Diverses Betriebsräte uneins über Fiat-Einstieg

Fiat will sich Opel greifen: Kaum wurde die Nachricht bekannt, schrie der Gesamtbetriebsrat auf. Nur nicht die Italiener, hieß es in Rüsselsheim. Doch von der Gewerkschaft aus Eisenach kommen nun ganz andere Töne.

Der Betriebsratschef des Opel-Werkes in Eisenach steht einer möglichen Beteiligung von Fiat positiv gegenüber. Es gebe gute Erfahrungen aus einer früheren Zusammenarbeit mit Fiat, sagte der Betriebsratsvorsitzende Harald Lieske am Freitag im rbb-Inforadio.

Von schlechten Erfahrungen mit den Italienern sprach dagegen Hessens IG-Metall-Chef Armin Schild, der im Opel-Aufsichtsrat sitzt. Wie Schild neigt auch der Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werkes, Rainer Einenkel, eher einen Zusammenschluss mit dem Autozulieferer Magna zu. Aus der Politik kamen unterdessen warnende Äußerungen, einzelne
Investoren nicht öffentlich abzuschrecken.

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Mit Fiat und dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna haben sich erstmals ernsthafte Interessenten für die Tochter des angeschlagenen US-Autoriesen GM herauskristallisiert. Fiat-Chef Sergio Marchionne sagte allerdings, es gebe bislang keine direkten Gespräche. Sein Konzern sei offen für Dialoge mit einer ganzen Reihe von
Autofirmen.

Ein italienischer Gewerkschaftsvertreter sagte, Marchionne habe Bereitschaft signalisiert, Gespräche mit Opel in Erwägung zu ziehen – und zwar ungeachtet der Tatsache, dass Fiat
auch mit dem angeschlagenen US-Autobauer Chrysler Gespräche über eine Partnerschaft führe. Auf der Opel-Arbeitnehmerseite waren indes Stimmen laut geworden, die bei einem Fiat-Einstieg Job-Verluste und Werksschließungen bei Opel prognostizierten. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz hatte vor erheblichen Einschnitten bei Opel gewarnt.

Inzwischen sind auf Opel-Arbeitnehmerseite die Äußerungen vorsichtiger. „Im Moment ist es ja so, dass sowohl Fiat Absatz hat als auch Opel“, sagte Eisenach-Betriebsratschef Lieske. Er
rechne nicht mit einer Werksschließung in Eisenach. Für beide Fahrzeuglinien sei offensichtlich im Moment ein Markt vorhanden. „Wenn Fiat rein wirtschaftlich überlegt, müsste das zumindest bei den Kleinmodellen eher zum Vorteil von Opel ausgehen.“

Der Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werkes bleibt dagegen skeptisch. „Fiat und Opel haben nun mal das gleiche Produktportfolio“, sagte Einenkel dem Sender WDR 5. Da der Markt nicht ohne weiteres zu vergrößern sei, müssten Werksschließungen verhindert werden. Einen Einstig von Magna sieht er positiver: „Magna hat einen guten Ruf als Zubringer und
Komponentenhersteller“, sagt er dem Sender rbb. Der Konzern habe kein eigenes Autoprogramm, das in Konkurrenz zu Opel stehe. „Und da könnte ich mir vorstellen, dass diese Verbindung sehr erfolgreich sein könnte.“

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers warnte unterdessen davor, einzelne Ideen für Opel öffentlich kaputt zu reden. „Ich halte es für richtig, dass wir alle
Möglichkeiten jetzt prüfen, daraus ergibt sich dann erst die Antwort auf die Frage, wo der Staat helfen muss und wo er helfen kann, sagte er am Rande einer Veranstaltung in Köln zu Reuters. In Nordrhein-Westfalen liegt mit Bochum der zweitgrößte deutsche
Opel-Standort.

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