Diverses Boxen, Luder und andere Theaterkatastrophen

Wer sich weder für Kampfsport noch für Theater interessiert, der sollte am Wochenende ins Hamburger St. Pauli Theater gehen. Das Boxerstück "Die Ritze" begeistert auch Sportmuffel und Bühnenhasser.

Wer hat solche Phantasien noch nicht gehabt? Da sitzt man in der U-Bahn und zwar direkt neben einer wahnsinnig gutaussehenden jungen Dame. Sie einfach anzusprechen ist uncool – aber was wäre, wenn dieser Ausbund an Anmut und Eleganz plötzlich von irgendeinem dahergelaufenen Grobian belästigt würde. Dann könnten Sie aufstehen, sich in Position werfen und diesem Schrank von Kerl einfach ein lockeres „Verpiss Dich“ entgegenschleudern. Wenn der ungehobelte Klotz dann auch noch dreckig lacht und Ihnen „Kerle wie dich rauche ich in der Pfeife“ entgegenbrüllt, dann gehen Sie einfach einen weiteren Schritt auf ihn zu und entgegnen ganz entspannt: „Versuchs doch – ich bin Boxer“. Eine ganz vortreffliche Szene, die man im Kopf immer wieder durchspielen kann. Sie hat nur einen Fehler – vom Boxen haben Sie soviel Ahnung wie eine Kuh vom Stricken!

Was tun? Für die große Boxkarriere ist es wahrscheinlich zu spät. Vielleicht sollten Sie sich trotzdem in einem Sportverein anmelden. Oder sich zumindest die DVD „Boxen leicht gemacht“ anschaffen. Oder Sie gehen zur Einstimmung zuerst einmal ins Theater! Wieso Theater werden Sie jetzt fragen: Ganz einfach: Ab diesem Wochenende (Voraufführungen am 5., 6. und 7. März) startet im Hamburger St. Pauli Theater das Boxerstück „Die Ritze“.

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Nein – nicht was Sie jetzt meinen. Die „Ritze“ ist eine legendäre Kneipe auf der Hamburger Vergnügungsmeile. Im Keller des einschlägig bekannten Etablissements steht ein Boxring und in dem trainierten neben ganz vielen Kiezgrößen auch so bekannte Sportstars wie Henry Maske, René Weller oder Graciano Rocchigiani. Und genau dort spielt das Theaterstück. Wobei Theaterstück eigentlich nicht genau beschreibt, was auf der Bühne passiert. Es handelt sich um eine Art Musikrevue.

Regisseur Franz Wittenbrink ist mit seinen Themen-Liederabenden, in denen weltbekannte Hits und Gassenhauer gesungen und gespielt werden, innerhalb von wenigen Jahren zum Superstar des deutschen Theaters aufgestiegen. Der Durchbruch gelang ihm mit „Sekretärinnen“ am Hamburger Schauspielhaus, dann inszenierte er sich mit Themen wie „Männer“, „Mütter“, „Vatertag“ oder „Die Lobbyisten“ durch die ganze Republik.

In seiner brandneuen Produktion treffen sich in dem oben erwähnten Lokal Boxer, Nutten, Zuhälter, Mörder etc. und nutzen die Handlung um möglichst viele Lieder zu singen, die irgendetwas mit dem Boxsport zu tun haben. Ganz bestimmt dazugehören wird der Sixties-Klassiker „The Boxer“ von Simon und Garfunkel. Zu rechnen ist natürlich auch mit „Carmina Burana“ oder dem unverwüstlichen „Eye of The Tiger“ das sich jede Menge Faustkämpfer bei ihrem Einmarsch in den Ring vorspielen lassen.

Also – auch wenn Sie sich noch nicht beim nächsten Sportverein angemeldet haben: Ins St. Pauli Theater sollten sie trotzdem gehen.

Daten
Voraufführungen: 5., 6. März 2010, 20.00 Uhr und 7. März 2010, 19.00 Uhr
Premiere: 8. März 2010, 20.00 Uhr
Vorstellungen: bis 4. April , täglich außer montags, jeweils 20.00 Uhr, sonntags 19.00 Uhr
Vorverkauf: Ticket-Hotline: 040 / 4711 0 666 und allen bekannten Vorverkaufsstellen

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