Diverses Alte und Neue Meister

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt zieht um. Vorher präsentiert es jedoch einen Querschnitt seiner Bestände mit Meisterwerken aus sechs Jahrhunderten. Unter dem Titel "Alte und Neue Meister in der Graphischen Sammlung" sind bis zum 30. September Zeichnungen und Druckgraphiken von 70 namhaften Künstlern zu sehen.

Die Auswahl zeigt die Blätter des 15. bis 19. Jahrhunderts in Kunstschulen getrennt – erst deutsche, dann italienische, niederländische und französische. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im 20. Jahrhundert, das von den Anfängen der
Klassischen Moderne bis in die Gegenwart mit wichtigen Werken vertreten ist.

Die frühesten Arbeiten der Präsentation sind seltene Einblattholzschnitte von
namentlich nicht bekannten Meistern, so beispielsweise ein um 1440 am Oberrhein entstandener Holzschnitt der „Heiligen Magdalena“ und ein seltener
Weißlinienschnitt auf schwarzem Grund des Monogrammisten E.S., der „Madonna vor
der Rasenbank“.

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Darüber hinaus zeigt die Ausstellung kapitale Blätter der deutschen und italienischen
Druckgraphik des 15. und 16. Jahrhunderts, wie Mantegnas „Bacchanal mit Silen“,
Dürers drei Meisterstiche „Der Reiter (Ritter, Tod und Teufel)“ (1513), „Hieronymus im
Gehäus“ (1514) und „Melencolia I“ (1514) in vorzüglichen Abzügen oder Raimondis von späteren Künstlern häufig zitiertes „Urteil des Paris“.

Mit Albrecht Dürer und seinem facettenreichen Umfeld verbreitete sich im 15. und 16.
Jahrhundert die Zeichenkunst im deutschsprachigen Raum. Typisch dafür ist die
durchgearbeitete Kreidezeichnung, etwa Dürers Fugger-Bildnis (1525) oder die bildmäßig
durchgeführte Federzeichnung häufig auf farbig grundierten Blättern, etwa von Tobias Stimmer
„Greisenkopf mit phantastischem Federhut und Selbstbildnis“ (1569).

Aus den rund 2.000 italienischen Zeichnungen wurden 10 Blätter ausgewählt. Das
Zeichnen nach der Natur, besonders dem menschlichen Modell, setzte im letzten Drittel
des 15. Jahrhunderts verstärkt in Florenz ein. Beispielhaft dafür eine Draperiestudie von
Lorenzo di Credi. Daneben schulte man sich auch im Zeichnen nach Gemälden und
Zeichnungen anderer Meister – so nimmt beispielsweise der Italiener Domenicino Ghirlandaio ein Werk von Filippo Lippi als Vorlage für seine Federzeichnung von zwei Dienerinnen der Herodias.

Naturstudien sind charakteristisch

Unter den niederländischen Künstlern ist Rembrandt der herausragende Meister,
vertreten durch die Rohrfederzeichnung eines „Skelettreiters“ (um 1655). Charakteristisch für die Niederländer sind neben Naturstudien die autonome Landschaftszeichnung „Kirchhof am Ufer“ (1653) eines Jan van Goyen sowie das Stillleben. Das in der Ausstellung präsentierte prachtvolle Blumenbild von Jan van Huysum gehörte zu den begehrtesten und am teuersten bezahlten Sammlerobjekten des 18. Jahrhunderts.

Das Thema der autonomen Landschaftszeichnung leitet über zu den Romantikern des 19. Jahrhunderts, die in der Auswahl durch Johann Heinrich Schilbach Carl Philipp Fohr, August Lucas, Johann Anton Ramboux und Ferdinand Olivier vertreten sind.

Für das 20. Jahrhundert stehen Arbeiten von den Anfängen der Klassischen Moderne bis
zu Joseph Beuys, K.R.H. Sonderborg oder John Cage. Das Spektrum umfasst die Künstler
der „Brücke“ und des „Blauen Reiters“, der „Neuen Sachlichkeit“sowie die Bauhaus-
Meistermappe des Jahres 1923. Einen wichtigen Akzent setzt die amerikanische Kunst der
1960 und 70er Jahre. Hier ist ein Extraraum den großen Siebdrucken von Andy Warhol,
Roy Lichtenstein, und Tom Wesselmann gewidmet.

www.hlmd.de

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