Diverses Antworten zur Nachfolge

Mit der Reform der Erbschaft- und Schenkungsteuer hat der Gesetzgeber Anfang des Jahres die steuerlichen Konditionen für die Unternehmernachfolge komplett umgekrempelt. Doch statt Klarheit herrscht bei vielen Firmenchefs Unsicherheit. Wir beleuchten drei theoretische Fälle.

Gibt es Möglichkeiten, horrende Steuernachzahlungen aufgrund der Lohnsummenklausel zu vermeiden?

Die Lohnsummenklausel greift nur, wenn mehr als zehn Arbeitnehmer beschäftigt sind. Ist dies der Fall, so besteht die Möglichkeit, vor einer Übertragung durch Schenkung die Mitarbeiterzahl auf zehn zu reduzieren, beispielsweise durch Umwandlung in Leiharbeitsverhältnisse oder Kündigung. So könnte man die Lohnsummen-Problematik gänzlich umgehen.

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Wenn aber erheblich mehr als zehn Arbeitnehmer beschäftigt sind und der Weg über Umwandlung der Arbeitsverhältnisse in Leiharbeitsverhältnisse/Kündigung unmöglich ist, sind vor einer Übertragung durch Schenkung andere, allerdings sehr komplexe Wege denkbar. Diese sollten aber im Vorfeld arbeitsrechtlich geprüft werden.

Ein Sohn soll die Firma erben, der andere Immobilien – diese stecken allerdings im Betriebsvermögen.

Die Regelung der Unternehmens-/Vermögensnachfolge mittels Testament betrifft eine einkommensteuerliche (ertragsteuerliche) Problematik. Denn das Grundstück, das der Sohn erhalten soll, müsste vom das Unternehmen erbenden Sohn unter Aufdeckung der stillen Reserven aus dem Betrieb herausgelöst werden. Um dies zu verhindern, sollte zu Lebzeiten das Grundstück aus dem Betrieb ohne Steuerbelastung gelöst werden. Die hier denkbaren Wege bedürfen allerdings einer eingehenden Beratung eines Einkommensteuerexperten.

Die Auftragslage ist eingebrochen. Der Vater will die Firma (KG) in fünf Jahren an die Kinder übergeben. Diese rechnen damit, dass die Aufträge wieder zunehmen, wollen aber den Firmenwert möglichst klein rechnen, um Steuern zu sparen.

Hier geht es um die Frage der Steuerbelastung einer Schenkung eines KG-Anteils, denn das Unternehmen (KG) gehört nur einem Kommanditisten (Vater). Für die Frage, wie hoch der schenkungsteuerliche Wert eines Kommanditanteils ist, ist der Tag der Schenkung des KG-Anteils ausschlaggebend.

Der „Firmenwert“ (gemeint ist der Wert der KG bzw. des Kommanditanteils) kann grundsätzlich nicht beeinflusst werden. Der schenkungsteuerlich relevante Wert eines Betriebs (bzw. einer KG) ist seit 1. Januar 2009 eine objektivierte Größe. Der Wert der KG wird beispielsweise nach dem Bewertungsgesetz im vereinfachten Ertragswertverfahren auf Basis der Vergangenheitsergebnisse des Unternehmens ermittelt. Die Wertentwicklung des Unternehmens (steigende Umsätze/Gewinne) nach der Schenkung ist für schenkungsteuerliche Belange also nicht mehr entscheidend.

Sollten die KG-Anteile zum Beispiel bereits in 2010 schenkweise übertragen werden, könnte bei der für schenkungsteuerliche Zwecke nötigen Bewertung der KG im vereinfachten Ertragswertverfahren auf die seit 2008 sinkenden Ergebnisse abgestellt werden. Somit wäre der Unternehmenswert wohl niedriger als in fünf Jahren – vorausgesetzt die Umsätze steigen bis 2014 und damit auch die Gewinne. Insoweit würde eine Übertragung im Jahr 2010 wohl zu einem niedrigeren Unternehmenswert und damit einer niedrigeren Schenkungsteuerbelastung führen als in 2014. Eine frühere Übertragung würde somit schenkungsteuerlich günstiger ausfallen.

Dr. Hellmut Götz ist Rechtsanwalt und Steuerberater bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Deutsche Warentreuhand AG. Eines seiner Spezialgebiete ist das Thema Erbschaftsteuer

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