Diverses Arterien und Venen – der Blutkreislauf

Blut ist die Essenz des Lebens. Was sich in der Literatur dramatisch anhört, ist tatsächlich ein kleines Wunderwerk der Schöpfung. Denn: Ohne Blut läuft im menschlichen Körper nichts. Blut transportiert so ziemlich alles überall hin - und das in rauen Mengen.

Durchschnittlich fünf bis sechs Liter Blut pumpt das Herz pro Minute. Macht 8000 Liter pro Tag und 3 Millionen Liter pro Jahr. Und damit dies geordnet passiert, fließt unser Blut in Bahnen. Diese Bahnen durchziehen den ganzen Körper – vom Scheitel bis zur Sohle. Würde man diese Bahnen alle aneinanderreihen, hätte man eine Strecke von etwa 100 000 Kilometern.

Diese Blutbahnen, auch Blutgefäße genannt, lassen sich in zwei großen Gruppen zusammenfassen. Die einen transportieren Blut zum Herzen hin, die anderen von dort weg. Eine nicht ganz unwesentliche Gruppe dient schließlich dem Austausch der Stoffe, die in den großen Bahnen ihren Weg genommen haben. Ein Überblick:

Anzeige

1. Arterien

In ihnen fließt das Blut vom Herzen weg. Deswegen halten diese Leitungen auch eine recht hohe Druckdifferenz aus. Zunächst folgen wir dem Blut vom Herzen in den Körperkreislauf:
Aus der linken Herzkammer fließt das Blut in die Aorta. Von dieser großen Körperschlagader zweigen sich alle anderen Arterien ab und verästeln sich auf dem Weg durch den Körper immer weiter. Die immer feiner werdenden Gefäße werden Arteriolen genannt. Schließlich ist das Blut in den verschiedenen Organen angelangt. Die Arteriolen sind jetzt hauchdünn. Sie gehen in die Kapillare über.

2. Kapillare

über. Durch den winzigen Durchmesser wird das Blut gebremst und passiert diese Engstellen ganz langsam. Das ist der Trick bei der Sache, denn hier passiert der Austausch von Sauerstoff, Nährstoffen und Stoffwechselendprodukten. Sauerstoff und Nährstoffe passieren die Zellwände und werden in den Organen verarbeitet, Kohlendioxid und Stoffwechselprodukte verlassen die Organe dann wieder. Sie strömen in die Venolen, das Gegenstück zu den arteriellen Kapillaren. Von dort geht es weiter, die Gefäße werden wieder größer. Rund 20 Liter Flüssigkeit werden durch diese Kapillaren täglich gepresst.

3. Venen

Ähnlich einem Fluss sammelt sich das aus dem Körperkreislauf abfließende Blut in immer größeren Venen und strömt schließlich wieder zum Herzen. Vor allem im Rumpf und in den Beinen, also weit weg von der Pumpe namens Herz, sorgen Venenklappen dafür, dass das Blut auch weitergepumpt wird. Diese flügelähnlichen Klappen liegen an den Gefäßwänden an, solange das Blut ungehindert Richtung Herz fließt. Reicht der Druck aber nicht aus, dann schließen sie sich und verhindern einen Rückfluss des venösen Blutes. Das Blut gelangt schließlich zurück zum Herzen. Und zwar in den rechten Vorhof.

Noch ist der Kreislauf nicht geschlossen,. Von der rechten Herzkammer aus geht die Reise des jetzt sauerstoffarmen Blutes Richtung Lunge. Auch hier gibt es wieder ein Kapillargefäßnetz. Doch diesmal ist der Austausch einfacher, denn schließlich wird hier nur ein Stoff getauscht, nämlich Sauerstoff. Während des Abfallprodukt CO2 den Körper durch die Lunge verlässt, wird frischer Sauerstoff in den Blutzellen gelagert und geht wieder auf die Reise Richtung Herz. Sauerstoffreiches Blut gelangt über die Lungenvene wieder zum Herzen, und zwar zum linken Vorhof. Et voila, der Weg beginnt von vorne.

Mögliche Erkrankungen:

Auch Gefäße altern. Im Kapitel über das Herz wurde bereits erläutert, dass durch Ablagerungen an den arteriellen Gefäßwänden eine Verengung stattfindet, die zu gefährlichen Erkrankungen führen kann.

Gerade die weit vom Herzen befindlichen Venen in Beinen und Rumpf sind der Schauplatz einer weiteren möglichen Erkrankung. Diese beginnt mit dem fehlerhaften Schließen der Rückflussklappen, der Venenklappen. Das Blut fließt nicht mehr vollständig zum Herzen zurück, sondern sackt zu einem Teil wieder nach unten. Dieser Rückstau hat gleich mehrere unangenehme Folgen.

Zum einen erhöht sich der venöse Druck durch die größere Flüssigkeitsmenge. Während ein Großteil der Venen in der Muskulatur verlaufen, gibt es Teile des Systems, die dicht unter der Haut liegen. Hier sammelt sich das Blut, die Venen verdicken. Der Experte spricht von Varizen oder Krampfadern. Wird nichts dagegen unternommen, dann verschlechtert sich der Zustand des Gewebes durch den erhöhten Druck. Stoffwechselprodukte werden nicht abtransportiert, sondern sorgen für eine Vergiftung ihrer Umgebung. Die Venenwände werden weiter und schlaffer, dadurch werden weitere Venenklappen in Mitleidenschaft gezogen. Leider sind diese Schäden dann irreparabel. Venenklappen wachsen nicht nach.

Krankheitsbilder sind nicht nur die unschönen dicken Adern, sondern auch müde und schwere Beine. Vor allem lang Sitzende oder Stehende kennen diese Symptome. Liegt man, wird das Gefühl besser, die Schwellungen nehmen ab. Kein Wunder, denn jetzt brauchen die restlichen Venenklappen keine Schwerstarbeit mehr verrichten. Fuß- und Wadenkrämpfe können allerdings die Nachtruhe beeinträchtigen.

Durch örtliche Stauungen des Blutflusses kann sich der Gesundheitszustand weiter verschlechtern, über Entzündungen und Verdickungen der Haut hin zu oberflächlichen Thrombosen und schließlich lebensbedrohlichen Thrombosen, Verfärbungen der Haut an den Unterschenkeln bis hin zu offenen und schlecht heilenden Geschwüren.

Gegen Venenleider aller Art hilft zunächst einmal Bewegung, und zwar möglichst ausdauernd. Jogging, Nordic Walking, Schwimmen oder Inlinen strafft die Bein- und Rumpfmuskulatur. Die tief liegenden Venen werden von den Muskeln gestützt und pumpen zusammen mit den Muskeln das Blut gen Herz. Diesen Effekt nennt man auch Muskelpumpe. Sind Krampfadern aufgetaucht, hilft Bewegung erst recht. Zwar sind Venenklappen nicht regenerationsfähig, doch der gefährliche Rückstau des venösen Blutes nimmt keine größeren Formen an. Kneippkuren und kaltes Wasser straffen das Bindegewebe ebenfalls und unterstützen damit die Struktur der Venen.

Sind die Krampfadern ausgedehnter, kommen oftmals die geliebten Stützstrümpfe ins Spiel. Diese gummierten Liebestöter sind zwar alles andere als sexy oder bequem, jedoch geben sie den Venen den Druck wieder, den sie selbst durch Erschlaffung verloren haben.
Auch eine Verödung oder das Ziehen der äußerlichen Krampfadern ist möglich, jedoch macht dieser Eingriff nur Sinn, wenn danach die Ursache angegangen wird. Schließlich sind wir kein maschinelles Ersatzteillager, bei dem der Chirurg mal eben flott das Übel beseitigt. Stundenlanges Sitzen oder Stehen ohne Bewegung lässt die Krampfadern schnell wieder auftauchen.

Medikamentös wird vor allem geholfen, wenn Thrombosen drohen, sich also Blutgerinnsel auf den Weg durch den Körper machen wollen. Diese Thrombosen entstehen fast alle im unteren Bereich des Körpers, in den Beinextremitäten. Die Medikamente sollen das Blut dünnflüssiger machen, so dass der venöse Rückstau und die Verdickung der Engstellen sich abbauen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...