Diverses Berater bilden Manager weiter

Das Geschäft mit der Manager-Weiterbildung zieht wieder an. Doch der Wettbewerb ist so hart wie nie. Nicht nur Business-Schulen machen sich die zahlungskräftige Klientel streitig - auch Beratungsfirmen mischen mit.

Vor zwei Jahren legte der deutsche Nutzfahrzeughersteller MAN ein Weiterbildungsprogramm für seine Manager auf, um sie in die globale Strategie des Konzerns einzuweisen. Dafür holte Personalvorstand Jörg Schwitalla nicht irgendeine Business-Schule an Bord sondern gleich zwei der renommiertesten in Europa: die WHU – Otto Beisheim School of Management und die Saïd Business School in Oxford. „Jede Schule hat ihre Stärken“, begründete Schwitalla seine Entscheidung. Während die WHU vor allem für Praxisnähe stehe, könne Saïd mit seinem Netzwerk und einem besonderen Lernumfeld punkten.

Schwitalla hat offensichtlich die richtige Wahl getroffen. Anfang Juni wird das MAN-Programm jedenfalls mit dem „Excellence in Practice Award 2010“ der European Foundation for Management Development in Brüssel ausgezeichnet. Damit geht der Preis für die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Business-Schulen zum ersten Mal an eine deutsche Hochschule und an ein Partner-Trio aus einem Unternehmen und zwei Business-Schulen in zwei Ländern.

Anzeige

„Diese Konstellation ist eher eine Ausnahme“, sagt Bernadette Conraths, Leiterin für Executive Development an der WHU. Kein Wunder: Der firmeninterne Markt für Manager-Weiterbildung ist ein extrem lukratives Geschäft. 40.000 Euro pro Tag und mehr veranschlagen die Schulen für einen Kurstag. Hinzu kommen Konzeption und Vorbereitung. Den Kuchen teilen die Schulen nur ungern.

Die Konkurrenz von den Beraterfirmen

„Der Wettbewerb wird härter und es gibt immer mehr Mitspieler“, sagt auch Jim Pulcrano vom IMD in Lausanne. Denn mittlerweile versuchen auch Beratungsfirmen, in dem Markt Fuß zu fassen. „Die arbeiten mit externen Experten zusammen und sparen so die hohen Fixkosten“, sagt Pulcrano. Das IMD gehört laut dem neuen FT-Ranking zu den weltweit fünf besten Anbietern von maßgeschneiderten Manager-Weiterbildungen. Pulcrano meint, dass die IMD-Programme ganz klar von der akademischen Expertise der Professoren und von der Integration neuester Forschungsergebnisse profitieren. Wichtig sei aber auch, dass das IMD Aufträge selektiere. „Wir können nicht alles für alle Kunden machen“, sagt Pulcrano.

Die größte Herausforderung sei, dass Unternehmen immer kürzere Programme haben wollten, in die E-Learning-Komponenten integriert seien. „Wir haben jetzt ein Forschungsprojekt zum Thema Blended Learning aufgesetzt“, sagt Pulcrano. Schließlich wisse bis heute niemand, welche Lehrmethoden wirklich funktionieren. Das wolle man nun herausfinden. Einen Trend zum Online-Lernen hat auch die Esade Business School in Barcelona (Rang drei im FT-Ranking) ausgemacht. Sie arbeitet daher verstärkt mit integrierten Lernplattformen, auf denen die Teilnehmer konkrete Aufgaben aus ihrem Arbeitsumfeld bearbeiten.

Messbare Ergebnisse sind gefragt

Darüber hinaus zeichnet sich ein anderer Trend ab: „Die Firmen wollen vor allem messbare Ergebnisse sehen“, sagt Whitney Hischier, stellvertretende Dekanin für Weiterbildung am UC Berkeley Center for Executive Education an der Haas School of Business in Kalifornien. Um den Lernfortschritt besser dokumentieren zu können, entschieden sich viele für modulare Programme, die über einen längeren Zeitraum laufen.

Laut David Newkirk von der Darden School of Business an der University of Virginia geht es bei den firmeninternen Seminaren in erster Linie darum, den Personalmanager zufrieden zu stellen. „Unternehmen wollen bewährte Konzepte“, sagt Newkirk. „Da können wir nicht experimentieren.“ Nur in offenen Seminaren könne man neue Ansätze ausprobieren. Die Erfahrungen würden dann später in die maßgeschneiderten Programme einfließen.

Dass Darden im FT-Ranking für offene Kurse so gut abschneidet (Platz eins), liegt an den guten Professoren, meint Newkirk, der in den letzten Jahren eine deutliche Veränderung der Kursinhalte beobachtet hat. „Früher ging es darum, Managern ohne MBA die Kenntnisse aus einem MBA-Studium zu vermitteln“, sagt er. „Heute geht es um das Geschäft als Ganzes.“ Die Teilnehmer überdenken also auch Geschäftsstrategien des eigenen Unternehmens.

Das sieht auch Bertrand Moingeon so. „Wir hatten sogar im letzten Jahr ein geringes Wachstum, weil die Teilnehmer in unseren Programmen ihre eigene Praxis reflektieren konnten“, erklärt der stellvertretende Dekan an der HEC in Paris. „Die Leute brauchen keine neuen Fertigkeiten, sondern eine andere Einstellung.“ Es gehe daher eher darum, Strategien neu auszurichten.

Deshalb entwickelt sich laut Moingeon auch die HEC ständig weiter. Mittlerweile bietet die Grand Ecole auch Programme zu eher außergewöhnlichen Themen wie „Wertschöpfung durch strategisches Finanzmanagement“ auf Englisch an und expandiert international. Vor Kurzem gab sie die Eröffnung eines neuen Zentrums für Executive Education im Golfstaat Katar bekannt.

Auch das IMD hat sich mittlerweile neu aufgestellt. „Bisher haben wir unseren Campus in Lausanne immer als globalen Treffpunkt gesehen“, sagt der geschäftsführende Direktor Pulcrano. Inzwischen biete die Schule aber immerhin 35 Prozent der Programme an anderen Standorten an – überall auf der Welt.

Trotz der steigenden Anforderungen sieht Carsten Schaefer im Weiterbildungsbereich noch viel Potenzial. „Hier können die Schulen zeigen, dass ihr Wissen relevant ist und sie das Geschäft ihrer Kunden verstehen“, sagt der Personalberater bei der 3C Career Consulting Company in München, der sich auf den Bildungsbereich spezialisiert hat. Allerdings bräuchten die Schulen dazu einen gut ausgebildeten Stab an Mitarbeitern und genau daran mangele es. Schaefer: „Bisher haben Business Schools manchmal leider selbst das schlechteste Management.“

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...