Diverses Bildung: Verhaftet die Wulffs und Rüttgers!

Dirk Horstkötter: Ressortleiter Politik

Dirk Horstkötter: Ressortleiter Politik

Die Kulturhoheit der Länder sollte kein unantastbares Gut sein - schon gar nicht, wenn es um Bildung geht. Das findet impulse-Redakteur Dirk Horstkötter. Sein Kommentar zeigt: Die Schulabrecherquote ist nach wie vor zu hoch. Die angekündigten Maßnahmen der Länder blieben bisher offenbar wirkungslos. Dafür müssten sie bestraft werden.

Die Kanzlerin Angela Merkel ruft die „Bildungsrepublik Deutschland“ aus und will in dieser Sache demnächst durchs Land reisen. Ein löbliches Vorhaben, aber ohne Nutzen. Als ehedem Gerhard Schröder die Zukunft der neuen Länder zur Chefsache erkor und sommers durch eben jene tourte, war das einzig nachhaltige Ergebnis ein Rap-Song von Stefan Raab – „Hol mir ma ne Flasche Bier“. Die Moral von der Geschicht’: Durch Reisen wird sich bei der Bildung rein gar nichts drehen.

Weitaus effektiver wäre es, eine öffentliche Debatte um Behäbige und Heuchler in der Bildungspolitik loszutreten. Man käme in die Landeshauptstädte. Hier sitzen Ministerpräsidenten wie Christian Wulff, Jürgen Rüttgers oder Günther Oettinger. Sie führen große Reden, dass die Kulturhoheit der Länder ein unantastbares Gut und bei ihnen bestens aufgehoben sei. Nur beim Einlösen sind sie ganz klein: 80.000 junge Menschen entlassen sie jedes Jahr ohne Schulabschluss auf den Arbeitsmarkt. Immer wieder haben die Bundesländer versprochen, die Schulabbrecherquote zu halbieren – bislang ohne Erfolg.

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Ja, man bemüht sich. Landauf, landab wurden Bildungsziele definiert, Qualitätssicherung etabliert, Schulreformgesetze verabschiedet. Und doch krankt es an zweierlei: Das Personal an der Ministeriumsspitze wird den Ansprüchen an DAS Zukunftsressort zuweilen überhaupt nicht gerecht. Außerdem investieren die Regierungen alles in allem immer noch zu wenig Geld – und das Wenige verteilen sie dummerweise oft auch noch mit der Gießkanne.

Nun ist es platt und wahrscheinlich vergeblich, von Rüttgers&Co. neue Leute und neue Mittel einzufordern. Es gibt bessere Wege, sie in die Haftung zu nehmen. Ein interessanter ist schon in der Welt: Für jeden Schulabbrecher müssen die Länder einen Ausgleichsbetrag zahlen. Die Ministerpräsidenten mit solchen Ideen zu belästigen, ist lohnender, als sie zu besuchen.

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