Diverses Bewertungschaos
Holger Externbrink leitet bei impulse den Bereich Geld

Holger Externbrink leitet bei impulse den Bereich Geld© Florian Schwinge

Angesichts der Finanzkrise fordert Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann neue Bewertungsregeln für die Bilanzen der Banken. Keine gute Idee, sagt impulse-Redakteur Holger Externbrink. Sein Kommentar zeigt: Das Konzept macht die Zahlenwerke undurchsichtig - und könnte neue Begehrlichkeiten wecken.

Das wird Ärger geben. Zu Recht. Heute schlägt Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des internationalen Bankenverbandes IIF neue Bilanzierungsstandards vor. Danach sollen Banken bei einem starken Wertverfall von Wertpapieren nicht den vollen Verlust bilanzieren müssen. Auf diese Weise will sich die Finanzbranche bei Krisen wie derzeit vor dem Ausweis zu hoher Verluste schützen. Damit würden die Institute jedoch das von ihnen selbst geforderte Bilanzprinzip des Fair Value auf den Kopf stellen.

Es geht natürlich nicht, Gewinne sofort auszuweisen, Verluste aber verstecken zu wollen. Zwar will Ackermann als Zugeständnis nun auch den sofortigen Gewinnausweis kappen, damit die Verlustverschleierung gelingt. Doch das wäre ein Kuhhandel, auf den sich die Regierungen nicht einlassen sollten. Wer am Fair Value rüttelt, schafft Intransparenz. Zudem wirft man Bilanzregeln nicht bei der ersten Krise über den Haufen. Im Gegenteil – die Bewertungsstandards wirken nur dann vertrauensfördernd, wenn sich die Wirtschaft langfristig darauf verlassen kann. Und noch eines: Wer einmal die Tür öffnet, an Bewertungsfragen zu drehen, wird sie nicht mehr schließen können. Als nächstes wollen Unternehmen, deren Beteiligungen weniger Wert geworden sind, abschreiben, dann wollen Firmen ihre Lagerbestände neu bewerten. Und. Und. Und. – So nicht, Herr Ackermann.

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