Diverses „Beatlemania“ in Hamburg

Was halten Sie von jungen Musikern, die sich eine Klobrille um den Hals hängen, bevor sie eine Bühne betreten? Wie? Das haben Sie noch nie gehört? Bildungslücke nennt man so etwas! Aufzufüllen im neuen Beatles-Museum in Hamburg.

Das klingt aber staubtrocken, höre ich Sie jetzt schon entgegnen. Überraschung: Ist es nicht. Das Museum, das ich meine, quillt über von übermütigen Ideen, schrillen Fotos und unterhaltsamen Geschichten aus dem Schowbiz. Und leise müssen Sie dort schon gar nicht sein.

Am besten reisen Sie möglichst bald nach Hamburg, gehen auf die Reeperbahn und dann bis zum Nobistor. Dort öffnete am letzten Wochenende das Beatles-Museum „Beatlemania“, das nicht nur die frühen Tage der Liverpooler Fab Four in der Hansestadt dokumentiert sondern auch die Karriere der Band bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1969 nachzeichnet.

Anzeige

Devotionalien und begehbare Nachbauten

Besucher werden mit unsterblichen Hits von „Help“ über „Fool On The Hill“ bis „Revolution“ berieselt, sehen jede Menge durchgeknallter langhaariger Fans die sich die Seele aus dem Hals schreien und können Devotionalien und Erinnerungsstücke aus dem Umfeld der Band (Verträge, Rechnungen, Zeichnungen etc) bestaunen. Begehbare Nachbauten von Orten, die für die Band wichtig waren, laden auch zu sinnlichen Erfahrungen ein.

Wer den Hals dann immer noch nicht voll hat, kann ganz großartigen Fanartikel-Unsinn aus den Kindertagen des Merchandising kaufen: von Beatles-Strümpfen über Beatles- Gläser bis hin zu Beatles-Figuren. Im Cover der Beatles LP „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“ können Sie sich fotografieren lassen oder einen Beatles-Song einsingen den Sie auf einem MP3-Stick mit nach Hause nehmen dürfen.

Am authentischsten gerieten den Ausstellungsmachern, von denen die meisten die Beatles persönlich kannten, natürlich die Hamburger Jahre. Anfang der 60iger – also als noch niemand ahnte, dass die damals fünfköpfige Formation mit ihrem musikalischen Schlachtruf „Yeah, Yeah, Yeah“ die ganze Welt erobern und das Musikbusiness tiefgreifend verändern würde, spielten die Engländer nachts bis zu neun Stunden in schummrigen Hamburger Kaschemmen wie dem Kaiserkeller, dem Indra oder dem Star Club – und zogen fast jede Nacht um die Häuser.

Diese Zeit haben die Kuratoren für 2,5 Millionen Euro in fünf Etagen auf mehr als 1300 Quadratmetern mit großer Liebe zum Detail aufbereitet. Da sind ganze Häuserzeilen und Clubs auf der damals noch sündigen Hamburger Vergnügungsmeile nachgebaut, werden persönliche Dokumente und Aufzeichnungen der Musiker präsentiert, hängen ganz viele Fotos an den Wänden, werden aber auch Verstärker und Instrumente gezeigt.

Dazwischen sind immer wieder Videos von musikalischen Weggefährten wie dem Sänger/Gitarristen Tony Sheridan oder dem Grafiker und Bassisten Klaus Voormann zu sehen. Selbstverständlich wird auch Astrid Kirchherr, der Schöpferin der charakteristischen Pilzkopf-Frisur gewürdigt. „Ich treffe Paul und Ringo immer, wenn ich in London bin, der Kontakt wird nie abbrechen“, erzählte die 71-Jährige bei der Eröffnung des Museums.

Und der junge Mann, der mit der Klobrille auf der Bühne erschien – das war John Lennon. Der wurde 1962 von einem Angestellten des Hamburger Star Clubs beim Vögeln – Entschuldigung Kopulieren – auf der Toilette erwischt und sofort auf die Bühne gescheucht. Aus Ärger riss Lennon die Klobrille ab, hängte sie sich um den Hals und hatte bei seinem anschließenden Auftritt nur noch eine Unterhose und Stiefel an.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...