Diverses Bahn frei für die Billig-GmbH

Deutsche Unternehmer dürfen neuerdings Firmen nach internationalem Recht gründen. Für wen sich dies bezahlt machen kann.

Dominosteine sind das Lieblingsspielzeug
von Uwe Nerlich. „Ein Anstoß genügt und die Dinge
kommen ins Laufen“, freut sich der
Unternehmer aus dem bayerischen
Wernberg.

Der Impuls für seinen Aufschwung
kam im Juni 2003: Damals
wandelte er seine Einzelfirma in eine
Kapitalgesellschaft um. Aber nicht in
eine GmbH, sondern in eine Limited
nach britischem Recht. Seitdem kann
sich der Anbieter von Postautomaten
vor Aufträgen aus aller Welt kaum retten.
„Wir werden jetzt bei internationalen
Ausschreibungen ernst genommen
und steigen voraussichtlich
schon in diesem Jahr zum Marktführer
auf“, schätzt der Firmenchef.

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Ein Beispiel, das Schule machen
könnte: Nach einem Urteil des Europäischen
Gerichtshofs in Luxemburg
dürfen sich deutsche Unternehmer
jetzt aussuchen, in welcher Rechtsform
sie mit ihrer Firma unterwegs
sein wollen (Aktenzeichen C 167/01).
Somit können sie künftig etwa unter
britischer oder französischer Flagge in
der Bundesrepublik ihren Geschäften
nachgehen. Und das kann durchaus
Sinn machen: Denn bei Kosten, Bürokratie
und Steuern sieht die deutsche
GmbH im Vergleich zur europäischen
Konkurrenz ziemlich alt aus.

„Da wird sich in den nächsten Jahren
ein Wettbewerb der Systeme entwickeln.
Zum Vorteil der Unternehmer“,
erwartet Professor Malte Schindhelm,
Chef einer Anwaltskanzlei in Osnabrück
und Experte für internationales
Gesellschaftsrecht.
Die neue Freiheit verdanken Firmenchefs
in der EU einem niederländischen
Kunsthändler. Der hatte sein
Unternehmen in eine britische Limited
umgewandelt, obwohl er seine Geschäfte
ausschließlich in den Niederlanden
betrieb. Prompt bekam er Ärger
mit der dortigen Industrie- und
Handelskammer. Sie wollte die Firma
nur eintragen, wenn sie Extra-Pflichten
übernommen hätte und sich den
Zusatz „formal ausländische Gesellschaft“ hätte gefallen lassen. „Das ist
diskriminierend und verstößt gegen
die Niederlassungsfreiheit“, urteilten
Ende 2003 die Richter am Europäischen
Gerichtshof.

Zugleich machten sie mit der
deutschen Praxis Schluss, dass nur Firmen
mit inländischen Rechtsformen
anerkannt werden. Wer das nicht beachtete,
wurde bislang vom Registergericht
einfach zur offenen Handelsgesellschaft
mit voller Haftung für alle
Geschäftsverbindlichkeiten umfunktioniert.

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