Diverses Acht Tonnen Gold für Hans Eichel

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Im Keller der Bundesbank schlummert ein Schatz, doch die deutschen Währungshüter weigern sich, ihn zu heben. Rund 600 der insgesamt 3440 Tonnen schweren deutschen Goldreserve dürfen nach einem Abkommen der Notenbanken bis 2009 verkauft werden. Was man mit diesem Geld machen könnte - und was besser nicht.

Selbst wenn das gesamte Jahreskontingent von 120 Tonnen auf den Markt gebracht würde, verändere sich der Goldpreis am Frankfurter Markt (zurzeit rund 10.500 Euro pro Kilogramm) kaum, meinen Experten wie beispielsweise der Deutschen-Bank-Tochter DB-Research. 1,26 Milliarden Euro könnte die Bundesbank so jährlich erlösen.

Zum Schuldenabbau kann der Schatz indes nicht dienen, warnt der Finanzexperte des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Professor Winfried Fuest. Denn Finanzminister Eichel könnte mit der Extra-Milliarde nicht einmal ein Promille der gesamten Staatsverschuldung von derzeit 1,4 Billionen Euro abtragen. Fuest: „Bei Eichel wäre das Geld zum Fenster rausgeworfen.“

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Aber auch wenn Eichel das Geld aufs Konto legte, könnte er nicht viel damit anfangen. Bei fünf Prozent Zins brächte dies jährlich 63 Millionen Euro. Geld genug, um 570 Studenten ein Vollstudium zu ermöglichen.
Wird der Verkaufserlös aller fünf Jahreskontingente – nach dem derzeitigen Goldpreis rund sechs Milliarden Euro – zinsgünstig angelegt, ließe sich ohne Eingriff ins Steuersäckel indes einiges mehr für Deutschland bewegen: beispielsweise das Förderprogramm für Spitzenuniversitäten finanzieren (285 Millionen Euro hält der Bund dafür von 2006 bis 2010 jährlich bereit).

Wahrscheinlicher wäre freilich, dass Rot-Grün ein neues Konjunkturprogramm auflegen würde. Und da reichen die Zinsen aus dem Goldverkauf gerade mal für 20 000 neue Arbeitsplätze – von denen keiner wüsste, wie lange es sie gäbe, würden die Subventionen wieder gestrichen.

Doch die Bundesbank will die Regierung offenbar gar nicht in Versuchung bringen – das deutsche Kontingent für 2005 nutzt jetzt die französische Nationalbank, um 120 Tonnen Gold auf den Markt zu bringen. Bundesbankpräsident Jürgen Weber entschied, nur acht Tonnen Gold zu verkaufen – an den Bundesfinanzminister, der daraus Münzen prägen lässt.

Weitere Meldungen aus dem Politik-Magazin können Sie in der impulse-Ausgabe 06/2005, Seite 34, nachlesen.

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