Diverses Bankenrettung: Neue Männer braucht das Land

Nur drei Monate nach seiner Gründung droht dem Bankenrettungsfonds "Soffin" das Chaos: Günther Merl, Chef des Leitungsgremiums, tritt zurück. Und was noch viel schlimmer ist: Einen geeigneten Nachfolger zu finden, ist fast unmöglich, sagt impulse-Politikchef Dirk Horstkötter. Eine Bestandsaufnahme.

Die Wahl des Namens scheint kein gutes Omen. „Soffin“, kurz für „Sonderfonds Finanzmarktstabilität“, klingt nicht nach erfolgreicher Rettung, sondern nach dauerhaften Sorgen. Und davon gibt es nun scheinbar eine mehr, seit der Soffin-Chef Günther Merl das Handtuch geworfen hat. Nach gängiger Lesart hat ein hochqualifizierter Experte, ehedem Chef der Hessischen Landsbank, vor der stetigen Einmischung der Politik kapituliert. Meine Interpretation: Bei der Bewältigung einer sich ständig wandelnden Krise unter Einsatz von Staatsmilliarden trennt sich die Manager-Spreu vom Weizen. Bei der Treuhand-Anstalt haben wir das schon einmal erlebt.

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Es hat quälende Monate gedauert, bis taugliche Strukturen und Personen gefunden waren, um den Transformationsprozess der DDR-Staatswirtschaft zu organisieren. Wer erinnert sich noch an den Kurzfrist-Treuhand-Präsidenten Reiner Maria Gohlke, der nur einen Monat amtierte? Der Merl-Abgang war ein klärender Auswahlprozess: Wir brauchen Bessere für diese gewaltige Aufgabe. Wer auf diesem Posten sitzt, darf sich auch nicht wirklich über politische Einmischung mokieren – schließlich wird mit Steuergeld hantiert. Die Kunst erfolgreicher Organisationsführung besteht darin, Politiker und Staatsbeamte auf die eigene Seite zu ziehen.

Gesucht ist eine Person, welche den politischen-ökonomischen Balanceakt beherrscht. Die Anforderungen sind gestiegen. Beim „Soffin“-Start sah es noch so aus, als genüge kluges Rettungsschirm-Management. Jetzt müssen Wege gefunden und gepflastert werden, die Geldhäuser vor weiteren Abschreibungen schützen, ohne alle Verluste sofort dem Staat aufzubürden. Im Finanz-Sprech: Eine intelligent aufgestellte „Bad Bank“ muss her. Wahrlich kein Feierabend-Job.

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