Diverses Aussicht auf US-Rettungsplan treibt den Dax an

Arbeitet an einem Rettungsplan: US-Finanzminister Henry Paulson

Arbeitet an einem Rettungsplan: US-Finanzminister Henry Paulson© dpa

Erholung an der Börse: Der Dax ist am Freitag auf 6200 Punkte gestiegen. Zu den Gewinnern zählten vor allem die zuletzt arg gebeutelten deutschen Finanzwerte - sie haben zum Teil prozentual zweistellig zugelegt. Hintergrund ist offenbar die Ankündigung der US-Regierung, einen Rettungsplan aufzulegen.

Mit einem Kursfeuerwerk hat der deutsche Aktienmarkt am Freitag auf das geplante Rettungspaket der US-Regierung für die amerikanische Finanzbranche reagiert. Der Leitindex Dax stieg bereits zu Handelsbeginn um knapp vier Prozent Prozent auf 6097 Punkte. Die zuletzt gebeutelten Finanzwerte schnellten zwischenzeitlich um bis zu 18 Prozent in die Höhe.

Hintergrund sind die weitreichenden Rettungsbemühungen der US- Regierung: Danach erwägt die Bush-Regierung offenbar, sämtliche faulen Kredite der Banken zu übernehmen. „Wir beschäftigen uns mit einem Ansatz, die systemischen Risiken in den Kapitalmärkten anzugehen“, sagte US-Finanzminister Henry Paulson nach einem Treffen mit ranghohen Vertretern des US-Kongresses.

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Als „stabilitätspolitisch absolut dramatisch und verwerflich“ beurteilte Marktexperte Robert Halver von der Baader Bank die Rettungspläne der US-Regierung: „Das ist die größtmögliche Kapitulation eines Finanzsystems“, sagte er. Allerdings sei dies in dieser Situation dringend nötig und erforderlich und daher auch richtig, um ähnlich wie damals Anfang der 90er Jahre die Krise in den Griff zu bekommen. “ Die Alternative wäre eine Rezession mit ungeahnten Konsequenzen. Somit erkauft sich der Steuerzahler, zu dessen Lasten es geht, Stabilität“, so Halver. In Zukunft würden wohl Geschäftsbanken wichtiger und Investmentbanken teils wie „räudige Hunde“ an die Kette gelegt werden. „Sicher ist, dass die nächste Party mit deutlich weniger Alkohol gefeiert werden wird.“

Für die Experten der Commerzbank ist der neue Rettungsplan der US-Regierung „ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“. Aber die US-Immobilienpreise dürften noch bis Anfang 2010 fallen, die US-Banken dürften sich mit Krediten zurückhalten und die US-Wirtschaft werde bis Ende nächsten Jahres vor sich hin dümpeln. Auch der Abschwung der Wirtschaft im Euroraum und in Deutschland werde länger dauern als die meisten erwarten. Dies laste auf den Unternehmensgewinnen. Nachhaltig erholen dürften sich europäischen Aktien erst, wenn sich niedrigere Leitzinsen der Europäischen Zentralbank abzeichnen. „

Es kehrt ein Stück Vertrauen in die Märkte zurück“, sagte Analyst Olaf Kayser von der Landesbank Baden-Württemberg. Die Kursgewinne von Finanztiteln gingen überwiegend auf Short-Eindeckungen zurück, also von Anlegern, die zuvor die Aktien leer verkauft hätten und nun auf die positiven Nachrichten aus den USA reagieren müssten. Wie nachhaltig die Aufwärtsentwicklung im Bankensektor und im Markt insgesamt sei, bleibe abzuwarten: „Wir kennen bisher keine Details der US-Pläne und wissen nicht, wie weit sie auch vom US-Kongress abgesegnet werden.“

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