Diverses Arsen und Spitzen-Täubchen

Haben Sie schon einmal während des Essens einen Mord aufgeklärt? Wie – Sie heißen nicht Hitchcock? Das kann doch mittlerweile jeder: Er muss nur zur richtigen Zeit im richtigen Restaurant sein. Leisten Sie sich an diesem Wochenende einfach ein Krimi-Dinner!

Kaum hat der Butler die Gäste an die opulent gedeckte Tafel geleitet, donnert es draußen schon unheilschwanger, irrlichtern grelle Stroboskop-Blitze an den Fenstern zum Schlosshof vorbei. Im Laufe des Abends stellt sich heraus, dass auch Mitglieder der adligen Familie Ashtonburry eingetroffen sind. Und die kommen nicht nur zum Essen. Sie erwarten nach dem Tod von Lord George Ashtonburry die Testamentseröffnung. Der teuere Tote hat mehr als zwei Millionen Pfund hinterlassen. Doch das ist noch lange nicht alles: Hier wird gefeiert, getrunken und gemeuchelt, bis sich die Balken biegen.

Über die ganze Republik von Bayreuth über Köln und Baden Baden bis Bremen verteilt finden in mehr als 200 ausgewählten Locations so genannte Krimi-Dinners statt: Veranstaltungen in meist historischen Gemäuern auf denen bei Kerzenschein und einem opulenten Menu Schauspieler gemeinsam mit dem Publikum einen oder mehrere Morde aufklären – und das macht jede Menge Spaß. Besonders stimmungsvolle Veranstaltungsorte sind die Gelsenkirchener Wasserburg Lüttinghof, Schloss Neetzow in Mecklenburg-Vorpommern oder Burg Satzvey im Rheinland.

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Veranstalter gibt es mehrere, die Menus sind meist viergängig und durchaus schmackhaft. Vor exotischen Überraschungen auf der Speisekarte, die den oft in England spielenden Stücken angepasst wären, muss man sich nicht fürchten. Alexandra Posch vom Marktführer „Engelservice“: „Hammelbraten mit Minzsauce oder Steak-and-Kidney-Pie stehen nicht auf unserem Plan.

Absinth für konsumfreudige Gäste

Spannend wird es trotzdem – zumal die nur kurzzeitig distinguiert wirkenden Familienmitglieder jede Menge schmutzige Wäsche waschen. Tief empfundene Beileidsbezeugungen wie „Gut, dass der alte Geizkragen endlich abgekratzt ist“, gehören noch zu den sympathischeren Äußerungen. So wundert es niemanden mehr, dass nach dem unerwarteten Ableben von Lord Ashtonburrys Halbbruder – er wird von einem Glas vergiftetem Wein dahingerafft – dem Butler nur der Knittelvers „Ein Leichnam von Mensch oder Tieren, stört erheblich beim Dinieren“ einfällt. Unverträglichkeiten erzeugt auch die Stieftochter Cora, die auf die Rolle des „blonden Gifts“ abonniert ist. Aber egal – hier wird konsumfreudigen Gästen sogar Absinth eingeflößt.

Wer an einer dieser Veranstaltungen teilgenommen hat und dabei erst richtig auf den Geschmack kommt – der muss sich nicht grämen. Mittlerweile gibt es jede Menge verschiedener Stücke von „Der Spuk von Darkwood Castle“ über „Mord au Chocolat“ bis „Bei Verlobung Mord“ die von den unterschiedlichsten Veranstaltern angeboten werden. Googeln Sie einfach „Krimi-Dinner“ – und Sie werden ganz bestimmt auch in Ihrer Nähe einen schmackhaften Leichenmaus finden.

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