Diverses Banken-Rettungspaket: Was Bund und Länder vorhaben

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur

Gerd Kühlhorn: stellvertretender impulse-Chefredakteur© Michael Dannenmann

Mit einem milliardenschweren Rettungspaket will die Bundesregierung der Finanzbranche wieder auf die Beine helfen - so weit, so gut. Allein die Zahlen, die Kanzlerin Angela Merkel dabei präsentiert, stimmen nicht. Und schlimmer noch: Mit ihrer Rechnung versucht die Große Koalition, das Wahlvolk für Dumm zu verkaufen, sagt Gerd Kühlhorn, stellvertretender impulse-Chefredakteur.

Wer mit Milliarden jonglieren kann, der wird an dieser Rechenaufgabe nicht scheitern: Wieviel sind 35 Prozent von 500? Auf Ihrem Zettel steht jetzt 175, vielleicht haben Sie es auch im Kopf ausgerechnet – allein das Ergebnis ist falsch. Sie können nachrechnen: einmal, zweimal, x-mal. Sie können befreundete Controller und Mathematiker fragen – Ihr Ergebnis bleibt falsch. Das richtige Ergebnis verdanken wir der Bundeskanzlerin Angela Merkel, von der wir ja wissen, dass sie für mehr Bildung alles bereit wäre zu tun. 35 Prozent von 500 sind in ihrer Rechnung 7,7. Nicht genau 7,7 sondern eher so ungefähr, es könnte auch weniger sein. Maximal 7,7 – so heißt das richtige Ergebnis – und damit sich niemand gegen derart krude Mathematik wehren kann, macht Berlin vorsichtshalber ein Gesetz daraus.

Die Zahlen kommen Ihnen bekannt vor, aber was stimmt mit dieser Rechnung nun wirklich nicht? Sie ist der faulste Kompromiss, den die Große Koalition den Wählern je zugemutet hat. Sie ist derart unverfroren, weil die Regierung davon ausgeht, sie habe es mit einem Volk von Klippschülern zu tun, dass man jetzt richtig wütend wird. Hintergrund: Der Bund will die Länder an den Kosten für die Sanierung des maroden Finanzwesens zu 35 Prozent beteiligen, das aber sei viel zu viel, klagten die Ministerpräsidenten. Mit den Mitteln deutscher Konsensual-Arithmetik fand sich die Lösung: Die Länder tragen 35 Prozent der Sanierungskosten im Bankenwesen – müssen aber höchstens 7,7 Milliarden Euro aufwenden.

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Doch was der Bundesregierung recht ist, sollte uns billig sein. Liebes Finanzamt Brühl: Ich bin ab sofort bereit, den Höchststeuersatz auf das gesamte Einkommen zu akzeptieren, ach was, setzen Sie außerdem auf den Steuersatz gleich noch was drauf – 80 Prozent? Wunderbar. Zahl ich wirklich gerne, allerdings nur bis zu einer jährlichen Höchstsumme von tausend Euro. Ist doch sicher okay, wenn es die Kanzlerin auch so macht, oder?

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