Diverses Angriff der Cyber-Prüfer

Mit neuer Software können Finanzbeamte jede Buchführung lückenlos checken. Wie Unternehmer sich wappnen.

Die Experten schlagen Alarm: „Viele Unternehmen sind noch nicht ausreichend auf die neuen Kontrollmöglichkeiten der Steuerprüfer vorbereitet“, mahnt etwa Frank Moszka, Rechtsanwalt und Steuerberater bei Ernst & Young in Stuttgart. „Dieses Versäumnis kann enormen Stress in der nächsten Betriebsprüfung bedeuten.“

Tatsächlich rücken die Kontrolleure vom Finanzamt inzwischen fast immer mit dem Laptop und ausgefeilter Software an, um die Finanz- und Lohnbuchhaltung der Unternehmen nach allen Regeln der Kunst auseinander zu nehmen. Im ersten Schritt checken sie, ob eine Intensivprüfung lohnt. Und zwar durchweg schon anhand der Steuerakten in den Amtsstuben.

Anzeige

Mittlere Firmen im Visier

Offenbart der Schnellcheck Ungereimtheiten im Zahlenwerk der Firma, gehen die Beamten in die Vollen. „Wer da nicht im Vorfeld selbst die Daten filtert, riskiert, dass der Finanzbeamte viel zu viel sieht“, warnt Helmut König, Steuerberater bei Rölfs Partner in Düsseldorf. impulse zeigt, wie sich Firmenchefs auf die neue Qualität der Steuerprüfung einstellen können.

Die Vorgaben aus Berlin für die Kontrolleure vor Ort sind eindeutig: Die Betriebsprüfung soll effizienter werden. Heißt: Die Beamten sollen öfter auftauchen und dabei mehr Beute machen. » Wir suchen uns gezielt die Betriebe aus, bei denen ein hohes Steuerrisiko besteht«, plaudert Bernhard Lindgens vom Bundeszentralamt für Steuern in Bonn aus dem Nähkästchen.

Dabei sind auch Klein- und Mittelbetriebe verstärkt im Fokus. Konnten die bislang weitgehend sicher sein, dass sich die Prüfer nur alle Jubeljahre mal blicken lassen, müssen sie nun umdenken. Wer zum Beispiel stark schwankende Umsätze aufweist oder gar Geschäftsbeziehungen mit dem Ausland pflegt, muss neuerdings jederzeit mit Besuch vom Finanzamt rechnen.

Daten sortieren

Dass sich tagelang ein Prüfer einnistet, ist noch das kleinere Übel. Weit tückischer ist, dass der Beamte schon mit der Prüfungsanordnung eine CD oder DVD mit allen Buchhaltungsdaten oder ausgewählten Bereichen anfordert. Und die muss spätestens zu Beginn der Prüfung vorliegen. Experte König: »Dann wissen Firmenchef und Steuerberater aber auch sofort, wo der Prüfer Schwerpunkte setzt.«

Für vorbereitete Unternehmer kein Problem: Die trennen schon im Vorfeld die Datenbestände. In steuerlich relevante und in solche, die das Finanzamt nichts angehen. Etwa interne Statistiken, Planungsrechnungen oder private Mails und Kontoauszüge. Wer solche Informationen mitliefert, hat das Nachsehen. Was dem Beamten in die Finger fällt, darf er auch auswerten.

Und zwar so: Den Datenträger der Firma filzt der Prüfer auf seinem Rechner komplett durch. Minutenschnell weiß er zum Beispiel, ob es im Kassenbuch Lücken gibt. Oder ob der Betrieb stets den richtigen Umsatzsteuersatz berechnet hat. Berater Moszka: »Da bleibt kaum ein Fehler unentdeckt.« Und was der Finanzbeamte beim Check der Massendaten per Spezialsoftware (»Idea«) an Zeit gewinnt, nutzt er, um sich einzelne Geschäftsvorfälle oder Verträge genauer anzusehen. Wo Einhaken lohnt, zeigt das Programm mit ausführlichen Fehler- und Hinweislisten.

Clevere Unternehmer warten nicht so lange. Sie beauftragen den Steuerberater vorab mit Selbstcheck von Buchführung, Belegen und Verträgen. Ziel: Aufdecken von Fehlern oder Unregelmäßigkeiten, die zu Steuernachzahlungen führen können. Oder Identifizierung von erklärungsbedürftigen Sachverhalten. Experte König: »So vermeidet man böse Überraschungen.«

Wer der intensiven Cyber-Prüfung durch EDV-Abstinenz oder exotische Buchhaltungsprogramme entkommen will, hat die Rechnung allerdings ohne das Finanzamt gemacht. Denn die Behörde sortiert sperrige Firmenchefs automatisch in eine höhere Risikogruppe ein – schon kommen die Kontrolleure öfter zu Besuch.

Die höhere Prüfungsdichte hat freilich auch einen Vorteil. Die Firmenchefs wissen zeitnäher, was das Finanzamt akzeptiert und was nicht. Das schafft Rechtssicherheit. Interessant vor allem für Unternehmer, die Mitgesellschaftern oder Kreditgebern permanent Rede und Antwort stehen müssen. Da macht es sich schlecht, wenn die Bilanzen Jahre später nach einer Prüfung korrigiert werden müssen. Experte König: »Eine stets saubere Steuerweste ist ein klarer Pluspunkt beim Rating der Bank.«

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...