Diverses Ausgerechnet Hannover

Sie sprechen nicht nur bestes Hochdeutsch: Die Wirtschaftsförderer der Landeshauptstadt machen vieles anders - und haben damit Erfolg.

Der Wimpel von Hannover 96 im
Büro von Andreas Heyer ist Programm:
„Wir wollen auf jeden Fall
in den Uefa-Cup, wenn nicht in die
Champions League aufsteigen“, sagt
der Geschäftsführer von Hannoverimpuls.

Feiner Unterschied zu den
Kickern: Während die seit Jahren im
Bundesliga-Mittelfeld dümpeln, startet
die Wirtschaftsförderungsgesellschaft
durch. Seit der Gründung 2003
haben sich durch Hannoverimpuls
fast 2.500 neue Firmen etabliert.

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Das findet Anerkennung: Hannoverimpuls
zeige, „wie mit strategischem
Know-how ein wichtiger
Schritt zur Professionalisierung der
Wirtschaft sförderung gelingt“, sagt
Matthias Kiese, Wirtschaftsgeograf
an der Universität Hannover. „Hier
wird sinnvoll investiert und nicht
sinnlos subventioniert.“ Sogar CDU Ministerpräsident Christian Wulff
lobt das „richtungsweisende Konzept
„.

Das ist allerhand: Stadt und
Region Hannover als Hauptgesellschaft
er der Wirtschaftsförderung
sind beide Hochburgen der SPD.

Kontrollierte Offensive

Ausgerechnet Hannover macht vor,
wie moderne Wirtschaftsförderung
funktionieren kann. Auswärts gilt die
Stadt als Verkörperung von Mittelmaß.
„Nichts ist doofer als Hannover
„, spötteln viele. Künft ig soll Hannover
nicht mehr nur für klares Hochdeutsch,
sondern auch für Hightech
stehen. Dafür setzt Hannover impuls
auf kontrollierte Offensive. „Gießkannen-
Förderung“ – das war einmal.
Anders als fast überall in der Republik
konzentriert sich die Stadt auf fünf
Schlüsselbranchen: Produktions-,
Bio- und Lasertechnik, Automobilwirtschaft
und Informationstechnologie.

Der Clou: Priorität hat nicht das
Verteilen von Fördergeld, sondern Innovation.
„Wir setzen auf Ideen, nicht
aufs Geld“, betont Heyer.
Seine Jobmaschine rotiert: Seit
2003 schaffte Hannoverimpuls in der
Region 5.600 neue Stellen, bis 2012
sollen es sogar 28.000 sein. Die letzte
Zahl ist nicht handgestrickt, sondern
von der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse
Coopers errechnet.

Das theoretische Gerüst für den neuen
Ansatz stammt von McKinsey, die
Hannoveraner haben es den regionalen
Bedürfnissen angepasst. Geblieben
ist die Idee, sich auch nach
innen modern zu organisieren. „Wir
agieren nicht wie ein Amt, sondern
wie eine Aktiengesellschaft“ , sagt
Heyer. Es gibt Business-Pläne und ein
konsequentes Controlling.

Heyer nutzt den Wettbewerb auch
für beste Unternehmenskonzepte.
Start-ups werden nicht nur mit Preisen
gelockt. Auch mietfreie Büroräume
vergibt die Wirtschaftsförderung
für ein Jahr per Auswahlverfahren:
Der überzeugendste Geschäftsplan
siegt. Fast hundert Gründer werden
so zurzeit hochgepäppelt. Sogar etablierte
Firmen ringen in regionalen
Wettbewerben um die beste Innovation,
das ist bundesweit einzigartig.

Matthias Kählig hat kürzlich abgeräumt
und den Wachstumspreisvon Hannoverimpuls gewonnen. Beeindruckt hat der Plan, mit seiner KAG Antriebstechnik den kleinsten
Elektromotor der Welt zu entwickeln.
Er soll einen halben Millimeter groß
sein und in der Medizin zum Einsatz
kommen: zur Reinigung verengter
Gefäße im Kopf. Unternehmer Kählig
hat die Forschungsabteilung im vergangenen
Jahr um elf neue Jobs aufgestockt.
Der Wettbewerbspreis selbst
– 13.000 Euro und sechs Coaching-
Tage – war für ihn gar nicht mal der
wertvollste Teil. „Am meisten profitiert man von neuen Kontakten und
dem mentalen Schwung einer solcher
Auszeichnung“, sagt er. Wirtschaftsförderer Heyer erhofft sich noch einiges von Kähligs Firma und weiteren Neuansiedlungen. In
der Bio- und Medizintechnik werde
Hannover eines Tages „Deutschlands
Gründerstadt Nummer eins“ sein.

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