Diverses Ausweitung der Preiszone

Ob Firmenwagen, Maschinen, Computer oder Praxiseinrichtung – viele Anbieter erhöhen in der Wirtschaftskrise ihre Raten drastisch. Angebote zu vergleichen lohnt mehr denn je. Der exklusive impulse-Test zeigt, wie viel Geld Unternehmer jetzt sparen können.

Wenn Wilhelm Lindemann von „effizienten Prozessen und Systemen“spricht, weckt das mitunter Misstrauen. Denn Lindemann ist Chef von IKB Leasing, einer Tochter der IKB Deutsche Industriebank. Genau: des einst halbstaatlichen Instituts, das nach waghalsigen Spekulationen mit Derivaten fast pleitegegangen wäre und seit vergangenem Herbst dem Finanzinvestor Lone Star gehört, einer amerikanischen „Heuschrecke“.

Auf Unternehmer wirkt das zuweilen wenig vertrauenswürdig. Doch im Gegensatz zur Mutter war IKB Leasing nie eine Zockerbude – eher schon ein Hort der kaufmännischen Vorsicht. Während in den vergangenen Jahren so mancher Wettbewerber mit Dumpingangeboten in die roten Zahlen rutschte und nun seine Preise drastisch anhob, glänzt die IKB mit Kontinuität bei den Konditionen.

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„Wir haben die Übertreibungen der letzten Jahre nicht mitgemacht“, sagt Lindemann. Wohl auch deshalb lässt sein Haus beim Pkw-Leasing inzwischen die gesamte Konkurrenz hinter sich. Kein anderer Anbieter konnte im großen impulse-Leasingtest günstigere Monatsraten für einen Audi A6 bieten: 892 Euro; die teuerste der 17 eingeholten
Offerten betrug 1078 Euro, satte 21 Prozent mehr.

Zum fünften Mal hat impulse gemeinsam mit dem Ginsheimer Beratungshaus Leasecontrol den Leasingmarkt untersucht. Die Tester forderten von den 200 wichtigsten Gesellschaften in Deutschland Angebote für vier typische Leasinggüter an: einen Dienstwagen für den
Chef, die IT-Ausstattung für ein Steuerbüro, die Einrichtung einer Zahnarztpraxis
sowie eine digitale Druckmaschine.

Die Testmethode

Gemeinsam mit der Ginsheimer Beratungsgesellschaft Leasecontrol hat impulse im Februar und März Angebote von 200 führenden deutschen Leasinggesellschaften eingeholt. Die Stichprobe gibt einen Einblick in die aktuellen Konditionen auf dem Markt.

Das Verfahren
In den Sparten Autos, Maschinen, IT und Praxisausstattung bat jeweils ein reales Unternehmen bei Leasinganbietern um ein Angebot für ein konkretes Investitionsobjekt. Es wurde maximal einmal nachgefasst.

Die Kandidaten
Aus über 2000 Leasingfirmen auf dem deutschen Markt hat Leasecontrol die 200 Marktführer in den Branchen ausgewählt und ihre Angebote geprüft.

Die Auswertung
Aus Raten, Bearbeitungsgebühren und Kosten zum Vertragsende errechnen die Experten den Gesamtaufwand für die Kunden sowie die effektiven Jahreszinsen – ein Maß für die Kosten, die der Kunde zusätzlich zum Warenwert zahlen muss. So lassen sich die Angebote direkt mit Zinsen auf Kredite vergleichen.

 

Die Analyse zeigt Unternehmern, worauf sie vor Vertragsabschluss mit einem Leasingpartner
unbedingt achten sollten. Und der Test offenbart, auf welchem Niveau sich die Konditionen aktuell bewegen, welche Anbieter zu viel verlangen, welche günstig sind. Hier gibt es zwei
entscheidende Entwicklungen: Zum einen wird Leasing teurer. Zum anderen hat sich die Preisspanne erheblich ausgeweitet.

Je nach Leasinggut weicht das teuerste Angebot von der günstigsten Offerte um 9 bis 21 Prozent ab – bei keiner vorherigen Untersuchung war die Differenz so groß.

Hauptursache: die Finanzkrise. Erhöhte Kreditzinsen holen sich die Leasingfirmen von den Kunden zurück. Die gestiegenen Risiken des Geschäfts zwingen sie zudem, Sicherheitsaufschläge zu verlangen. Denn: „Zu welchen Preisen die Leasinggesellschaften Autos, Maschinen oder Großrechner nach Ablauf eines Vertrags verkaufen können, ist zurzeit nur schwer kalkulierbar“, erklärt Gerrit Seidel, Leasingexperte beim Beratungshaus Arthur D. Little. Ein Problem, das vor allem bei Firmenwagen deutlich wird.

Der sogenannte Restwert, also der im Gebrauchtwagenmarkt erzielbare Preis eines Autos nach Ablauf des Leasingvertrags, ist in den vergangenen zwölf Monaten stark gefallen. So ist zum Beispiel der Testwagen Audi A6, traditionell ein wertstabiles Auto, derzeit gebraucht rund fünf Prozent weniger wert als vor einem Jahr. Bei größeren, PS-stärkeren Fahrzeugen ist der
Einbruch noch weit dramatischer.

Lutz Köper, Leiter Automotive bei VR-Leasing, prophezeit daher weiter anziehende Leasingraten: „Wir gehen von Steigerungen um 10 bis 15 Prozent aus.“ Ein gutes Angebot zu bekommen ist schwierig, wie der impulse-Test deutlich zeigt: „Noch nie blieben so viele Anfragen unbeantwortet“, berichtet Leasecontrol-Vorstand Udo Dewein. Er musste deshalb sogar die Testmethode umstellen – und bei etlichen Gesellschaften nachhaken, um überhaupt Offerten zu erhalten. In früheren Jahren hatten die Tester bewusst nicht nachgefasst.

Selbst auf Nachfrage gaben nur 30 Prozent der Pkw-Finanziers einen konkreten Vorschlag ab. Besonders mager war der Rücklauf bei der Digitaldruckmaschine. Von 28 Leasinggesellschaften konnten oder wollten nur acht ein Angebot machen. Und lediglich vier waren auf die Anforderungen der Ausschreibung eingegangen. Der Testkunde wollte, dass
der Vertrag 51 Monate läuft – bis zur nächsten Druckmaschinenmesse Drupa. Denn dann kommen neue Modelle auf den Markt; ein Austausch der Maschine könnte sinnvoll sein.

Verträge bergen oft Fallen

Selbst große Gesellschaften verabschiedeten sich aus der Druckmaschinenausschreibung.
„Offenbar war ihnen die Maschine unbekannt“, vermutet Experte Dewein. Firmen brauchen aber ausgewiesene Spezialisten als Leasingpartner. Die Sachkenntnis zeigt sich vor allem
bei der Ausgestaltung des Vertrags. Für die Druckmaschine hatten impulse und Leasecontrol ausdrücklich um einen Mietkaufvertrag gebeten. Der Grund: Bei dieser Variante gilt der Kunde von Beginn an als wirtschaftlicher Eigentümer des Objekts. Die Leasinggesellschaft besitzt
aber den „Eigentumsvorbehalt“, bis die letzte Rate gezahlt ist – erst dann gehört
die Maschine dem Nutzer auch im juristischen Sinne.

Der Clou der Konstruktion: Der Kunde kann außer der Abschreibung auch die Zinsen als Betriebsausgaben von der Steuer absetzen. Immer wieder bekamen die Tester Angebote
vorgelegt, bei denen die Vertragsart ungünstig für den Kunden war. Der Frankfurter Zahnarzt Stephen Andreas etwa, der für impulse die Testausschreibung für eine komplette Praxiseinrichtung startete, hatte ausdrücklich um die Möglichkeit gebeten, die Einrichtung
nach Ablauf der Leasingzeit übernehmen zu können. Denn: „Es ist ziemlich ungewöhnlich,
eine Praxiseinrichtung zu leasen“, gibt Andreas zu. „Wenn die Möbel einmal aufgestellt sind, passen sie eigentlich nur in diese eine Praxis.“

Für den Leasingexperten Dewein hätte deshalb alles für einen sogenannten Vollamortisationsvertrag mit Kaufzusage gesprochen. Hier decken die Leasingraten den Anschaffungspreis der Ware und die Kosten des Leasinggebers vollständig
ab. Am Ende der Nutzung können Unternehmer das Leasingobjekt dann zum Restbuchwert oder Zeitwert kaufen.

Doch etliche Angebote, die Zahnarzt Andreas auf den Schreibtisch bekam, sahen stattdessen eine Teilamortisation vor. Bei einem solchen Kontrakt ist das Leasinggut am Ende der Laufzeit nur teilweise bezahlt. Besonders riskant ist zudem das in diesen Verträgen oft vorgesehene
einseitige „Andienungsrecht“ der Leasinggesellschaft. Das bedeutet: Wenn sie dem Leasingkunden das Objekt anbietet, muss er es kaufen. „Das passt hier nicht“, erklärt Leasecontrol-Vorstand Dewein. Er rät von dieser Vertragsvariante daher ab, weil „der Kunde das volle Restwertrisiko trägt“.

Erfolgsrezept: verschiedene Banken als Partner

Bernhard Sünderhauf, Chef des Testsiegers Altamed, kalkulierte für Zahnarzt Andreas wunschgemäß – und das zu günstigen Konditionen. Sein Erfolgsrezept: Er arbeitet mit zehn verschiedenen Banken als Finanzierungspartnern zusammen.

„Da verkraften wir es, wenn
sich jetzt einige Geldhäuser aus dem Geschäft mit Leasingfirmen zurückziehen.“

Zudem gelingt es dem erfahrenen Medizintechnikexperten, Empfangstheken und Wandschränke auf dem Gebrauchtmarkt zu verkaufen, wenn Ärzte sie nicht übernehmen wollen. „Manche Lieferanten kaufen das zurück, wir haben auf jeden Fall Interessenten.“

Ganz entscheidend ist der Vergleich der Vertragsarten bei der IT-Finanzierung.
Bei Computern, Laptops, Servern und Druckern, deren Wert wegen der rasanten
Technikentwicklung schnell verfällt, sind die Margen für die Leasinganbieter minimal. Viele versuchen daher, über Angebote mit „kündbarem Vertrag“ ihren Gewinn zu erhöhen.

Und das funktioniert so: Der Leasingnehmer kann den über unbestimmte Zeit laufenden Vertrag zu festen Terminen kündigen. Viele Anbieter spekulieren darauf, dass ihre Kunden die Stornierung schlicht vergessen. Dann läuft der Vertrag drei oder vielleicht sogar sechs
Monate weiter – ein teures Versäumnis.

Leasingexperte Dewein rät, gleich zu Vertragsbeginn die Kündigung zum gewünschten
Termin auszusprechen und schriftlich festzuhalten. Beim Testsieger Grenkeleasing gehen
Kunden dieses Risiko nicht ein, weil die Gesellschaft Verträge mit Vollamortisation, also ohne Kündigungsrecht, vorschlug.

Kostenreduktion durch Markterfahrung

Seit mehr als 30 Jahren erweist sich die Firma aus Baden-Baden als zuverlässiger Partner und in diesem Jahr überdies als der günstigste IT-Anbieter. Der Grund: Dem Spezialfinanzierer
für Bürokommunikation gelingt es, günstige Preise zu bieten, indem er seine langjährige
Markterfahrung zur Kostenreduktion nutzt. So arbeitet Grenke eng mit IT-Händlern zusammen, wickelt Anfragen online ab und versucht, sich nicht nur bei Banken, sondern auch direkt am Kapitalmarkt zu refinanzieren.

Das Beispiel Grenke zeigt zudem einen weiteren Trend auf. Wegen der Finanzkrise haben sich vor allem jüngere Leasingfirmen wieder aus dem Geschäft mit Büroausstattung verabschiedet. Durchgesetzt haben sich im Test daher Gesellschaften, die schon lange auf dem Markt sind und wissen, wie man gebrauchte IT nach dem Ende der Leasingzeit weiterverkauft.

Uwe Hack, Vizechef bei Grenke, weist auf einen weiteren Effekt der Branchenbereinigung hin: „Die Wettbewerbsintensität hat sich abgeschwächt.“ Daher gilt: Unternehmer, die Investitionsgüter leasen möchten, sollten unbedingt eine Ausschreibung machen, um Preise vergleichen zu können.

Der impulse-Test zeigt, wie es geht: Zunächst holt man von einem
Produktlieferanten einen Kostenvoranschlag ein; danach geht diese Offerte an Leasingfirmen mit der Bitte um Angebote. Wer dabei präzise Angaben zur gewünschten Vertragsart und Laufzeit macht, kann nachher die Raten einfach vergleichen.

Die Marktführer anzusprechen genügt in vielen Fällen. Lediglich in Spezialmärkten wie dem für Digitaldruckmaschinen sollten Unternehmer auf Leasingberater zurückgreifen, die in ihrem
Auftrag passende Finanziers suchen und ihre Angebote prüfen. Wer das beherzigt, kann auch in Zukunft vom Leasing profitieren, betont Arthur-D.-Little-Experte Seidel. „Insgesamt bleibt Leasing eine attraktive Form der Finanzierung.“

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