Diverses Betrunken im Büro?

Jeder zehnte Arbeitnehmer greift im Job zur Flasche. Die Schäden für Firmen sind immens, doch kaum ein Chef wagt das heikle Thema anzusprechen. Was Sie dennoch tun können.

Das alljährliche Sommerfest, der Geburtstag vom Chef oder das Dienstjubiläum des verdienten Kollegen – mit einem Glas Sekt, Wein oder Bier wird im Betrieb gerne angestoßen, wenn es etwas zu feiern gibt. Weniger gerne sehen es Chefs, wenn Mitarbeiter außerhalb solcher Feiern zur Flasche greifen.

Doch viele tun es. Rund vier Millionen Deutsche trinken im Job. Jeder zehnte bis zwölfte Arbeitnehmer hat starke Probleme mit Alkohol. Über- oder Unterforderung, körperliche Belastung durch Arbeitsbedingungen, Stress, Mobbing, Schichtarbeit, unklare Aufgabenbereiche und fehlende Entscheidungsspielräume – da suchen Arbeiter und Angestellte, aber auch Führungskräfte schnell den Trost bei Wein oder Schnaps.

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Die Folgen sind fatal. Nicht nur für die Betroffenen. Alkoholkranke Mitarbeiter fehlen 16-mal häufiger als andere Kollegen. Sie sind 2,5-mal häufiger krank, erleiden 3,5-mal häufiger Betriebsunfälle und fehlen danach 1,4 mal häufiger. Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren schätzt, dass bei zehn bis 30 Prozent der Betriebsunfälle Alkohol eine Rolle spielt. Ein Mitarbeiter mit Alkoholproblemen bringt nur Dreiviertel seiner üblichen Arbeitsleistung. So entstehen Kosten von rund 1,25 Prozent der gesamten Lohn- und Gehaltssumme eines Unternehmens.

Haben Mitarbeiter Probleme mit Alkohol, müssen Führungskräfte etwas tun. Zum Wohle des betroffenen Kollegen, aber auch zum Wohle des Unternehmens. Das Sozialnetz-Hessen, eine Initiative zur betrieblichen Gesundheitsförderung, schlägt einige Verhaltensregeln für Firmenchefs vor:

  • Der Vorgesetzte ist kein Therapeut: Er erstellt keine Diagnose und führt keine Behandlung durch. Er nimmt seine Fürsorgepflicht war, in dem er die Auffälligkeiten des Mitarbeiters sammelt und dokumentiert und diese mit ihm bespricht.
  • Früherkennung als Chance zum Neubeginn: Vorgesetzte sollten lernen, die Symptome von Alkoholkrankheit frühzeitig zu erkennen.
  • Zusätzliche Handlungshilfen: Führungskräfte sollten betriebsinterne Hilfsnetze wie Arbeitsgruppen kennen und diese frühzeitig in Anspruch nehmen. Darüber hinaus sollte er sie über externe Betreuungs- und Behandlungsmöglichkeiten Bescheid wissen, um dem Betroffenen Alternativen zeigen zu können.
  • Transparentes Leistungsprofil: Chefs sollten mit dem Betroffenen klären, welche beruflichen Leistungen von diesem in Zukunft erwartet werden. Danach richtet sich dann die Stellenbeschreibung.
  • Interventionen: Bemerken Vorgesetzte Verhaltensauffälligkeiten, müssen sie den ersten Schritt tun und den Kranken darauf ansprechen.

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