Diverses Auslands-Chefs misstrauen Merkel

Impulse befragte Top-Manager ausländischer Konzerne zum Start der Großen Koalition. Fazit: Kanzlerin Angela Merkel, CDU, genießt längst nicht deren volles Vertrauen. Und sie glauben nicht an schnelle, beherzte Reformen.

Die exklusive impulse-Umfrage vermittelt den Blick der Auslandskonzerne mit deutschen Töchtern auf die hiesige Politik. Insgesamt 27 Vorstandsvorsitzende und Deutschland-Chefs standen Rede und Antwort. Die Analyse von Lars G. Josefsson, Chef des schwedischen Energie-Riesen Vattenfall, trifft die Stimmung der Mehrheit der Befragten. „Nach der Wahl ist viel Zeit verloren worden. Ich vermisse die Aufbruchstimmung, die man sich eigentlich von einer neuen Regierung erwartet hatte.“

So glauben 14 von 27 Top-Managern, dass die Große Koalition unter Führung von Angela Merkel keine einschneidenden Veränderungen in Deutsch­land durchsetzen wird. Lediglich sechs Wirtschaftsführer trauen dem Bündnis eine überzeugende Reformpolitik zu.

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Überraschend sind die Einschätzungen zur Führungsqualität der Kanzlerin. Während Merkel von der heimischen Wirtschaft überwiegend als richtige Besetzung im Amt gesehen wird, äußern sich die Manager mit Auslandsbackground skeptisch. Neun von ihnen gaben an, dass sie die Kanzlerin für zu wenig durchsetzungsstark halten, um Deutschland aus der Krise zu steuern. Nur eine Minderheit von sieben Unternehmern glaubt an die Fähigkeiten Merkels. Elf enthielten sich bei dieser heiklen Frage.

Die deutsche Politiker-Kaste in Gänze geriet in der Umfrage stark unter Beschuss. „Deutschland wird von einem Parteien-Oligopol regiert, in dem fast im gesamten politischen Spektrum weltfremde Milieus dominieren“, kritisiert Joachim Reinhart, Chief Operating Officer von Panasonic Europa. Und ergänzt: „Die amerikanische Business-Community hat Mühe, die deutschen Wirtschaftspolitiker wirklich ernst und als verlässliche Partner wahrzunehmen.“

Gleichwohl sehen die Manager Chancen für Deutschlands wirtschaftliches Comeback – vor allem dann, wenn die Sanierung der Sozialkassen und die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts gelingt. Jeffrey L. Scott, Managing Director von Jaguar und Land Rover Deutschland: „Die Investitions-bereitschaft ausländischer Unternehmen ist auf Grund der hohen Arbeitnehmerkosten und starren Arbeitsgesetze noch sehr stark eingeschränkt.“

Weitere Artikel aus dem Ressort Politik können Sie in der impulse-Ausgabe 01/2007, Seite 38, nachlesen.

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