Diverses Betriebe vernachlässigen ältere Mitarbeiter

Altgedient gleich ausgedient? In Zukunft müssen sich Deutschlands Unternehmer auf eine immer älter werdende Belegschaft einstellen. Das Problem vieler Mittelständler: Sie sehen in Seniormitarbeitern mehr Kostenfaktor als Chance.

Mittelständische Unternehmen kümmern einer Studie zufolge noch zu wenig um ihre immer älter werdenden Mitarbeiter. So gibt es deutlich weniger Weiterbildungsmaßnahmen für ältere als für jüngere Beschäftigte, heißt es in der Untersuchung, die die Commerzbank am Mittwoch zusammen mit Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Berlin vorstellte. Demnach hält es fast die Hälfte der Unternehmen für problematisch, Menschen bis zum 67. Lebensjahr zu beschäftigen. Von der Leyen sagte, der demografische Wandel komme unaufhaltsam auf die Gesellschaft zu. Er werde das Land nachhaltiger prägen als die gegenwärtige Wirtschaftskrise.

Laut von der Leyen werden ältere Mitarbeiter fälschlicherweise vor allem als „Kostenfaktor“ gesehen. In den vergangenen Jahren habe es „großzügige Möglichkeiten“ gegeben, in den Vorruhestand zu gehen. Daher hätten viele Unternehmen überhaupt keine Erfahrung damit, was es bedeute, ältere Menschen im Betrieb zu haben. „Das ist sicherlich auch mit ein Grund, warum sich Vorurteile über die Defizite älterer Beschäftigter so lange halten können, anstatt über die Kompetenzen, die Chancen, die Möglichkeiten zu reden“, sagte die Ministerin. Die
Älteren könnten nicht immer das Gleiche wie die Jüngeren. Sie hätten aber Fachwissen, identifizierten sich stärker mit ihrem Unternehmen und fehlten seltener – wenn sie am richtigen Platz säßen.

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Fachkräfte vor allem in der Krise halten

Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, forderte Unternehmen auf, mehr für ältere Mitarbeiter zu tun. Im Gespräch mit dem Sender WDR 5 schlug er am Mittwoch mehr gesundheitliche Vorsorge im Betrieb und den verstärkten Einsatz
altersgemischter Teams vor. „Vor allem aber dürfen ältere Arbeitnehmer bei der Weiterbildung nicht zurückstehen so nach dem Motto: Das lohnt sich doch nicht mehr bis zur Rente“, sagte er. Gerade in der Krise müssten Unternehmen darauf achten, ihre gut ausgebildeten Fachkräfte und deren Fachwissen und Erfahrung nicht zu verlieren.

Die meisten Mittelständler haben laut Studie zwar verstanden, dass es einen demografischen Wandel gibt. Die Bedeutung für die eigene Firma erkennen viele aber noch nicht. Mit einem Personalmangel rechneten viele erst in der Zukunft – vor allem bei Auszubildenden. Der Mittelstand strebe eher eine Verjüngung der Belegschaften an – und das stehe im Widerspruch zum demografischen Trend. Denn immer weniger junge Leute strömen auf den Arbeitsmarkt. Schon heute ist laut Studie mehr als die Hälfte der Mitarbeiter bei Mittelständlern
zwischen 30 und 50 Jahren alt. In wenigen Jahren hätten diese Beschäftigten das Alter erreicht, das heute oft als problematisch angesehen wird.

Firmen erwarten mehr Bereitschaft von Mitarbeitern

Der Umfrage zufolge fordern die Unternehmen ein gesellschaftliches Umdenken, um ältere Mitarbeiter länger beschäftigen und besser integrieren zu können. Eine deutliche Mehrheit plädiert für einen vorurteilsfreien Umgang der Generationen untereinander und für eine „Abkehr vom Jugendwahn“. Allerdings erwarten drei Viertel der befragten Mittelständler auch eine größere Bereitschaft von ihren Mitarbeitern, im höheren Alter zu arbeiten und zu lernen. Für die Studie befragte TNS Infratest im Winter mehr als 4000 Unternehmen.

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