Diverses Aldi-Kampagne täuscht die Verbraucher

Viel Wirbel um die Milchpreise: Discounter übernimmt angeblich einen Teil der Preiserhöhung

Viel Wirbel um die Milchpreise: Discounter übernimmt angeblich einen Teil der Preiserhöhung

Nächstenliebe statt Profit: Um die Kunden nicht zu belasten, übernimmt Aldi die höheren Kosten für Milch teilweise selbst. Der Discounter als Wohltäter? Ein Blick in so manche Tageszeitung erweckt genau diesen Eindruck: Dort kündigt Aldi Süd in ganzseitigen Anzeigen an, den Milchpreis nur um sieben Cent zu erhöhen, obwohl der Einkaufspreis um zehn Cent steigt. Tatsächlich steckt hinter der Kampagne nur marktwirtschaftliches Kalkül.

Aldi Süd schlägt nur sieben Cent auf den bisherigen Preis drauf, obwohl der Bauer zehn Cent mehr pro Liter erhält, so heißt es in der Anzeige, die der Discounter am Dienstag in regionalen Tageszeitungen geschaltet hat. Die Supermarktkette gebe damit nicht die volle Preiserhöhung an die Verbraucher weiter, sondern – so heißt es zumindest in der Anzeige – übernehme Verantwortung für die Milchbauern in unserem Land. Verbraucherschutz statt Profitgier? Von wegen. Mit selbstlosem Handeln jedenfalls hat die Strategie nichts zu tun.

Aldi verhält sich ökonomisch rational, sagen die Preisexperten der internationalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners in Bonn. Denn: „Es ist keineswegs optimal, Kostenerhöhungen voll an den Kunden weiter zu geben“, erklärt der Chairman des Beratungsunternehmens, Professor Hermann Simon. Im Gegenteil: Der Gewinn werde vielmehr dann maximiert, wenn ein Unternehmen etwa die Hälfte der Kostensteigerung weiterreicht. Und genau das tut Aldi.

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Aldi teilt also die Kostensteigerung mit dem Verbraucher und fährt damit besser, als wenn es die vollen Kosten weitergäbe. Das Verhalten ist also kein ökonomisches Rätsel, sondern sehr intelligent. Und auch der Verbraucher ist besser dran. Als außerordentlich geschickt beschreibt Simon aber die Kommunikation von Aldi: „Die verkaufen eine Preiserhöhung als Vorteil, und in gewisser Weise haben sie ja auch Recht, denn zehn Cent Preiserhöhung wären für den Verbraucher schlechter als sieben Cent. Einfach genial!“Dass hinter der Kampagne aber tatsächlich eine einfache marktwirtschaftliche Regel steht, beweist auch das Verhalten der Konkurrenz: Der Lebensmittelkonzern Edeka folgt beim Milchpreis den Discountern Aldi Nord und Süd und nimmt seinen Aufschlag von zunächst zehn Cent wieder um drei Cent zurück. Frische Vollmilch und H-Milch der Eigenmarke Gut & Günstig mit 3,5 Prozent Fettgehalt koste von Mittwoch an 68 Cent je Liter, die mit 1,5 Prozent 61 Cent, erklärte ein Sprecher. Die Milchviehhalter hatten durch wochenlange Proteste im Kampf für höhere Milchpreise Neuverhandlungen durchgesetzt. Zu Wochenbeginn war der Milchpreis im Handel von einigen Anbietern zunächst um 10 Cent pro Liter heraufgesetzt worden.

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