Diverses Berater leiden unter der Konjunkturschwäche

Geht es Firmen schlecht, leiden auch deren Berater. Diese Erfahrung müssen derzeit Deutschlands Consulting-Unternehmen machen.

Geht es Firmen schlecht, leiden auch deren Berater. Diese Erfahrung müssen derzeit Deutschlands Consulting-Unternehmen machen. Der Gesamtumsatz der Unternehmensberater ist im Vergleich zu den zweistelligen Zuwachsraten der Vorjahre (2000: 11,8 Prozent) mit 5,5 Prozent 2001 deutlich langsamer
gewachsen. Auch für 2002 ist nach Ansicht des Bundesverbandes Deutscher
Unternehmensberater (BDU) keine Besserung in Sicht. Mit maximal 4,5 Prozent Wachstum rechnet die Branche.

Ursache für die gebremste Nachfrage ist vor allem die schwache gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Dies hat im vergangenen Jahr laut BDU-Präsident Rémi Redley dazu geführt, dass „die Unternehmen ihre Investitionen in innovative Projekte zu Gunsten von kostenreduzierenden Sofortmaßnahmen aufgeschoben oder storniert haben“.

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Besonders deutlich wird die Entwicklung, wenn man das Wachstum der
einzelnen Beratungsfelder betrachtet. Während die Organisationsberatung im
Vergleich zum Vorjahr um 17,8 Prozent und die Strategieberatung um
11,5 Prozent zulegte, verlor das Beratungsfeld IT-Beratung/IT-Services 5,7 Prozent.

„Das erste Halbjahr 2001 ist bei den meisten Beratungsfirmen noch sehr zufriedenstellend verlaufen. Erste Impulse für eine Abschwächung
kamen ab etwa Mai von der Telekommunikationsbranche“, so Redley. Danach habe sich die New Economy Stück für Stück und zuletzt im freien Fall verabschiedet. Die großen Verlierer auf Beraterseite sind für ihn die Multimedia- und Internetagenturen. Diese seien für zahlreiche Fehleinschätzungen in diesem Marktsegment abgestraft worden. „Hier wurden von den Führungskräften klassische Managementregeln missachtet und weder eine professionelle
Personalplanung noch eine vorausschauende Kostenrechnung betrieben.“

Der Konjunkturabschwung zeigt nach den Erkenntnissen des BDU auch deutliche Auswirkungen auf die Anwerbung von neuen Beratern. Während die Branche in den vergangenen Jahren noch händeringend neue Berater gesucht hat, wurde 2001 nur noch sehr verhalten eingestellt. „Dies gilt ebenfalls für das laufende Jahr“, sagt Remy. Für 2002 rechnet der BDU wie bereits für letztes Jahr nur noch mit 3.500 bis 4.000 offenen Beraterpositionen. Bislang hätten deutsche Beratungsfirmen im Gegensatz zu den amerikanischen größere Entlassungen weitgehend vermeiden können. „Mit einzelnen Budgetkürzungen, Sabbaticals oder bis zu einem halben Jahr verzögerten Einstellungen versuchen besonders die Top-40 ihre aufwändig rekrutierten Berater zu halten. Bei wieder gefüllten Auftragsbüchern müssen die Projektteams gleich loslegen können“.

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