Diverses Banken unter Generalverdacht

Die Notrettung der Hypo Real Estate sowie die Verstaatlichung mehrerer anderer europäischer Banken haben das Misstrauen der Anleger in die Branche geschürt. Besonders kritisch werden derzeit Institute beäugt, die sich vor allem am Kapitalmarkt finanzieren.

„Derzeit stellt der Markt die Überlebensfähigkeit von Banken, die von der Refinanzierung am Kapitalmarkt abhängen, infrage“, sagt der Nord/LB-Analyst Michael Schulz. Das zeigt sich besonders im Aktienkurs der Aareal Bank, der seit Jahresbeginn 75 Prozent eingebüßt hat. Die Immobilienbank ist auch in der Staatsfinanzierung aktiv. Der belgisch-französische Staatsfinanzierer Dexia sackte am Montag um rund 30 Prozent ab. Seit Jahresbeginn hat die Aktie damit knapp 60 Prozent verloren, ebenso viel wie die Commerzbank. Die Commerzbank ist zwar eine Universalbank mit Einlagen, hat mit dem Erwerb von Eurohypo und Essen Hyp in den vergangenen zwei Jahren zwei große Staatsfinanzierer geschluckt.

Für solche Spezialbanken, die sich auf die Finanzierung von Staaten und Kommunen spezialisiert haben, ist das Klima rauer geworden. Ihre Gewinnspannen sind extrem dünn. Banker berichten, dass Investoren die Geschäftsmodelle stärker als früher auf ihre Profitabilität hin prüfen. „Die Märkte trauen Staatsfinanzierungsbanken angesichts der Zinsentwicklung derzeit nicht zu, positive Margen zu erwirtschaften“, sagt DZ-Bank-Analyst Sebastian Sachs.

Anzeige

„Das Geschäftsmodell kann sich tendenziell nur rechnen, wenn eine Bank entweder auf Fristen- oder auf Risikotransformation zurückgreift“, sagt Christoph Anhamm, Pfandbriefexperte der Royal Bank of Scotland. Fristentransformation bedeutet, dass eine Bank langfristige Kredite ausgibt und sich kurzfristig Geld beschafft – in der Hoffnung, dass die kurzfristige Finanzierung günstiger ist. Bei der Depfa führte dies zur Finanzlücke. „Bei der Risikotransformation versucht sie, ihre Marge dadurch zu verdienen, indem sie auch Kredite an solche öffentlichen Stellen vergibt, die eine weniger starke Bonität haben“, sagt Anhamm.

Staatskredite als Sicherheit

Zwei Entwicklungen erschweren Staatsfinanzierern aktuell das Geschäft: Staatskredite sind gefragt, daher sinken deren Renditen. Zugleich sind die Refinanzierungskosten selbst für Pfandbriefe gestiegen. Der Renditeabstand zwischen Bundesanleihen und der Rendite für öffentliche Pfandbriefe hat sich um etwa 0,7 bis 0,8 Prozentpunkte erhöht.

Das Misstrauen gegen Staatsfinanzierer deutete sich Anfang September an, als die deutsche Dexia-Tochter Dexia Kommunalbank damit scheiterte, einen mit Staatskrediten gedeckten Pfandbrief zu platzieren. Die gewünschte eine Milliarde Euro an Kaufaufträgen kamen nicht zusammen.

Diese Überlegungen belasten Händlern zufolge auch Aktien der Commerzbank. Bei öffentlichen Pfandbriefen im Konzern benötigt sie in den nächsten zwölf Monaten für 6 Milliarden Euro eine Anschlussfinanzierung. In Finanzkreisen heißt es aber, dass es Alternativen gebe, sollten Pfandbrief-Finanzierungen schwierig bleiben. So könnten die zugrunde liegenden Staatskredite als Sicherheit für Geldleihgeschäfte mit anderen Banken dienen. Zudem könnten die Staatspapiere als Sicherheit bei der Europäischen Zentralbank hinterlegt werden. Grundsätzlich würden bei der Commerzbank konzernweit alle langfristigen Kredite langfristig refinanziert. Dies gelte auch für die inzwischen integrierte Essen Hyp, die früher aggressiver war. Die Aareal Bank wehrte sich gegen die Verdächtigungen. Ein Sprecher betonte, die Bank sei „kerngesund“.

Für Aufmerksamkeit sorgt auch, dass einige Banken in Kürze hohe Beträge zurückzahlen müssen, weil Anleihen fällig werden. Das gilt gerade auch für Landesbanken, die oft ebenfalls im Staatskreditgeschäft stark engagiert sind. Bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) etwa werden 2008 noch Anleihen über 21 Milliarden Euro fällig und 2009 über 81 Milliarden Euro. Das wird ein Problem, wenn damit viele längerfristige Kredite gegenfinanziert wurden. Werden dagegen Kredite fällig, kann eine Bank auf deren Verlängerung verzichten. Aus Kreisen der LBBW hieß es, dass die Bank sich nach wie vor zu akzeptablen Konditionen am Markt refinanzieren und Bonds platzieren könne.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...