Diverses Betriebliche Altersvorsorge als Instrument zur Mitarbeiterbindung

Wie hat sich die betriebliche Altersvorsorge in den vergangenen Jahren entwickelt – und wo liegt ihre Zukunft? Das erklärt Hartmut Moormann, Senior Manager im Bereich Human Capital Advisory Services bei Deloitte in Düsseldorf, im impulse-Interview.

impulse: Wie viele Arbeitnehmer haben einen Vertrag zur betrieblichen Altersvorsorge abgeschlossen?

Hartmut Moormann: Leider gibt es keine ganz aktuellen Zahlen: 2004 waren es etwa 46 Prozent der Beschäftigten, 2006 bereits 65 Prozent. Die Vermutung liegt nahe, dass wir heute bei über 70, vielleicht sogar bei 80 Prozent liegen.

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Welche Form der betrieblichen Altersvorsorge ist die beliebteste?

Die Entgeltumwandlung. Und das war früher anders: Bis in die Neunziger Jahre haben traditionell die großen Unternehmen eine zusätzliche Rente für ihre Angestellten finanziert, und zwar in Form eines festen Betrages oder eines prozentuellen Anteil des Endgehalts. Heute zahlt der Arbeitgeber zwar vielleicht einen bestimmten Beitrag bei einem Versorgungsträger ein, aber was daraus wird, ist abhängig von der Versicherungs- oder Fondsgesellschaft. Außerdem werden die Arbeitnehmer heute viel mehr eingebunden. Sie bekommen die Rente also oft nicht mehr wie früher zusätzlich, sondern indem sie Gehaltsteile zurücklegen.

Was ist der Grnd für diesen Wechsel?

Erstens müssen alle Unternehmen sparen, also gibt es kein Geld mehr für Betriebsrenten. Zweitens: Die Entgeltumwandlung ist heute so verbreitet, weil seit 2002 die Arbeitnehmer einen Anspruch darauf haben. Außerdem ist sie unter allen Modellen am günstigsten. Und sie ermöglicht den Arbeitgebern Einsparungen bei der Sozialversicherung. Trotzdem bieten noch immer nicht alle Unternehmen den Beschäftigten eine betriebliche Altersvorsorge an.

Warum nicht?

In erster Linie kostet es den Arbeitgeber natürlich Geld, auch wenn es nur Verwaltungskosten sind. Hinzu kommt, dass viele Unternehmen darauf warten, dass die Mitarbeiter auf sie zukommen und nach betrieblicher Altersvorsorge fragen. Das tun aber viele nicht. Speziell für die jungen Arbeitnehmer ist Altersvorsorge häufig kein Thema.

Gibt es denn Erkenntnisse darüber, welche Unternehmen betriebliche Altersvorsorge anbieten und welche nicht?

Je größer ein Unternehmen ist, desto höher ist der Anteil der Mitarbeiter mit betrieblicher Altersvorsorge. Zum 30. Juni 2004 hatten 46 Prozent aller Arbeitnehmer eine betriebliche Altersversorgung. Bei den Firmen mit 100 bis 199 Mitarbeitern sind es 4 drei Prozent Bei Firmen mit 200 bis 499 Mitarbeitern 56 Prozent und bei 500 bis 1000 Mitarbeitern sind es 68 Prozent. Bei größeren Unternehmen kann man davon ausgehen, dass fast jeder Mitarbeiter eine betriebliche Altersversorgung hat. Siedelt man den Mittelstand bei bis zu 499 Mitarbeitern an, kommt man auf eine Quote von nur 40 bis 60 Prozent.

Wo sehen Sie die Zukunft der betrieblichen Altersvorsorge?

In Deutschland herrscht Fachkräftemangel. Unter den Unternehmen ist der Kampf um die besten Arbeitskräfte in vollem Gang. Sie lockt und hält man nicht nur durch hohe Gehälter. Unter diesem Aspekt wird die betriebliche Altersvorsorge sicherlich für viele Firmen noch interessanter werden. Vor allem die Modelle, bei denen sich der Arbeitgeber flexibel an der Vorsorge beteiligen kann, werden zunehmen. Einige Firmen legen beispielsweise den Teil, den sie bei der Sozialversicherung einsparen, auf die Altersvorsorge der Mitarbeiter drauf. Oder sie beteiligen sich in Abhängigkeit des Jahresergebnisses mit einem bestimmten Betrag. Solche Regelungen werden künftig zunehmen.

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