Diverses Bloß keine Manipulation

Unternehmer, die ihre Firma neu aufstellen oder verkaufen wollen, können jetzt mit einem simplen Bilanzkniff Steuern sparen.

Die meisten Unternehmer und
Existenzgründer beherrschen
das Spiel: Für geplante Investitionen
ziehen sie Kosten vor und drücken so
den Gewinn: per Ansparrücklage in
der Bilanz.

Das rechnet sich – selbst
wenn der Firmenchef später doch
nicht investiert und die Rücklage gewinnerhöhend
auflöst. Denn so lassen
sich schwankende Bilanzergebnisse
oft Steuersparend glätten. Falls
nicht, hat man immerhin ein gutes
Stück Steuerstundung sicher.

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Neuerdings ist sogar eine satte
Ersparnis drin. Für Unternehmer, die
sich zurückziehen wollen, oder Gründer,
die den Laden dichtmachen. Die
müssen zwar die Ansparrücklage sofort
nachversteuern. Aber nicht zum
vollen Tarif, sondern zu echten Sonderkonditionen.
So entschied jetzt
der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen
X R 31/03).

Davon profitieren können die Inhaber
kleinerer Firmen (Betriebsvermögen
maximal 204.517 Euro) und
Jungunternehmer, die noch an der
Bilanz 2006 basteln. Und die mit dem
Gedanken spielen, die Firma demnächst
zu schließen, zu verkaufen
(eventuell in der Familie) oder in eine
Kapitalgesellschaft zu wechseln. Sie sollten gemeinsam
mit dem Steuerberater prüfen, ob sie
die Möglichkeiten der Ansparrücklage
voll ausreizen wollen. Heißt: den
Gewinn 2006 um bis zu 154.000 Euro
drücken (Existenzgründer: maximal
307.000 Euro).

Steuern fast halbieren

Spätestens nach zwei Jahren (Gründer:
fünf Jahre) muss die Rücklage
raus aus der Bilanz. Wer in dieser Zeit
aber – wie angedacht – aufgibt, verkauft
oder umwandelt, bekommt
kräftig Rabatt. Grund: Die Rücklage
erhöht nicht den laufenden Gewinn,
sondern gilt als Veräußerungs- oder
Aufgabegewinn. Und kostet somit
maximal 25,2 statt 45 Prozent Einkommensteuer.

„Das müssen die
Finanzämter jetzt akzeptieren“, sagt
der Recklinghäuser Wirtschaftsprüfer
Thomas Jonat, der das Bundesfinanzhof-Urteil erstritten hat. Die Behörden haben das Unheil für die Finanzkasse kommen sehen. Und
sie wittern Missbrauch. In der Tat –
was das Finanzamt fuchst, bietet eine
einmalige Chance: Firmenchefs oder
Gründer können mit einem Bilanzkniff
für einen Teil des Gewinns den
Steuersatz fast halbieren.

Es versteht sich, dass die Bundesfinanzhof-Richter keine Steuertrickserei
fördern wollen. Deshalb haben
sie im selben Urteil festgeschrieben:
Wer nicht nur daran denkt, sondern
bereits entschieden hat, den Betrieb zu
verkaufen oder aufzugeben, darf keine
Ansparrücklage mehr bilden oder
aufstocken. Genau hier werden die
Finanzämter ansetzen; also nach Indizien
forschen, die für einen festen Entschluss
des Firmenchefs oder Jungunternehmers
sprechen.

Zum Beispiel nach Aufzeichnungen über Verhandlungen
mit potenziellen Investoren
oder nach Vertragsentwürfen.
Der neue Dreh funktioniert nur
rund um die Bilanzen 2005 und 2006.
Danach gelten neue Regeln (impulse
5/2007). Wer künftig Rücklagen bildet,
später aber nicht investiert, muss
Firmengewinne rückwirkend erhöhen
und versteuern. Experte Jonat:
„Immer zum vollen Steuersatz.“

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