Diverses Bauindustrie gesteht Lücken bei Aufsicht ein

Eine Branche kämpft um ihr Ansehen: Die deutsche Bauindustrie übt nach massiven Pfuschvorwürfen bei den U-Bahnen Köln und Düsseldorf Selbstkritik - und wehrt sich gegen kollektive Schuldzuweisung.

„Die Baufirmen müssen offensichtlich Lücken in ihrer Bauüberwachung schließen“, sagte Manfred Nußbaumer, für Technik zuständiger Vizepräsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie. Öffentliche Auftraggeber treffe jedoch ebenfalls ein Teil der Schuld. Sie hätten nicht mehr genug kompetente Ingenieure für eine effektive Bauaufsicht.

Die Branche kämpft um ihr Ansehen. Seitdem bekannt geworden ist, dass beim Bau der U-Bahnen in Köln und Düsseldorf provisorische Sicherungswände nicht ordnungsgemäß ausgeführt und Dokumente manipuliert wurden, gibt es immer neue Vorwürfe. So hatte der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) das Baukonsortium um den Mannheimer Konzern Bilfinger Berger bei einer Gedenkfeier zum Jahrestag des Zusammenbruchs des Kölner Stadtarchivs – für den die Schuld bislang noch nicht geklärt wurde – scharf kritisiert und das komplette System der Bauaufsicht infrage gestellt.

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Manager fürchten dauerhafte Folgen

Spitzenmanager fürchten dauerhaft negative Folgen für den Wirtschaftszweig. „Die Bauindustrie ist durch die Vorkommnisse bei mehreren Projekten in die Schlagzeilen geraten. Das bedeutet zunehmende Schwierigkeiten für das Image der Branche“, sagte Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter der Financial Times Deutschland. Den Kritikern warf er vor, zu undifferenziert zu argumentieren: „Da werden jetzt viele Menschen, Mitarbeiter kollektiv abgestraft, die täglich hart und qualifiziert arbeiten und deshalb eigentlich Lob verdient hätten.“ Auch Michael Knöfel, Chef des Verbandes der Tiefbauunternehmen, wehrte sich gegen Kollektivkritik.

An der Kölner U-Bahn-Baustelle hat sich die akute Bedrohungslage entspannt. Eine schnelle Flutung der Baugrube sei nicht mehr geplant – schon installierte Schlauchleitungen seien entfernt worden, teilten die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) am Freitag mit. Die KVB, als Bauherr und gleichzeitig Aufsichtsbehörde der Krisenbaustelle in der Kritik, hatte eine Flutung erwogen, um die Stabilität des Baus auch bei Hochwasser des Rheins gewährleisten zu können.

In Düsseldorf hat die Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben noch nicht über ein Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit Betrugsvorwürfen beim U-Bahn-Bau entschieden. Bilfinger-Berger-Chef Herbert Bodner will am Montag erneut zu den Pfuschvorwürfen Stellung nehmen.

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