Diverses Abstimmung nach der Wahl

Abstimmung nach der Wahl

Zugegeben: Unsere Suche nach Firmen, die Wachstum gegen den Trend und in
schwierigen Märkten schaffen, begann deutlich vor der Bundestagswahl am 22.
September.

Nach deren Ausgang erhalten die in unserer Titelgeschichte
vorgestellten Champions (ab Seite 20) jetzt aber doppeltes Gewicht: Sie sind
Vorbild für alle Branchen. Und zugleich Drohpotenzial gegenüber der Politik.

Anzeige

Denn was sie alle durchweg auszeichnet, ist eins: höchste Flexibilität. Und
die macht im Zweifelsfall auch nicht vor Standortverlagerungen ins Ausland
Halt.
Hier muss daher das Augenmerk der »neuen« rot-grünen Regierung liegen. Denn
Wahlabstimmung mit den Füßen, wie sie Ökonomen schon seit Jahrzehnten
beschreiben, wird durch das beschleunigte Tempo der EU-Integration immer
realer.

Längst haben in grenznahen Gebieten, am Niederrhein wie im Alpenvorland,
Nachbarländer schon ihr Lasso nach deutschen Firmen ausgeworfen. So lockt
die holländische Holding als Steuersparmodell ebenso wie das Schweizer
Bankgeheimnis. Und viele versierte Berater machen Betriebsverlagerungen
inzwischen auch für mittelständische Betriebe zum Kinderspiel.

Besondere Bedeutung erlangt dabei die Erbschaftsteuer. Verbürgt ist so die
Geschichte des Industriellen Flick: Primär zog der nicht wegen hohen
Ertragsteuern ins Ausland. Sondern auf Grund ständig verschärfter Regeln bei
der Erbschaft- und Schenkungsteuer hier zu Lande.
Genau an diesem wohl empfindlichsten Punkt für alle Unternehmer legt nun
jedoch rot-grüne Politik die Hand an.

Der Hinweis, diese Steuer sei reine
Ländersache, weil nur ihnen die Erträge zufließen, entpuppt sich rasch als
Nebelkerze. Verschärfte Bewertungsgesetze für Erbschaften sind
selbstverständlich bundeseinheitlich zu definieren.

Sorge macht deshalb die Sorglosigkeit in Berlin. Den handelnden Personen ist
die fatale Botschaft ihres Tuns nicht klar: Leistung lohnt sich immer
weniger in Deutschland.
Unternehmer fürchten ­ zu Recht ­ um die Früchte ihres Lebenswerks betrogen
zu werden. Und dies besteht eben nicht nur darin, sich selbst ein angenehmes
Leben zu bereiten. Sondern auch der Familie und den Mitarbeitern in der
Firma ­durch sichere Arbeitsplätze.

Wirtschaftspolitik ist daher immer zugleich auch Sozialpolitik. Das meinte
Ludwig Erhard im Kern mit seiner Forderung »Wohlstand für alle«. Wird der
neue Wirtschaftsminister ­ mit mehr Kompetenzen in Berlin ausgestattet ­
hier anknüpfen können?

Das Ergebnis der Bundestagswahl macht wenig Mut: Ins neue Parlament ziehen
weniger Firmenchefs denn je ein (siehe Seite 26). Der hier gebotene Freiraum
für kreative und flexible Unternehmer scheint wenig verlockend. Die
Abstimmung mit den Füßen zeigt bereits ihre unheilvolle Wirkung

Thomas Licher
chefredaktion@impulse.de

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...