Diverses Anleihen, Private Equity und KfW-Kredite im Überblick

Deutschlands wirtschaftlicher Basis schmelzen wegen der Krise Umsatz und Eigenkapital weg. Doch Banken knausern mit Geld. Alternativen müssen her: Das Wichtigste zu Anleihen, Private Equity und KfW-Krediten.

Kapitalmarkt: Anleihen für Große, Schuldscheine für Kleine

Der Anleihemarkt wird auch für Mittelständler immer interessanter. Seit 2009 boomt der Markt, die Nachfrage der Investoren ist im historischen Vergleich weiterhin groß, und die Zinsen, die Firmen ihren Anleihegläubigern zahlen müssen, sind drastisch gesunken.

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Kein Wunder also, dass bereits 2009 einige deutsche Mittelständler erstmals Anleihen begaben, denen der Markt früher mangels Unternehmensgröße verschlossen geblieben war. Doch auch heute noch gilt: Nicht jeder „Krauter“ kann Anleihen begeben, in der Regel kommen Bonds nur für Firmen infrage, die dreistelligen Millionensummen benötigen – der obere Mittelstand sozusagen.

Für kleinere Firmen sind neuerdings Schuldscheindarlehen eine Alternative, sich von ihrer Hausbank zu lösen. „Sie sind etwas für Mittelständler, die den ersten Schritt an den Kapitalmarkt wagen“, sagt Michael Schramm, der die Platzierung von Schuldscheindarlehen und Anleihen bei der DZ Bank leitet.

Schuldscheine ähneln Anleihen, sind für die Firmen aber mit weniger Aufwand verbunden. So muss beispielsweise kein aufwendiger und teurer Emissionsprospekt erstellt werden.

Allerdings: Schuldscheine sind nicht handelbar. Wer sie kauft, muss bereit sein, sie bis zur Endfälligkeit zu halten. Für die Firmen eine kostspielige Angelegenheit: Sie müssen mit höherem Zins locken als bei Anleihen.

So ist der Schuldschein keineswegs für jedes Unternehmen eine Lösung. „Nur wer eine solide Kreditwürdigkeit aufweisen kann, wird Investoren für ihre Schuldscheine finden“, sagt DZ-Bank-Experte Schramm.

Mareike Scheffer, Frankfurt

Private Equity: Alternative mit Fallstricken

Private Equity kommt für größere Mittelständler seit jeher infrage. Bislang scheiterte ein Einstieg von Beteiligungsfirmen aber häufig daran, dass Unternehmer die Kontrolle nicht abgeben wollen. „Die Investoren wollen in jedem Fall mitgestalten“, sagt Peter Terhart, Chef des Branchenverbands BVK und der Regensburger Sparkassen-Beteiligungsfirma S-Refit.

Von halbstaatlichen mittelständischen Beteiligungsgesellschaften wie der BayBG können auch Firmen mit niedrigem Millionenumsatz Private-Equity-Hilfe bekommen. Größere Finanzierer wie die DBAG wittern durch das Auslaufen diverser Mezzanine-Programme Chancen. „Dadurch wird großer Bedarf für Private Equity entstehen“, sagt DBAG-Chef Wilken von Hodenberg.

Oft aber wollen die Unternehmer allenfalls eine Minderheit abgeben, was nur wenige Finanziers wie Nord Holding, Hannover Finanz oder Banktöchter wie DZ Equity Partner akzeptieren. Dass Investoren auch so Einfluss nehmen können, zeigt der Einstieg von KKR bei der Aromafirma Wild. Zwar hält der US-Investor nur ein Drittel der Wild-Anteile, doch der Beirat ist paritätisch besetzt, ein Börsengang fest vereinbart.

Wichtig seien exakte Ausstiegsmodalitäten, sagt Michael Hinderer, Gründer der Beratungsfirma Altium. Üblich ist, dass der Unternehmer den Anteil in einer Frist zurückkaufen kann. Anderenfalls muss er sich mit dem Finanzier auf den Börsengang oder Verkauf des Investorenanteils einigen. Scheitert all dies, muss der Unternehmer akzeptieren, dass der Investor die Firma komplett verkauft.

Angela Maier, München

KfW: Letzte Ausfahrt Staatsbank

Für einige Mittelständler ist die KfW die letzte Chance, doch noch an einen Kredit zu kommen. Fast 4200 Firmen haben vom März 2009 bis Anfang Februar 2010 einen Antrag auf ein Darlehen aus dem Sonderkreditprogramm der Staatsbank gestellt; 94 Prozent der Anfragen stammen von Mittelständlern, der Rest von größeren Firmen. 16,5 Milliarden Euro sind im Topf.

Das Besondere an den Sonderkrediten, die Teil des Deutschlandfonds sind: Die KfW haftet für maximal 90 Prozent der Kreditsumme. Das schont das Eigenkapital der Hausbanken, die das KfW-Geld letztlich ausreichen, und soll sie ermutigen, Darlehen zu vergeben, die sie bei eigener Vollhaftung noch verweigert hätten.

Dass die Darlehen wie bei den sonstigen Förderprogrammen auch über die Hausbanken ausgereicht werden, bedeutet für die Unternehmen: Ihr Antrag wird gleich zweimal geprüft. Denn auch die Staatsbank muss – was neu für sie ist – die Kredite bewilligen. „Das war eine wahnsinnige Herausforderung für uns“, sagt KfW-Chef Ulrich Schröder.

Gemessen an der Zahl von rund 3,5 Millionen deutschen Mittelständlern und 7,2 Milliarden Euro an zugesagten Mitteln scheint die Wirkung des Programms allerdings begrenzt. „Für den gehobenen Mittelstand sind die Sonderkredite der KfW sicherlich wichtig“, sagt Frank Wallau, stellvertretender Geschäftsführer des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn. „Wie sehr es kleineren Unternehmen hilft, ist aber schwer zu sagen, weil die Daten über die Kreditzusagen nicht nach verschiedenen Unternehmensgrößenklassen differenziert werden.“

Elisabeth Atzler, Frankfurt

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