Diverses Abenteuer ­ Autorallye

Es gibt Sammler, die betrachten ihren Oldtimer als Wertanlage, dem weder Staubkorn noch Gummiabrieb etwas anhaben dürfen. Und es gibt die faszinierten Fahrer.

„Es war 1999, auf der Anfahrt zur Silvretta. Mitten im
einspurigen Pfänder-Tunnel ging mir das Auto aus. Das war
einer der wirklich haarigen Momente, lag doch ein tödlicher
Feuerunfall genau dort erst kurze Zeit zurück“, erinnert sich
Gerd-Rüdiger Lang. „Ich konnte mich rollend in eine der
Pannenbuchten retten. Gott sei Dank sprang der Wagen wieder
an. Die Kilometer bis zum Tunnelende habe ich sehr
geschwitzt.“

Der Chef von Chronoswiss blickt trotzdem gerne zurück,
gewann er doch drei Tage später mit dem „Pannenauto“, einem
seltenen und offenen Jaguar XK120 OTS, „seine Silvretta“. Und
fuhr damit nach dem Triumph selbstverständlich wieder heim
nach München. „Der Trick war“, verrät der 64-Jährige, „die
Benzinpumpe mit einem Hammerschlag wieder zum
Leben zu erwecken.“ Mit beweglichen Teilen kennt sich der
Hersteller von rein mechanisch arbeitenden Zeitmessern
schließlich bestens aus.

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Lang ist ein typischer Teilnehmer am Abenteuer Autorallye.
Zwar bezeichnet der Unternehmer sich selbst als Uhren-, nicht
als Autosammler, hat aber dennoch fünf wertvolle
Jaguarklassiker in der Garage. Die er regelmäßig bewegt.
„Wagen, die ich nicht fahre, sind keine Partner. Leute, die auf
Hochpreisklassiker als Investment reinfallen, tun mir auch nicht
leid.“

Selbstverständlich reist der gebürtige Braunschweiger, der sich
1981 selbständig machte, auf eigener Achse zu
Klassiker-Veranstaltungen. An der Silvretta, die über
atemberaubende Alpenpässe und durchs malerische Montafon
führt, schätzt Lang besonders, neben dem Wettbewerb auch
Land und Leute im Blick behalten zu können. „Die Silvretta hat
mit Raserei nichts zu tun. Hier sollen keine schnellen
Rundenzeiten gefahren, sondern Geschwindigkeitsvorgaben
möglichst genau eingehalten werden. Das schont Material und
Nerven.“

Mit Vollgas voraus

Ganz anders die Mille Miglia. Dem Traditionsrennen quer über
den italienischen Stiefel haftet der Geruch verbrannten
Gummis und der Donner hochklassiger Rennmotoren an. Hier
sind die Zeitvorgaben so gewählt, dass ein Schnitt von
120 km/h nichts Außergewöhnliches ist – quer durch die
Seealpen, über teils verschneite Pässe und mitten durch Städte
wie Siena oder Brescia. Für die automobilbegeisterten Italiener
kein Problem: Energisch sausen Carabinieri mit Motorrädern
voraus, um den Alltagsverkehr abzudrängen.

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Die Mille Miglia ist mittlerweile ein Klassiker. Zahlreiche
Prominente tummeln sich hier ebenso wie große Firmen, die die
Veranstaltung als Imageträger nutzen. Die Oldtimer, die hier
eingesetzt werden, stammen ausschließlich aus der Zeit, als die
Mille Miglia noch ein echtes Rennen war – also aus den Jahren
1927 bis 1957. Entsprechend erlesen sind die Teilnehmer.
Gerd-Rüdiger Lang, der die wilde Straßenjagd kennt, zieht die
Silvretta allerdings vor: „Bei der Mille Miglia muss man das Auto
richtig treten, auch körperlich wird man ordentlich gefordert –
von der Landschaft bekommt man da kaum noch etwas mit.
Die Silvretta ist für mich deutlich mehr Genuss.“

Gut geschmiert

Rennen und rasen, teures Edelblech und die prominenten
Großsponsoren fehlen bei der Creme21 Youngtimer-Rallye. Kein
Wunder, denn hier stehen die Vehikel erst an der Schwelle zum
Klassiker-Status. Das macht sie erschwinglich – emotional ist es
allemal: Schließlich verbinden etliche der Fahrzeuglenker eigene
Kindheitserinnerungen mit ihren Opel, Fords, BMWs oder
Mercedes’ der 70er und 80er Jahre.

Die Veranstalter begreifen die Creme21 als Alternative zu den
etablierten Rallyes. Als Zwischenziele der viertägigen
Veranstaltung werden statt der Alpenpässe industrielle
Meilensteine angesteuert. Schräge Sonnenbrillen, kreischbunte
Hemden und Schlaghosen prägen das Outfit der Teilnehmer –
nicht umsonst ist der Hersteller der Kultmarke Creme21
Hauptsponsor der Zeitgeisttour.

Ob Silvretta, Mille Miglia oder Creme21 – Klassik-Rallyes sind
längst ein Imagethema. Gerd-Rüdiger Lang: „Ich bin von
Beginn an Sponsor der Silvretta Classic. Für mich als recht
kleines Unternehmen zunächst ein großer Schritt. Doch
mittlerweile kennt jeder, der sich ernsthaft dem Thema
Oldtimer verschrieben hat, die Uhrenmarke Chronoswiss.“

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