sonst keine nennenswerten Einkünfte hat. So ein Präsent hebt die Nettorendite im Familienverbund. Einziger Nachteil: Ab dem 18. Lebensjahr müssen sich die beschenkten Kinder selbst krankenversichern, wenn ihre Einnahmen über 4380 Euro liegen.

40. Steuerfrei spekulieren
Weil Aktiengewinne seit 2009 immer Abgeltungsteuer kosten, ergibt es für gut betuchte Anleger Sinn, einen eigenen Investmentfonds zu installieren. Dann können sie Aktien und andere Wertpapiere nach Belieben kaufen und verkaufen, ohne dass ein einziger Cent Steuer anfällt. Solche Privatfonds bieten Geldinstitute und Vermögensverwalter ab 1 Mio. Euro an.

10 Tipps für die Familie

41. Zu hause arbeiten
Dieser Tipp funktioniert wohl nur noch bis Ende des Jahres: Wer im neuen Familienheim gleich ein Arbeitszimmer mit einrichtet, kann reichlich Umsatzsteuer vom Finanzamt einkassieren. Dazu wird das private Haus nur für die Umsatzsteuer komplett der Firma zugeschlagen, denn dann erstattet das Finanzamt die Vorsteuer aus sämtlichen Handwerkerrechnungen. Allerdings kostet die Nutzung der privaten Räume – nämlich jährlich19 Prozent auf ein Zehntel der anteiligen Hauskosten. Unter dem Strich ein prima Geschäft. Ein Bauantrag noch im Jahr 2010 genügt.

42. Handwerker engagieren
Wer das Sparpotenzial für dieses Jahr ausschöpfen möchte, bestellt noch im Dezember Helfer für Haus und Garten. Für Tätigkeiten wie das Tapezieren, Streichen, Modernisieren von Badezimmern oder die Grundstückspflege sind 20 Prozent der Handwerkerleistung, maximal 1200 Euro, von der Steuerschuld herunterzurechnen – allerdings nur für Lohnkosten. Voraussetzung für den Abzug ist eine ordentliche Rechnung, die nicht bar, sondern per Überweisung bezahlt wird.

43. Home-office absetzen
Ist der Ehepartner eines Firmenbesitzers Handelsvertreter oder Lehrer von Beruf, können neuerdings die Kosten für das Heimbüro wieder steuerlich abgesetzt werden. Das hat das Bundesverfassungsgericht entschieden (Az: 2 BvL 13/09). Welchen Betrag das Finanzamt akzeptieren muss, ist derzeit allerdings noch offen. Deshalb immer sämtliche Kosten geltend machen, dazu zählen etwa anteilige Miete, Kreditzinsen, Heizung, Reparaturen, Gas, Wasser, Strom oder Grundbesitzabgaben.

44. Stiften gehen
Gutes tun und dabei Steuern sparen: Eheleute können bis zu 2 Mio. Euro in eine gemeinnützige Stiftung investieren und als Sonderausgaben abziehen, entweder sofort oder über zehn Jahre verteilt. Bei Stiftern mit hoher Progression sorgt das im Ergebnis dafür, dass sie nach Abzug der Steuerersparnis netto nur rund die Hälfte selbst aufwenden müssen.

45. Schulgeld bezahlen, Steuern Sparen
Besuchen die Kinder eine Privatschule, ziehen die Eltern 30 Prozent des Schulgelds (ohne Unterkunft, Verpflegung und Taschengeld) bei der Steuer ab. Dabei ist es egal, ob der Nachwuchs im In- oder EU-Ausland eine Topausbildung bekommt. Deutsche Schulen im Ausland sind sogar weltweit begünstigt. Maximal 5000 Euro pro Kind sind jährlich als Sonderausgaben absetzbar.

Im Rechenbeispiel besucht der Sohn ein Internat in England. Die Eltern zahlen jährlich 18.000 Euro Schulgeld. Das können sie sparen:

Schulkosten 18.000
Davon 30 % 5400
Maximal 5000
Steuerersparnis (45 %) 2250
Angaben in Euro

46. Verluste retten
Private Investoren dürfen Kapitalverluste aus gescheiterten Beteiligungen an Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) in voller Höhe bei der Steuer abziehen. Das hat Johanna Fromm beim Bundesfinanzhof durchgesetzt (Az.: IX R 42/08). Die Koblenzer Leasingunternehmerin hatte sich an einer Medizintechnik-GmbH beteiligt, Schiffbruch erlitten und danach erfolgreich geklagt. Achtung: Der volle Verlustabzug ist wohl nur bis Ende 2010 möglich. Danach akzeptiert das Finanzamt voraussichtlich nur noch 60 Prozent.

47. Hilfe holen
Engagiert die Familie eine Hausangestellte, kann sie die Kosten dafür teilweise absetzen. Putzt oder kocht sie auf 400-Euro-Basis, sind 20 Prozent der Kosten abziehbar, höchstens aber 510 Euro. 4000 Euro Steuerersparnis sind möglich, wenn die Hilfe auf Steuerkarte arbeitet (20 Prozent von maximal 20.000 Euro Lohnkosten pro Jahr). Wer keine feste Kraft beschäftigen möchte, nimmt selbstständige Dienstleister, etwa für die Hausarbeit oder die Pflege von Angehörigen. Auch hierfür sind 4000 Euro Steuervorteil möglich, wenn die Rechnung bargeldlos bezahlt wird.

48. Zwei Haushalte führen
Zieht ein Unternehmer aus privaten Gründen mit seiner Familie weg von dem Ort, an dem der Betrieb seinen Sitz hat, kann er dort eine Wohnung mit Steuervorteil behalten. Das entschied der Bundesfinanzhof (Az.: VI R 23/07 und VI R 58/06). Abziehbar von seinem Einkommen sind etwa Miete, Heizung, Neben- oder Finanzierungskosten für die Zweitwohnung sowie Kosten für wöchentliche Heimfahrten.

49. Anteile verschenken
Firmenlenker, die ihre Nachfolge in absehbarer Zeit regeln wollen, können Erbschaftsteuer sparen. Dazu sollten sie noch dieses Jahr prüfen, ob sie die geplante Weitergabe von Anteilen an ihrer Personen- oder Kapitalgesellschaft vorziehen wollen. Betroffen sind Unternehmen mit Tochtergesellschaften und Verwaltungsvermögen in den Firmenbilanzen (vermietete Immobilien, Firmenbeteiligungen, Kunstwerke). Bisher lässt sich Betriebsvermögen auf Kinder oder Enkel übertragen, wenn das Verwaltungsvermögen in der Stammfirma höchstens zehn Prozent und in den Tochterfirmen höchstens 50 Prozent des Gesamtvermögens ausmacht. Künftig dürfen auch die Tochtergesellschaften höchstens zehn Prozent Verwaltungsvermögen haben.

Dazu ein Beispiel: Ein Autozulieferer will seine Tochter an der GmbH beteiligen. Mit enthalten im Geschenkpaket ist eine Tochtergesellschaft. Wert der Übertragung: 5 Mio. Euro. Das Verwaltungsvermögen der GmbH beträgt acht Prozent des Betriebsvermögens, das der Tochterfirma 35 Prozent. So rechnet es sich für die Familie, wenn sie die Schenkung noch in diesem Jahr abwickelt:

Schenkung sofort
Vermögen 5.000.000
Steuer
Schenkung später
Vermögen 5.000.000
Abschlag (85 %) 4.250.000
Freibetrag 400.000
Zu versteuern 350.000
Steuer (15 %) 52.500
Angaben in Euro

50. Sonne tanken
Ob auf dem Dach oder im Dach: Hausbesitzer können die Kosten für Fotovoltaikanlagen in jedem Fall über 20 Jahre abschreiben. Das bestätigt das Bayerische Landesamt für Steuern in einer aktuellen Verfügung (Az.: S 2190.1.1-1/3 St 32). Bislang verlangten die Finanzämter, dass Anlagen im Dach über 50 Jahre verteilt abgesetzt werden.

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Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 12/2010.

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