Diverses Bankenkrise oder Krisenbanken

Prof. Dr. Ottmar Schneck, Lehrstuhl für Banking, Finance & Rating, European School of Business (ESB) an der Hochschule Reutlingen, Gründer der Prof. Dr. Schneck Rating GmbH

Prof. Dr. Ottmar Schneck, Lehrstuhl für Banking, Finance & Rating, European School of Business (ESB) an der Hochschule Reutlingen, Gründer der Prof. Dr. Schneck Rating GmbH

Nun ist es wieder so weit. Die schlaflosen Nächte der Investmentbanker werden länger, die Füße der Anleger kälter und die journalistischen Ausführungen über die unfähigen Banken umfangreicher. Es wird bereits wieder von einer Kreditklemme für die Unternehmen, insbesondere für den Mittelstand gesprochen und Angstszenarien wie zur Einführung von Basel II und dem Rating durch Banken seit 1.1.2007 geschürt.

In der Tat haben wir auf den Finanzmärkten eine schwierige Situation. Aber verglichen mit Börsencrash im Jahre 2000 muten die aktuellen Daten im Langfristbarometer eher den „kleineren“ Rückschlägen, wie den Einbrüchen beim Golfkrieg 1990 und 1991, der Pfundkrise 1992 oder der Tequilakrise 1995 aufgrund der Zahlungsunfähigkeit von Mexiko.

Nach Schumpeter haben Krisen in der Wirtschaft immer reinigende Funktionen. Schon 1987 war dies eine probate Erklärung für Investments von einfachen Sparern in hochriskante Anlageformen bis die Blase platzte. Die Vision, dass alle reich werden können und es keinem dabei schlechter geht als vorhin, ist nur in der Theorie von Pareto möglich. Tatsächlich wird jede Spekulation, auch die in Immobilien an der Realität gemessen und letztlich nur aufgehen, wenn nicht fundamental gegen rationale Sachverhalte gehandelt wird. Und real und rational ist eben, wenn Schulden zurückgezahlt werden.

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Im Falle der Immobilienkrise der USA ist dies sicher nicht der Fall gewesen. Wie überall zu lesen war, wurden Kunden Immobilienkredite geradezu aufgedrängt und sogen institutionelle Anleger via Asset Backes Securities diese Risiken geradezu auf.
Dass Kredite irgendwann zurückzuzahlen sind und die Bonität hierfür ausreichen muss, ist eine Binsenweisheit. Der Katzenjammer jetzt ist daher nicht nachvollziehbar. Der eigentliche Skandal ist daher nicht die Spekulation durch Hedgefonds und Forderungsaufkäufer an sich. Skandalös ist, dass diese hohen Risiken wiederum durch Kredite von vermeintlich sicherheitsorientierten Landesbanken finanziert wurden.

Angetreten als Clearingstellen für Sparkassen und der Bündelung von Spezialtransaktionen für ihre Mitglieder, hätten bereits vor Jahren eine Bankenaufsicht und nicht zuletzt die Landesbankeigner selbst diese Risiken sehen und verhindern müssen. Die Gier scheint aber auch hier das Gehirn aufzufressen.

Aktuelle Vorschläge die zentrale Bankenaufsicht der BaFIN teilweise wieder zu zerschlagen und Teile auf die Bundesbank zu verlagern, sind solange keine Lösung, solange Vorständen und Aufsichtsräten die Gier nicht ausgetrieben wird. Erst wenn die Macht der Investmentbanker in den Vorstandsetagen durch wieder normale Realbanker mit Fundamentaltheorien ersetzt wird, kann Ruhe einkehren in einen Transformationsprozess, der nach Lehrbuch Fristen, Losgrößen und Risiken zu managen hat. Gier kommt in diesem bankwirtschaftlichen Dreigestirn an Aufgaben nicht vor und Ratingagenturen sollten dies ebenfalls beachten.

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